Frankreich brennt, der Macronismus verlischt: Schulden bei 119 %, Rechtsextreme bei 35 %

Frankreich besiegelt das Ende des Macronismus: Die Schulden liegen bei 119,8 % des BIP, die Rechtsextremen bei 35 %, und neun von zehn Festgenommenen sind minderjährig.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Frankreich brennt, der Macronismus verlischt: Schulden bei 119 %, Rechtsextreme bei 35 %
Frankreich brennt, der Macronismus verlischt: Schulden bei 119 %, Rechtsensrecht bei 35 %

Am 17. Oktober 2026 ging Frankreich zwischen Demonstrationen, Bränden und Plünderungen auf die Straße und besiegelte den Tod einer politischen Idee. Es war nicht nur ein Protest: Es war der Totenschein des Macronismus, jenes Versuchs, eine ideologische Mitte zu etablieren, die die Extreme in Schach halten sollte. Neun Jahre später sind die öffentlichen Dienste ausgehöhlt, die Schulden sind von 98 % auf 119 % des BIP gestiegen, und die beiden Pole — La France Insoumise und das Rassemblement National — teilen sich die öffentliche Debatte. Die Umfragen sehen die Rechtsensrecht für die erste Runde der Wahl im kommenden Frühjahr bei 35 %.

Macron kam mit 39 Jahren an die Macht, jung, clever und arrogant, mit dem Versprechen wirtschaftlicher Dynamik und flexibler Arbeitsmärkte. Er kam aus der Bankenwelt, verstand Geld, war aber in der Sozialistischen Partei sozialisiert. Er versprach, eine Gesellschaft umzubauen, die von und für Boomers entworfen worden war. Er hatte alles: Bei der letzten Präsidentschaftswahl holte er die Mehrheit der Stimmen der 25- bis 34-Jährigen. Fünf Jahre später verachten die Dreißigjährigen ihn, und weniger als einer von zehn jungen Wählern unterstützte bei den Parlamentswahlen 2024 einen Kandidaten des Präsidentenlagers.

Die verstörende Zahl: Neun von zehn Festgenommenen waren minderjährig

Der Protest dreht sich nicht mehr nur um Renten und kommt auch nicht mehr aus den älteren Generationen. Am Samstag waren neun von zehn wegen der Ausschreitungen Festgenommenen minderjährig. Das Durchschnittsalter des TV-Publikums bei France 2 und France 3 liegt bei 60 Jahren. Mit 55 Jahren kann man sich ein neues Auto leisten. Die Werbeerzählung der großen Konsumsegmente richtet sich nicht an sie. Und Macron gestand im Juni 2025 dem Schriftsteller Emmanuel Carrère, er sei "nie Teenager gewesen" und habe mit Teenagern nichts "amt" und verstehe sie nicht.

Der Verfall der öffentlichen Finanzen hat einen generationellen Konflikt neu entfacht, den nur wenige Kandidaten offen zu vertreten wagen. Die Banque de France hat ihre Wachstumsprognose für 2026 auf eine Spanne von 0,4 % bis 0,5 % gesenkt, weit unter die 1 % von Ende 2025, und ihre Inflationsprognose auf 2,5 % angehoben. Das öffentliche Defizit steigt auf 5,2 % des BIP, die Staatsschulden auf 119,8 %. Der perfekte Cocktail für eine Regierung, die von vornherein weiß, dass sie die wirtschaftlichen Forderungen nicht wird erfüllen können.

Kein Ansprechpartner und kein Geld in der Kasse

Ministerpräsident Sébastien Lecornu weiß nicht, ob er die Haushaltsdebatte der kommenden Wochen überstehen wird. Der Präsident hat sich kaum zum Konflikt geäußert und ist, sechs Monate vor seinem Abgang, eine Figur mit wenig Autorität. "Es ist das Ende einer Herrschaft, die in großer Zersetzung endet", erklärt der Journalist und Biograf François-Xavier Bourmaud. "Es gibt Echos von 1968, als auch das Ende des Gaullismus bevorstand. Der Protest der Studierenden ist eine unerwartete Bewegung, die die Regierung kommen sah, aber deren Ausmaß sie sich nicht vorstellen konnte. Zudem ist ein weiterer gefährlicher Aspekt für Macron, dass kein Geld in der Kasse ist. Und das bricht die goldene Regel einer sozialen Krise: zahlen".

Beunruhigend ist laut Bourmaud der Zeitpunkt: "Die Bewegung der Studierenden klingt bereits wie die der Gelbwesten in der ersten Amtszeit. Aber es ist noch überraschender, dass sie Monate vor einer Präsidentschaftswahl stattfindet, wo solche Phänomene nie vorkommen". Der Politikwissenschaftler Pascal Perrineau spricht von "einer Krise des politischen Vertrauens": "Die Enttäuschung über das politische System ist enorm. Der Präsident erreicht Rekordwerte bei der Unbeliebtheit, der Ministerpräsident bekommt den Haushalt nicht durch".

Die Straße spaltet sich zwischen Ende des Monats und Ende der Welt

Auf den Kreisverkehren trafen diejenigen aufeinander, die ums Ende des Monats fürchten, und diejenigen, die ums Ende der Welt fürchten. Oder zumindest um das Ende der Welt, in der ihre Eltern lebten. Der Protest hat ein Repräsentationsproblem: Es gibt keinen klaren Ansprechpartner. Und ein tieferes: Der Macronismus versprach, die Extreme einzudämmen, und hat sie stattdessen verschlungen. Die extreme Rechte steht zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg vor den Toren des Élysée.

Die Debatte darüber, wie auf die Brandstiftung an Denkmälern und Geschäften zu reagieren ist, ist polarisiert. Manche fordern Ausnahmemaßnahmen — Ausnahmezustand, Ausgangssperre, präventive Festnahme der Rädelsführer —, andere weisen darauf hin, dass die Krawallmacher nicht einmal 20 % der Wählerschaft repräsentieren. Zudem kursiert die These, der Kreml und seine Agenten stünden hinter den Bränden, ein Vorwurf, für den es im verfügbaren Material keine Belege gibt. Die Diskussion über die Rolle der Einwanderung bei den Ausschreitungen taucht in der Debatte auf, doch der Artikel selbst stellt fest, dass die monströsen Schulden eines Staates, der mehr ausgibt als er einnimmt, bestehen bleiben, selbst wenn man diese Frage lösen würde.

Der Schuldenschnitt, den niemand bezahlen will

Das eigentliche wirtschaftliche Problem ist das des Euro: Frankreich kann nicht drucken, aber kein Land des Euroraums kann pleitegehen. Bei Schulden von 119,8 % des BIP und einer Austeritätspolitik, die angesichts dieser Proteste unmöglich erscheint, lautet die Frage, die in der Luft liegt, ob die übrigen Mitgliedstaaten — manche ärmer als Frankreich — einen Schuldenschnitt verschenken werden. Eine Antwort liefert das Material nicht. Die Analyse bleibt genau dort stecken: bei der Frage, wer die Zeche bezahlt, wenn die Zeche bereits den Macronismus gekostet hat.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (29 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver