Messen für Franco: 16 Städte und ein Gesetz ohne Wirkung
Jeden 20. November wiederholt sich ein Szenario, das keine Norm bisher unterbinden konnte: Pfarreien in ganz Spanien nehmen Francisco Franco in die Totengedächtnisgebete zum Jahrestag seines Todes auf. Die Fundación Nacional Francisco Franco zählt 16 Städte mit angekündigten Zeremonien, hinzu kommen Kirchen, die nicht auf ihrer Website stehen, wie eine in einem Stadtviertel von León. Der Verein zur Wiederherstellung des historischen Gedächtnisses fordert die Regierung auf, Organisatoren und Unterstützer zu sanktionieren. Und hier beginnt das Problem: Sanktionieren – womit?
Das häufigste Argument der Befürworter ist technischer, fast liturgischer Natur. Eine Totenmesse sei kein Tribut, sondern ein Gebet für eine Seele. In dieser Logik heiligt die Aufnahme Francos in die Fürbitten ihn nicht, sondern ordnet ihn unter die Sünder ein, die Fürsprache benötigen. „Die Messe wird für die Seele einer Person dargebracht, was ist daran falsch?“, fasst ein Kommentar zusammen. Aus dieser Perspektive ist die Politisierung des Begräbnisses das Ungewöhnliche, nicht das Gegenteil.
Was das Gesetz sagt und warum es nicht greift
Das spanische Gesetz zur demokratischen Erinnerung verbietet die Verherrlichung des Franquismus, gilt aber nicht innerhalb eines Gotteshauses. Der Schlüssel liegt in der Art des Aktes: Es handelt sich nicht um einen zivilen Ehrendienst, sondern um eine religiöse Feier mit einem eigenen Namen in einem Gebetsformular. Kein staatliches Gesetz kann einen Pfarrer zwingen, einen Verstorbenen aus der Liste der Gläubigen zu streichen, für die er betet. Ein Kommentar fasst dies mit einem Satz zusammen, der als gesamte Doktrin taugt: „Kein Gesetz darf sich darin einmischen“.
Manche gehen weiter und sehen das Problem nicht juristisch, sondern als Frage der kirchlichen Zuständigkeit. Rom hat sich auch bei viel unbequemeren Figuren nicht positioniert, und die scherzhafte Bitte um eine Seligsprechung, die im Thread kursiert – „Seligsprechung von Franco JETZT“ – funktioniert genau deshalb, weil niemand sie erwartet. Die spanische Kirche habe, so das Argument, ebenfalls kein Interesse daran, dieses Thema anzufassen.
Der Vorwurf, der an der Detailprüfung scheitert
Der härteste Teil der Debatte dreht sich nicht um Liturgie, sondern um Völkerrecht. Es wird argumentiert, Franco habe Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, für die es eine Verurteilung gebe. Die Gegenreaktion ist chirurgisch präzise: Es existieren nur politische Resolutionen, keine gerichtlichen Urteile. Das zitierte Dokument ist eine Studie des Unterausschusses des Sicherheitsrats von 1946, die das Regime als „faschistischen Charakters“ einstufte, etabliert mit Hilfe von Nancy-Deutschland und dem faschistischen Italien. Es ist eine Untersuchung, keine Verurteilung.
Der Austausch entwickelt sich zu einem Kräftemessen der Symmetrien: Wenn die Allianz mit Hitler ausreicht, um Verbrechen anzulasten, gilt derselbe Maßstab für Stalin, der kriegsführender Verbündeter war, nicht neutral. Die offene Frage – wo sind die gerichtlichen Beschlüsse gegen Stalin und Mao? – bleibt im Material unbeantwortet. Die Diskussion endet genau dort, ohne Abschluss.
Stadtviertel, Fahne und Erstkommunion
Der konkrete Fall, der die Debatte auslöst, trägt den Namen eines Stadtviertels: Santa Marina in León. Der Berichterstatter erinnert sich, dass es bereits in den 80er und 90er Jahren bekannt war für eine Falange-Fahne und eine andere mit Adler, die von den oberen Balkonen prangten. Dort empfing er die Erstkommunion; die Taufe fand am Hauptaltar der Kathedrale statt. Barock und Gotik seit der Kindheit, sagt er, und es klingt eher nach Inventar als nach Nostalgie.
Am anderen Ende ist der Einspruch nicht rechtlicher, sondern theologischer Natur: Wenn die Messe für die Erlösung einer Seele gefeiert wird, seien die Verbrechen „entsetzlich“ gewesen und Gebete vielleicht nicht ausreichend. Die Antwort auf diesen Einwand ist die unangenehmste aller Varianten: Heuchelei. Man wählt Franco und nicht den anonymen Schlächter an der Ecke, nicht wegen seiner Seele, sondern wegen der Botschaft. Jesus, wird hinzugefügt, mag keine Heuchler.
Worum es wirklich geht: Wer zahlt und wer betet
Unter dem Lärm liegt eine wirtschaftliche Diskussion über die Ressourcenverteilung, die selten offen ausgesprochen wird. Die Finanzierung der Kirche über das Kästchen in der Einkommensteuererklärung taucht im Austausch mit einer Marktlogik auf: „Ich hatte das X im Feld für die Kirche entfernt. Ich werde es wieder setzen.“ Das bedeutet, die Zeremonie dient als Signal, um eine Basis zu mobilisieren, die bereit ist, dafür zu zahlen.
Die andere Seite ist geografisch. Manche beschweren sich, dass in Galizien keine Messe angekündigt ist, während andere scherzen, der Akt sollte in Valencia stattfinden, wo der Turia-Lauf einer Entscheidung Francos zugeschrieben wird. Die halb ernste, halb scherzhafte Anekdote deutet auf etwas Reales hin: Der 20. November ist mehr zu einer Karte territorialer Sympathien geworden als zu einer einheitlichen religiösen Handlung.
Den Schlusspunkt setzt keine Institution. Es ist die Feststellung, dass der Mechanismus 684 Tage nach Beginn dieser Debatte immer noch gleich funktioniert: eine Pfarrei, eine Liste der Verstorbenen, ein Name, den niemand per Dekret daraus streichen wird. Wie viele weitere 20. November braucht es, bis jemand entscheidet, ob dies ein rechtliches, ein pastorales oder einfach eine Tradition ist, die jene nicht stört, die sie eigentlich stören sollte?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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