Vox und die Einwanderung: Die Stimme, die die Ankünfte nicht stoppt
Während des spanischen Wahlkampfs im November macht in Wirtschaftsforen eine Botschaft die Runde: Vox zu wählen, um die Einwanderung zu lösen, wird nicht funktionieren. Das Argument ist nicht neu, doch diesmal kommt es mit einem konkreten Beispiel daher: Die japanische LDP, die der Autor des Beitrags mit Vox vergleicht, verspricht seit Jahren Härte, und doch ist die nigerianische Präsenz in Tokio laut seiner Darstellung stetig gewachsen. Die These des Eröffnungsbeitrags lautet, dass rechtspopulistische Parteien „Flickenteppiche des Systems“ sind, die die eigentliche Ursache nicht angreifen: die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften und den europäischen „Rentenzahler-Modus“.
Die Diskussion wandte sich schnell der ökonomischen Analyse zu. Mehrere Teilnehmer stellten fest, dass Vox nicht generell gegen Einwanderung ist, sondern speziell gegen muslimische Einwanderung, und dass die meisten Ausländer per Flugzeug aus Südamerika einreisen, nicht mit dem Schlauchboot. Im Thread wird die Schätzung genannt, dass 80 % der Ausländer in Spanien aus südamerikanischen Ländern stammen – ein Strom, den Vox nach diesem Beitrag nicht in Frage stellt. Dagegen argumentieren die Befürworter der taktischen Stimme, dass Vox, selbst wenn es das Grundproblem nicht löst, „das kleinere Übel“ sei und zumindest NGO-Vereine abbauen und die Rhetorik verschärfen könne.
Die Debatte bezog auch die italienische Erfahrung als „Spoiler“ ein: Wenn Vox regieren würde, so die Behauptung, täte es dasselbe wie Meloni in Italien, also nichts. Zudem wurde der Fall Ceuta zitiert, wo die Ankunft von 80.000 Menschen in irregulärer Lage – eine Zahl, die im Thread immer wieder auftaucht – laut dem Autor nicht mit Einschränkungen für Spanier einherging, sondern mit dem Gegenteil. Viele kommen zu dem Schluss, dass das politische System die Migranten braucht, um den Sozialstaat zu finanzieren, und dass rechte Parteien den Hahn nicht zudrehen werden, weil das ihre Geldgeber schädigen würde.
Die im Eröffnungsbeitrag vorgeschlagene Alternative – nicht wählen zu gehen – stieß auf Skepsis. Es wird argumentiert, dass Enthaltung das System legitimierte und ohnehin der Linken nütze. Die Diskussion spitzte sich zu, mit Vorwürfen von „binärem Denken“ und der Empfehlung, sozialistisch zu wählen. Am Ende artete der Thread in einen Austausch von Tweets über Korruption, Lawfare und Wahlkampf aus, mit einer Tatsache, die über allem schwebt: Einwanderung ist das Thema, das die Wähler am stärksten mobilisiert, doch die Parteien, die ihre Eindämmung versprechen, haben nicht die Absicht, es zu tun.
Der „Rentenzahler-Modus“ und billige Arbeitskräfte
Der Kern des ökonomischen Arguments lautet, dass Regierungen der Rechten die Einwanderung nicht verringern werden, weil das System Arbeitnehmer braucht, die Beiträge zahlen, um die Renten zu finanzieren. Der Eröffnungsbeitrag nennt das „europäisches Rentenzahlertum“ und behauptet, dass sich restriktive Maßnahmen nicht gegen Migranten richten, sondern gegen die eigenen Bürger: Überwachungskameras, Kontrollen und Hürden für legales Studieren oder Wohnen. Es ist eine Idee, die in mehreren Beiträgen auftaucht: „Rentenzahler sind für das System sehr notwendig, deshalb werden rechte Regierungen sie nicht wegwerfen“.
Automatisierung und künstliche Intelligenz verschärfen den Widerspruch, so diese These. Wenn die Produktion robotisiert wird, werden einheimische Arbeitnehmer für das System immer überflüssiger, während Migranten als halbsklavische Arbeitskräfte weiterhin nützlich bleiben. Das ist die These, die im Thread vertreten wird: Vox vertritt die Großkonzerne und Unternehmensverbände, die von der Einwanderung profitieren, und ist daher „das politische Vehikel, um Einwanderer ins Land zu holen“.
Das japanische Beispiel dient als Spiegel. Die LDP, die regierende Partei Japans, versprach, das Einwanderungsproblem zu lösen, doch laut dem Autor des Beitrags ist die nigerianische Präsenz in Tokio in den letzten 10 bis 15 Jahren nur gewachsen. Gleichzeitig wurden die Verfahren für legales Studieren oder Wohnen verschärft. Die Schlussfolgerung: Rechte Populisten schließen die Grenzen nicht, sie machen sie nur selektiver für die einfachen Bürger.
Vox ist nicht gegen Einwanderung, sondern gegen muslimische Einwanderung
Einer der Beiträge im Thread vertritt die Auffassung, dass Vox keine Partei gegen Einwanderung im weiteren Sinne ist, sondern eine Partei, die sich speziell gegen muslimische Einwanderung richtet. Das Argument: Die meisten Ausländer, die nach Spanien kommen, reisen per Flugzeug aus Südamerika ein, nicht mit dem Schlauchboot, und Vox stellt diesen Strom nicht in Frage. Man schätzt, dass 80 % der Ausländer in Spanien aus südamerikanischen Ländern stammen, wobei die Zahl ohne Quellenangabe bleibt.
Diese Unterscheidung ist nach dieser Sichtweise relevant, weil sie erklärt, warum der Diskurs von Vox sich auf Schlauchboote und den Sarracin konzentriert, während andere Migrationsrealitäten ignoriert werden. Die einzige Partei, die nach dieser Sichtweise in Katalonien wirklich gegen Einwanderung ist, ist Aliança Catalana, und auf gesamtstaatlicher Ebene die Frente Obrero, wobei letztere nicht im Parlament vertreten ist.
Der Thread diskutiert auch den Fall Ceuta. Es wird die Ankunft von 80.000 Menschen in irregulärer Lage erwähnt und kritisiert, dass man, statt die Einwanderung einzuschränken, Maßnahmen gegen die Spanier ergreift. Es ist ein Verweis, der in mehreren Beiträgen wiederholt wird und die Idee veranschaulichen soll, dass das System nicht darauf ausgelegt ist, Einwanderung zu stoppen, sondern sie zum Nutzen weniger zu verwalten.
Der italienische „Spoiler“ und der Meloni-Spiegel
Die italienische Erfahrung wird als Warnung zitiert. Wenn Vox an die Macht käme, so die Behauptung, würde es dasselbe tun wie Giorgia Meloni in Italien: nichts. Meloni kam mit einem harten Kurs gegen die Einwanderung an die Macht, und nach dieser Meinung sind die Ankünfte nicht zurückgegangen. Es ist der „Spoiler“, der in den Thread geworfen wird: Rechte Populisten versprechen im Wahlkampf, was sie in der Regierung nicht einhalten, weil die wirtschaftlichen Entscheidungen von den Märkten und dem Bedarf an Arbeitskräften bestimmt werden.
Der Vergleich erstreckt sich auf andere Länder: die AfD in Deutschland, Le Pen in Frankreich, Vox in Spanien. Alle gehörten zum selben System und würden sich nach der Machtübernahme darauf beschränken, die Einwanderung zu verwalten, ohne sie zu verringern. Der einzige Unterschied sei der Ton des Diskurses, der sich im Wahlkampf verschärft und in der Regierung mäßigt.
Die gezogene Schlussfolgerung: Die Wahl dieser Parteien ändert nichts an der Wirtschaftsstruktur, die die Einwanderung erzeugt. Höchstens die Rhetorik. Und das ist für die Befürworter der Enthaltung ein Grund, nicht zu wählen.
Enthaltung als Alternative: Legitimiert oder delegitimiert sie?
Der Eröffnungsbeitrag schlägt Nichtwählen als einzige Alternative vor. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Mehrere Teilnehmer argumentierten, dass Nichtwählen das System legitimierte und in der Praxis der Linken nütze. „Dass Nichtwählen das System legitimiert, weiß man schon lange“, heißt es in einem Beitrag. Andere warfen dem Autor vor, eine sozialistische Wahl zu empfehlen, worauf dieser erwiderte: „Das habe ich nicht gesagt, binäre Geister“.
Die Debatte driftete in die Dichotomie links-rechts ab. Für manche ist die einzige Option, Vox als „kleineres Übel“ zu wählen, selbst ohne an sein Programm zu glauben. Für andere bedeutet die Wahl von Vox, dasselbe System weiter zu füttern, das man kritisiert. Die Diskussion spitzte sich zu, mit Vorwürfen von „Schafsherdenmentalität“ und „binärem Denken“.
Am Ende füllte sich der Thread mit Tweets über Korruption, Lawfare und den Wahlkampf, was von dem zentralen Thema ablenkte. Die Einwanderung rückte in den Hintergrund, ersetzt durch den Austausch politischer Propaganda. Die Tatsache, die über allem schwebt: Trotz der Rhetorik hat keine der Parteien, die die Eindämmung der Einwanderung versprechen, die Absicht, es zu tun.
Die Debatte hinterlässt eine unbequeme Schlussfolgerung: Einwanderung ist das Thema, das die Wählerschaft am stärksten mobilisiert, aber die Parteien, die ihre Eindämmung versprechen, werden es nicht tun, weil das Wirtschaftssystem Arbeitnehmer braucht. Vox ist, wie die japanische LDP oder Meloni in Italien, ein Flickenteppich, der die Ursache nicht angreift. Und währenddessen bitten die Bürger das System weiter, ihnen den Wolf vom Hals zu nehmen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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