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Teurer Wein und Verkostung: mehr Story als Geschmack
180 Euro für einen Wein, der nicht besser ist als ein Fünf-Euro-Tropfen. Ein Supermarktwein für 2,50 Euro gewann eine Blindverkostung einer belgischen Fernsehsendung.
180 Euro für einen Wein, der nicht besser ist als ein Fünf-Euro-Tropfen
Ein Supermarktwein für 2,50 Euro gewann eine Blindverkostung, die von einer belgischen Fernsehsendung organisiert wurde, so die Erzählung, die diese Diskussion durchzieht. Das Experiment, an dem ein Sommelier mitwirkte, sollte den schlechtesten Wein finden – und deckte am Ende etwas anderes auf: Der Preis misst keinen Genuss. Die Anekdote ist der Startschuss für einen breiteren Verdacht: Rund um den Wein gibt es einen Prestigemarkt, der Geschichte deutlich schneller verkauft als Geschmack.
Die Zahl, die die Skepsis am besten zusammenfasst, liefert ein Liebhaber, der in der Smart-Farming-Branche arbeitete: Er bekam 2015 eine Flasche für 180 Euro geschenkt und hätte nicht mehr als fünf dafür bezahlt. „Er war gut, es fehlte nur etwas“, räumt er ein, bevor er seine Preisschwelle bei Alltags-Garnachas festlegt. Kein Einzelfall. Ein anderer gesteht, zu Weihnachten einen Wein für gut 30 Euro gekauft zu haben, der „schlechter war als die für 5“.
Was kostet ein guter Wein in Spanien
Die Spanne, mit der die Pragmatiker rechnen, ist eng: Zwischen 6 und 8 Euro bleibt reichlich Spielraum, um gut zu trinken. Ein Abstecher über die Calle Laurel in Logroño, mit ihren jungen Rotweinen und dem einen oder anderen Crianza, ist günstiger und befriedigender als viele eingebildete Restaurantkarten. Sogar ein Rotwein aus dem Guadiana-Tal in Badajoz taucht auf, für fünf Euro die Flasche, beschrieben als spektakulär.
Das eigentliche Argument ist nicht, dass alle Weine gleich schmecken. Sondern dass im Preis Dinge stecken, die man nicht trinkt: Knappheit, Marke, Bewertungen, Vertrieb, Geschichte und Sammlerwert. Der saubere Test ist einfach, und kaum jemand macht ihn: gleiche Stile, gleiche Temperatur, gleiches Glas und blind serviert. Gewinnt der billige, kauft man den billigen – Thema durch.
Der Medaillenwettbewerb und der Zirkus der Punkte
Hier liegt das Detail, das fast niemand beachtet. Viele der Goldmedaillen, mit denen Supermarktweine werben, stammen aus Wettbewerben, die genau auf diese Preisklasse ausgerichtet sind und an denen massenhaft Flaschen unter fünf Euro teilnehmen. Das ist nicht dasselbe wie die Verkostungen der internationalen Referenzpublikationen, wo das Einsenden von Proben Tausende Euro kostet und ein Kritiker hinter schwarzem Glas blind entscheidet. Unterhalb einer bestimmten Punktzahl ist das Geld zum Fenster hinausgeworfen.
Die Schlussfolgerung ist unbequem für die Branche: Das Prämiensystem unterscheidet weniger nach Qualität als nach der Fähigkeit, die Anmeldegebühr zu zahlen. Und der Verbraucher liest die Medaille als objektives Gütesiegel.
Der Pfirsichgeruch, den niemand roch
Die aufschlussreichste Szene erzählt jemand, der einen Verkostungskurs gemacht hat. Die ganze Klasse roch Holz; der Lehrer sagte, es sei Pfirsich; alle rochen danach Pfirsich. Beim Verkosten, so seine These, gehe es mehr darum zu spüren, was andere sagen werden, als um die eigene Wahrnehmung. Und er fügt scherzend hinzu: Zum Anbandeln taugt so ein Kurs durchaus.
Die Parallele zum High-End-Audio liegt auf der Hand: Anlagen für Tausende Euro, die genauso klingen wie jedes andere Gerät am selben Monitor, mit demselben Vokabular von „Körper“ und „Nuancen“. Der Nepp, so heißt es, sei identisch.
Bleibt das Bollwerk derjenigen, die behaupten, ein geschulter Gaumen unterscheide einen 100-Euro-Wein von einem 5-Euro-Wein, und wer das nicht schaffe, habe einen verkümmerten Geschmackssinn oder sei betrogen worden. Kann sein. Aber solange Blindverkostungen immer wieder Überraschungen für 2,50 Euro liefern, hat die Geschichte ein Problem.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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