Forum-Debatte: Die Dritte Welt will konsumieren, nicht aufstreben

Ein Forumsthread behauptet, Nigeria steuere mit nur einem Hafen auf 400 Millionen Einwohner zu. Manche halten die EU bei Produktionsmessung für unterentwickelt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Dritte Welt will nicht aufstreben, sie will konsumieren

Die These ist alt und kehrt jedes Mal zurück, wenn ein Einwanderungsland seine Bilanzen prüft. In einem Forumsthread vertritt ein Teilnehmer die Auffassung, dass die Entwicklung einer Nation daran gemessen wird, was sie produziert, nicht was sie konsumiert. Und an diesem Maßstab steht ein großer Teil des Planeten seit Jahrzehnten in den roten Zahlen. Die Diagnose, die in weniger beschönigenden Wirtschaftskreisen immer wieder fällt, ist einfach: Es gibt Volkswirtschaften, die keinen Wert erzeugen, sondern ihn nur abschöpfen.

Der Fall Nigeria wird als wiederkehrendes Beispiel zitiert. Nigeria steuert auf 400 Millionen Einwohner zu – mit einem einzigen betriebsbereiten Hafen, so eine Rechnung, die im Thread kursiert. Ein Land, das nach dieser Einlassung nichts produziert und aus dem nur das abfließt, was ausländische Unternehmen herausziehen. Die gezogene Schlussfolgerung ist unbequem: Bevölkerungswachstum ohne produktive Basis ist keine Entwicklung, sondern eine tickende Zeitbombe.

Woran sich die Entwicklung eines Landes wirklich misst

Der Indikator, der in diesen Kreisen herangezogen wird, ist weder das Pro-Kopf-BIP noch der Glücksindex. Es ist die Fähigkeit, Waren und Dienstleistungen mit eigener Wertschöpfung zu produzieren. Unter dieser Optik erscheint die Europäische Union als unterentwickelte Region im Vergleich zu den großen Fertigungsblöcken, so ein Beitrag im Thread. Das Paradox ist gewollt: Wenn der Konsument der Rückständige und der Produzent der Fortschrittliche ist, spielt Europa in der Liga der Käufer, nicht der Hersteller.

Manche halten die humanitäre Hilfe für das Problem verschlimmernd statt lösend. Das Argument: Wer Lebensmittel und Ressourcen in Länder ohne produktive Struktur schickt, vertieft deren Abhängigkeit. Die Fabel vom Mönch und dem Lehrling, die in diesen Analysen zitiert wird, veranschaulicht es: Jemanden das Fischen beizubringen ist etwas anderes, als ihm den Fisch zu geben – und wer beides jahrzehntelang verwechselt, erntet die Folgen.

Das koloniale Erbe und der Mythos der Arbeit

Eine wiederkehrende Analyselinie zielt auf das Erbe der Imperien. Die von Briten und Franzosen beherrschten Gebiete lernten zu arbeiten, aber nicht zu Wohlstand zu gelangen, so diese Lesart. Arbeit wurde als Form der Knechtschaft verinnerlicht, nicht als Weg zur Anhäufung von Vermögen. Deshalb bleibt die Nachahmung westlicher Modelle an der Oberfläche und dringt nicht in die Tiefe.

Als Gegenbeispiel dienen die asiatischen Volkswirtschaften. China, Japan und Korea begannen mit Kopieren, verstanden aber das Ziel des Prozesses. Nachahmung ohne Verständnis des Mechanismus erzeugt Abhängigkeit, nicht Autonomie. Es ist eine harte, anfechtbare These, die in Foren für Wirtschaftsanalyse öfter wiederholt wird, als man öffentlich zugibt.

Konsum als Falle und die verstörende Zahl

Der Konsumismus wird als Endstation eines Modells dargestellt, das die produktive Phase nie durchlaufen hat. Amerikanische Schwarze, Sinti und Roma und Lateinamerikaner leben besessen vom Gold, behauptet einer der umstrittensten Beiträge, der ohne Differenzierung verallgemeinert und von den Daten als ökonomische Kategorie nicht gestützt wird. Die Besessenheit von Luxuskonsum macht nicht an Grenzen oder Ethnien Halt: Es ist ein Klassenphänomen, keines der Herkunft.

Die Zahl, die der Prüfung standhält, ist die der Abwanderung von Fachkräften. Es gibt mehr Ärzte aus Malawi in Manchester als in ganz Malawi. Die Ausbildung wird im Herkunftsland finanziert, die Erträge werden im Zielland eingeheimst. Es ist das genaue Gegenteil des Diskurses, der dem Migranten vorwirft, nicht aufstreben zu wollen: Das globale System belohnt die Ab schöpfung von Humankapital, nicht dessen Bindung.

Ein Abschluss kommt nicht. Der demografische Niedergang des Westens und der Kollaps der Aufnahmeländer sind zwei Seiten desselben Prozesses, und niemand weiß, welcher zuerst bricht. Die vorsichtigste Prognose lautet, dass die Korrektur über die öffentlichen Haushalte kommt, nicht über die Reden. Und dann erledigt sich die Debatte, wer konsumieren und wer produzieren will, von selbst – mit Zahlen auf dem Tisch.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (40 Antworten).

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