Madrid vs. Shenzhen: Wolkenkratzer messen die Wirtschaft nicht

Madrid hat 5 Wolkenkratzer, Shenzhen 460. Der Vergleich ignoriert Bevölkerung, Stadtplanung und Chinas Verbot neuer Türme.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Madrid hat 5 Wolkenkratzer, Shenzhen 460: Eine Kennzahl, die nichts misst

Wer Madrid und Shenzhen anhand der Anzahl der Wolkenkratzer vergleicht, hat den wirtschaftlichen Diskurs bereits verloren, bevor er beginnt. Die Daten sind real und werden wie ein Urteil wiederholt: 5 Madrider Türme gegenüber 460 in Shenzhen. Doch ohne Kontext dient diese Zahl jeder möglichen Erzählung. Madrid hat 6,5 Millionen Einwohner; Shenzhen 17,5 Millionen. Der vertikale Vergleich ist kein Thermometer des Wohlstands, sondern eine Postkarte.

Die Wirtschaft von Madrid braucht keine Wolkenkratzer, um ihren Motor am Laufen zu halten

Madrid ist das zweite pharmazeutisch-chemische Zentrum Spaniens, die zweitgrößte Exportprovinz und die viertgrößte Finanzstadt Europas. Katalonien und die Autonome Gemeinschaft Madrid konzentrieren mehr als 85 % der Arzneimittelproduktion des Landes. Dies widerspricht der Karikatur einer Ökonomie aus Beamten und Touristen. Es gibt Investitionen in F&E, eine starke Pharmaindustrie und ein Netzwerk von Hauptsitzen, das das BIP pro Kopf aufbläht – ein Indikator, der laut Datenanalysen nicht misst, was beim Durchschnittsbürger ankommt.

China, das Land, das den Bau von Wolkenkratzern bereits gebremst hat

Der oft ausgelassene Teil: China hat Wolkenkratzer verboten. Im Juli 2021 verbot die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission Gebäude über 500 Meter. Im Oktober 2021 schränkte das Ministerium für Wohnungswesen Türme über 150 Meter in Städten mit weniger als drei Millionen Einwohnern ein und setzte Grenzen für 250-Meter-Türme in Großstädten. Laut eigenen Vorschriften ist Chinas Zukunft nicht mehr Türme, sondern die Kontrolle des Baueüberschusses.

Delirious New York und der Fehler, den Himmel zu vermessen

Der moderne Wolkenkratzer entstand in Chicago und Manhattan als Tempel des Büro-Kapitalismus, nicht des Wohnens. Rem Koolhaas beschrieb dies in „Delirious New York“. Das Hochhaus-Wohnen kam später, populär gemacht durch die europäische sozialistische Architektur der 1920er Jahre und in China übernommen. Manche sehen Fortschritt in diesen Türmen; andere erinnern daran, dass Zürich ohne Wolkenkratzer keineswegs ein Anhängsel der Dritten Welt ist. Die europäische städtische Krümmung mit Leben auf der Straße war eine bewusste Wahl aus der Stadtplanungsdebatte der 90er Jahre.

Es liegt etwas Trügerisches darin, wenn Touristen fasziniert von Zügen, die den Himalaya durchqueren, aus China zurückkehren. Eindruck ist kein Wirtschaftsindikator. Wenn der Trend anhält, wird weder China weitere Wolkenkratzer hinzufügen noch Europa Shenzhen nachahmen. Wenn das nächste Mal jemand ein Luftbild als Argument nutzt, sollte man fragen, wie viele dieser Türme leer stehen, wie viele Büros sind und wie viele zum Leben der Menschen unten beitragen. Die Wirtschaft wird nicht in Höhe gemessen, und die Illusion wird nur so lange bestehen, bis man sich an die unbequeme Tatsache erinnert: Vertikaler Bau ist kein Zukunftsplan, sondern größtenteils ein Geschäft der Vergangenheit.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (119 Antworten).

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