Forges hatte den Absturz schon im Bleistiftstrich, als Banken 40-Jahres-Hypotheken verkauften
Wann begann Spanien davor zu warnen, dass Wohnraum eine Falle ist? Während die Nachrichtensendungen jeden Kran feierten und Sparkassen Wohnungen wie Preise verteilten, veröffentlichte ein kahlköpfiger Mann aus Bilbao jeden Morgen in El País eine Karikatur, die heute schaudern lässt. Ein Typ träumt davon, ein Kind weinen zu hören, das er nicht hat, und wacht auf: Es war die Hypothek. Paco, diese Figur mit einer vierzigjährigen Schuldenlast am Hals, existiert lange, bevor der Ziegelstein über alle hereinbrach. Die Idee stammt von Forges, und wer sich daran erinnert, weiß, warum halb Spanien gleichzeitig lacht und weint.
Dies ist nicht das Land, das die Krise 2008 entdeckt. Dies ist das Land, das seit 2004 den Scherz sah und ihn Übertreibung nannte.
Der Humorist, der vor der Blase warnte, als sie nur eine Party war
Im April 2004, bei billigem Kredit und dem Wort „Abschwächung“ noch im Mund der Optimisten, zeichnete Forges bereits Warteschlangen, Gerüste und Paare, die unterschrieben, was sie nicht zahlen konnten. Die dominante Lesart war damals nicht finanziell, sondern komisch: Man klatschte über den Witz und blätterte weiter. Die Karikatur des Ehepaars, dessen Geheimnis durch ein Baby enthüllt wird, das sich als Darlehensrate entpuppt, fasst die mentale Mechanik einer ganzen Generation besser zusammen als jeder Bericht des Banco de España (Zentralbank Spaniens).
Auffällig ist das Datum. Die Blase begann erst Jahre später zu platzen; die grafische Warnung kam bevor sie platzte. Das macht Forges unbequem: einen Chronisten, der keine Daten des INE (Nationales Statistikinstitut) brauchte, nur einen Blick aus dem Fenster. Manche behaupten, seine Wohnraum-Strips seien das beste emotionale Protokoll einer Epoche; andere kontern, ein Witz sei ein Witz und keine Vorhersage. Eine sterile Debatte: Die Karikatur funktionierte in beide Richtungen, als Spiegel und als Prophezeiung.
Paco, die 40-Jahres-Hypothek und das Porträt der alltäglichen Angst
Es gibt eine Figur, die sich in diesem gesamten Archiv wiederholt und keine finanzielle Metapher ist: Paco. Der Mann, der nicht allein ist. Der Mann, den wir „lieben“. Hinter dem Scherz steckt eine Intuition, die kein Bankprospekt zugab: Schulden leidet man nicht allein, man teilt sie gezwungenermaßen, familiär, generationenübergreifend, eingebettet ins Kissen. Die Hypothek als viertes Familienmitglied.
Die Szene hat ihren Reiz, bis sie ihn verliert. Der Autor zeichnete ein halbes Jahrhundert lang dasselbe: den Normalbürger, der den Gürtel enger schnallt, während oben das Festmahl verteilt wird. Und der Erfolg lag nicht darin, den Absturz vorherzusagen (jeder mit zwei Hirnzellen sah das Chaos), sondern den Humor der Resignation einzufangen, die einzige erträgliche Art, verschuldet zu leben.
Der Krieg der Federhalter: Ist Forges besser als El Roto?
Je weiter das Archiv fortschreitet, desto breiter wird die Diskussion und die klassische Fehde taucht auf. El Roto, so heißt es, positioniert sich stärker; sein Strich ist weniger freundlich, seine Botschaft schwerer verdaulich. Jemand fasst es mit einem Satz zusammen, der in den Redaktionsstuben kursiert: „Forges ist Gott, aber El Roto ist Nietzsche.“ Der Witz enthält ein tiefgreifendes kritisches Urteil: Diskutiert wird, ob es reicht, lustig zu sein, oder ob man verletzen muss.
Die Antwort ist nicht einstimmig. Es gibt Verteidiger, die sagen, El Roto gehe dorthin, wo der andere sich nicht hinwagt, und solche, die antworten, dass ein Humorist in einer großen Tageszeitung immer seiner redaktionellen Linie verpflichtet ist. Dieser Vorwurf, oft wiederholt, unterscheidet kaum zwischen den Unterschriften: Alle großen Pressezeichner arbeiten mit dem Markenzeichen ihres Hauses am Handgelenk. Die Neuheit war nicht Forges. Es war das Format.
Der andere Name, der bis zum Überdruss wiederkehrt, ist Manel Fontdevila, mit Strips über Zwangsräumungen, Anklagen und Hochzeiten, die als Thermometer der Aktualität funktionieren. Zusammen mit Bernardo Vergara, Alfons López oder JRMora wurde die tägliche Karikatur zum einzigen Leitartikel, der gelesen und per WhatsApp-Screenshot geteilt wird.
Der Vorwurf, der nie wegging: Parteinahme im Humor
Keine öffentliche Figur dieses Landes bleibt vom Vorwurf verschont, der Gegenseite zu dienen. Forges wurde das Etikett des linken Zeichners angehängt, El Roto das des Pamphletisten seiner Zeitung. Es gibt eine Argumentationslinie, die besagt, dass im grafischen Humor nur Kritik an bestimmten Zielen toleriert wird und die Miseren der anderen Machtseite mit Samthandschuhen angefasst werden. Es ist die alte Klage über redaktionelle Voreingenommenheit, angewandt mit gleicher Energie auf verschiedene Unterschriften.
Das Detail ist, dass weder die einen noch die anderen davon abgewichen sind. Die Diskussion darüber, ob ein Federhalter frei ist oder ein talentierter Angestellter, ist fast so alt wie die Presse selbst und löst sich nicht durch eine Karikatur: Sie löst sich durch die Gehaltsabrechnung, die fast nie veröffentlicht wird. Inzwischen entscheidet das Publikum mit den Augen: Wenn das Bild bewegt, wird die Voreingenommenheit verziehen; wenn nicht, dient sie als Ausrede.
Von der Blase zum Kapitalismus ohne Alternative: Wie sich die Debatte entwickelte
Mit den Jahren hört das Archiv auf, eine Hommage an den Zeichner zu sein, und wird zum Tagebuch der Enttäuschung. 2016, mitten im amerikanischen Wahlkater, driftet die Konversation in etwas Breiteres als einen Witz über Hypotheken: Diskutiert wird, ob das System bewiesen hat, keine reale Alternative zu haben, und ob sogar die politische Kritik selbst als Ware absorbiert wurde. Die zirkulierende These ist unbequem und wird nicht durch Daten gestützt, erklärt aber den Ton gut: „Wenn Parteien und Werbung über eine mögliche Revolution lachen, hat der Kapitalismus gewonnen“, schreibt – sarkastisch und ohne Ironie – jemand, der an fast nichts mehr glaubt.
Diese Drift ist der Beweis, dass das ursprüngliche Objekt größer war als ein Comicstrip. Forges begann damit, die Angst vor der Darlehensrate zu zeichnen, und endete als Leinwand, auf die das Unbehagen einer Gesellschaft projiziert wurde, die spät entdeckte, dass der Witz Konsequenzen hatte.
„Einer der Großen ist gegangen“: Trauer und was bleibt
Am 22. Februar 2018 springt die Nachricht hervor und der Ton ändert sich. Es wird nicht mehr diskutiert, ob er besser war als El Roto: Man schreibt, um Dankbarkeit auszudrücken. „Meine Großmutter pflegte zu sagen, dass manche Menschen nicht sterben sollten“, hinterlässt jemand, der ein Exemplar von Los forrenta años wie einen Schatz hütet. Andere erinnern sich an die August-Karikaturen, die Urlaubszeichnungen, die man beim Kaffee las. Manche wagen die Behauptung, dass ein Witz ihn vor Gefängnis bewahrte, und andere beschränken sich darauf, „RIP“ und eine Zeile Zuneigung zu schreiben.
Es fehlt auch nicht derjenige, der mitten in der Trauer behauptet, der Zeichner habe sich verkauft, seine letzten Karikaturen seien weich gewesen, der leichte Applaus habe ihn überwältigt. Es ist dieselbe alte Debatte mit einem kürzlich Verstorbenen im Hintergrund, und sie klingt schlimmer. Aber die Diagnose des Dissidenten, der den Geehrten beschuldigt, die Schärfe verloren zu haben, ist kein neues oder exklusives Phänomen: Es passiert jedem, der ein halbes Jahrhundert täglich zeichnet, der manchmal trifft und manchmal aus Routine unterzeichnet.
Die abschließende Bilanz ziehen die Jahre selbst: Tausende von Strips, ein ganzes Land im Bleistiftporträt, und das Gefühl, schwer zu widerlegen, dass ein Typ mit einem Notizblock in einer Karikatur sagte, was Wirtschaftsbereiche drei Jahre brauchten, um anzuerkennen. Ein schwacher Trost. Jetzt, da es keine Karikatur mehr gibt, stellt sich heraus, dass man sie jeden Morgen hätte lesen müssen.
Hinweis: Dieser Artikel analysiert das journalistische und wirtschaftliche Vermächtnis des grafischen Humors. Nichts hier Gesagtes stellt eine Anlageempfehlung dar.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (3224 Antworten).