Figaredo warnt: Die Rentenreform wird traumatisch
Ein Video von nur wenigen Minuten genügte, um die Büchse der Pandora wieder zu öffnen. Darin warnt Figaredo, dass der Übergang zu einem gemischten Rentensystem „traumatisch“ sein wird, und das Gespräch schwenkte sofort auf zwei Verdächtigungen ein: dass die beitragsbezogenen Renten gekürzt und die nicht beitragsbezogenen —Witwen-, Behindertenrenten— abgeschafft oder auf ein Minimum reduziert werden. Der Vergleich mit dem argentinischen Modell tauchte schon in der ersten Nachricht auf und verschwand nicht mehr. Von da an war die Sache keine technische Reform mehr, sondern eine Abrechnung mit dem Wohlfahrtsstaat, wie man ihn kennt.
Die erste Reaktion war ein ironisches Aufatmen unter denen, die seit Jahren behaupten, das System sei ein Schneeballsystem, bei dem die Letzten die Party der Ersten bezahlen. „Adieu, nicht beitragsbezogene Renten“, schrieb jemand. Andere wiederum richteten den Blick auf den Vermittler: Wenn etwas privatisiert werden muss, dann soll man wissen, wer den Kuchen bekommt. Und da tauchte der Name auf, der über jeder Debatte über Investmentfonds und spanische Staatsschulden schwebt.
Wer profitiert vom gemischten Rentensystem
Das am häufigsten wiederholte Argument ist weniger der Schnitt als das Geschäft, das sich dahinter verbirgt. Es wird behauptet, der Übergang zu einem Modell verpflichtender individueller Kapitalisierung würde die Ersparnisse der Rentner in privat verwaltete Fonds mit hohen Gebühren und mäßigen Renditen lenken, fast immer unterhalb des bloßen Marktdurchschnitts. Die Kritik richtet sich nicht gegen die Freiheit zu investieren, sondern gegen die Pflicht, dies über einen Vermittler zu tun, der für die Verwaltung kassiert.
Manche gehen weiter und sagen, das eigentliche Ziel sei nichts anderes, als die Finanzinstitute an einen Kuchen von zigtausenden Milliarden Euro zu lassen. Die Zahl, die im Gespräch kursiert —das Engagement eines großen Fonds bei spanischen Staatsanleihen—, veranschaulicht, dass die Ehe zwischen Fonds und Staat bereits existiert, auch wenn sie sich als Reform verkleidet. Die Frage lautet also nicht, ob es eine Änderung geben wird, sondern wer sie bezahlt und wer daran verdient.
Das argentinische Beispiel und das Gespenst der Privatisierung
Der Verweis auf Argentinien ist kein Zufall. Er dient als Spiegel dafür, was passiert, wenn ein öffentliches Umlagesystem abgebaut und durch individuelle Konten ersetzt wird: Die, die schon drin sind, verlieren erworbene Rechte, und die, die später kommen, finden einen Markt vor, der nichts garantiert. Im Kern liegt der Verdacht, dass das gemischte System kein Zwischenschritt ist, sondern eine Durchgangsstation zur totalen Privatisierung.
Dagegen steht der Einwand, dass es das gemischte System de facto bereits gibt und dass es private Altersvorsorge heißt. Jeder kann sie bei seiner Bank abschließen. Das Problem ist nicht ihre Existenz, sondern die Versuchung, sie verpflichtend zu machen und damit den öffentlichen Teil zu ersetzen. Genau dort bricht der Konsens auseinander, und dort hört das Adjektiv „traumatisch“ auf, Übertreibung zu sein, und wird zur wörtlichen Warnung.
Wer die Renten kürzen wird und warum es keiner zugeben will
Die Diskussion drehte bald ins politische Kalkül. Die vorherrschende These ist, dass die Europäische Union wegen der demografischen Pyramide seit Jahren Anpassungen fordert und dass derjenige, der sie umsetzt, einen politischen Preis zahlen wird. Daher der Verdacht, dass nur eine linke Regierung das tun könnte, ohne dass auf der Straße ein Aufstand losbricht: Die Gewerkschaften und die wohlgesinnten Kommentatoren würden wegschauen oder die Maßnahme mit dem Argument der Nachhaltigkeit rechtfertigen.
Dieses Kalkül existiert neben einem zynischeren: dass die Rechte kein echtes Interesse hat zu gewinnen, weil wer auch immer regiert, unpopuläre Kürzungen durchsetzen muss. Das Ergebnis ist ein Kreis, in dem niemand derjenige sein will, der den Schnitt unterschreibt, und sich alle darauf vorbereiten, dem Vorgänger die Schuld zu geben. Währenddessen nehmen die jährliche Rentenanpassung und der Anstieg der öffentlichen Ausgaben ihren Lauf, und die Frage, wer die Party bezahlt, bleibt in der Luft hängen.
Die Kluft zwischen Rentnern und Lohnabhängigen
Der eigentliche Unmut gilt nicht nur dem System, sondern der Verteilung. Manche vergleichen die Lage eines Rentners mit der eines Arbeiters, der in einer Fabrik 1.400 Euro verdient und zusehen muss, wie sein Gehalt an Kaufkraft verliert, während die Renten per Gesetz angepasst werden. Diese Asymmetrie nährt das Gefühl, dass die Anstrengung immer bei denselben landet und dass das System die Betriebszugehörigkeit über die Produktivität stellt.
Die Diskussion über Sozialleistungen kreuzt sich hier mit der über die öffentlichen Ausgaben. Manche vertreten die Ansicht, das System sollte auf eine Mindestrente beschränkt werden und jeder sein eigenes Vermögen verwalten, mit direkten Hilfen für Miete, Heizung und Lebensmittel statt pauschaler Transferleistungen. Das klingt radikal, trifft aber eine Stimmung, die Kürzungen nicht mehr aus Ideologie fordert, sondern aus Konsequenz: Wenn das Geld nicht reicht, soll man es sagen und mit Augenmaß verteilen.
Am Ende ist die verstörende Erkenntnis nicht die Kürzung oder die Privatisierung: Es ist, dass die meisten, die über die Zukunft der Renten streiten, nicht in der Lage sein werden, sie zu beziehen, wenn das System sich ändert. Und trotzdem haben alle eine Meinung. Fast alle eine Rechnung zu bezahlen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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