Feijóo fordert Opfer, Umfragen deuten auf Umschwung

Feijóo verlangt unspezifizierte Opfer, während Michavila einen möglichen Wahlsiegwechsel nicht ausschließt. Debatte über Rentenkürzungen und Trumps 5%-Verteidigungsausgaben.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Feijóo fordert Opfer, Umfragen deuten auf Umschwung
Feijóo fordert Opfer, als sich die Umfragen wenden

Fünf Wochen vor der Wahl am 29. November steht die konservative Volkspartei (PP) in Spanien vor einem unbequemen Wahlkampf. Ihr Anführer Alberto Núñez Feijóo hat die Spanier zu „Opfern“ aufgerufen, ohne konkret anzugeben, welche gemeint sind. Das Wort – das die Sparmaßnahmen von 2010 begleitete – hat alle Alarmglocken ausgelöst. Narciso Michavila, Direktor des Meinungsforschungsinstituts GAD 3, schließt einen letzten Moment-Wahlsiegwechsel nicht aus. Umfragen sind keine Schnappschüsse: Sie sind Filme, deren Drehbuch sich noch ändern kann.

Das Problem ist nicht nur, was Feijóo sagt. Es ist, wie er es sagt. In einem öffentlichen Diskurs, der durch Tweets und Schlagzeilen bestimmt wird, wird jede wirtschaftliche Aussage zur Munition. Und diese Munition zielt diesmal nach innen.

Was „Opfer“ bedeutet, wenn die PP sie fordert

Das Wort „Opfer“ hat ein Gedächtnis. 2012 trieb die Arbeitsmarktreform der PP die Arbeitslosigkeit auf 30 %, mit Lohnkürzungen von 20 % und einem Kaufkraftverlust von 7 %, laut den im Diskurs zirkulierenden Daten. Wer heute dieses Wort verwendet, kann nicht so tun, als beginne alles bei Null.

Das am häufigsten wiederholte Argument ist, dass Feijóo keine Details nennt, weil er es nicht kann. Wenn er Anpassungen detailliert – Einfrieren der Renten, Kürzung von Stipendien, Überprüfung des Mindestlohns – verliert er Stimmen an der sozialen Front. Wenn er sie nicht detailliert, verliert er Glaubwürdigkeit an der wirtschaftlichen Front. Ein Klassiker.

Manche behaupten, die PP ziehe es vor, diese Wahlen nicht zu gewinnen. Die kommende Legislaturperiode, die Anpassungen erfordert, die Deutschland und Frankreich bereits akzeptiert haben, wird unpopulär sein. Besser, man lässt die Linke sich mit den Kürzungen verbrennen und präsentiert sich 2027 sauber. Es ist eine zynische Hypothese, aber nicht abwegig.

Der Geist von 2010 und warum der Kontext anders ist

2010 opferte sich Zapatero mit den Kürzungen. Das Land hatte keinen Spielraum: Die Krise drückte und es gab nichts zu holen. Heute sieht das Szenario anders aus. Die Wirtschaft wächst – so gut sie eben wächst – und die Staatsausgaben stützen ein Netz, das einen großen Teil der Bevölkerung konzentriert: Renten, das Existenzminimum (IMV), Subventionen, Beamte und politische Apparate.

Das ändert die politische Kalkulation. Kürzen ist heute nicht nur unpopulär: Es riskiert soziale Unruhen in einem bereits polarisierten Land. Die Rechte weiß das. Deshalb spricht Feijóo abstrakt von Opfern und überlässt es anderen – etwa Abascal –, die Konsequenzen zu tragen.

Renten, Trumps 5 % und die vorherrschende Erzählung

Die PP will die Renten anfassen. So sagen sie es natürlich nicht. Sie sprechen von Nachhaltigkeit, Kapitalisierung und Fonds. Aber die Erzählung, die sich festgesetzt hat, ist eine andere: Wenn das Rentensystem so defizitär wäre, gäbe es nicht so viele Fonds, die gerne investieren würden. Was nicht rentabel ist, wird nicht privatisiert.

Hinzu kommt die von Trump geforderte Verteidigungsquote von 5 %. Kritiker sagen, dies verurteile Spanien zu höheren Steuern, mehr Defizit und dem Abbau von Gesundheitswesen und Bildung. Feijóo hat dies nicht dementiert. Ideologische Unterwerfung, nennen sie es.

Feijós Problem ist nicht das Was, sondern das Wie

Feijóo ist kein guter Kommunikator. Er stolpert beim Lesen, verliert sich bei der Erklärung der Steuerpolitik und langweilt die eigenen Reihen. In einer Partei, die vom epischen Stil Aznars und dem Lächeln Rajoys lebte, findet der Galego seinen Ton nicht. Und das fällt im Wahlkampf auf.

Die schwebende Frage ist, ob die PP mehr hat als die Abnutzung der PSOE. Denn wenn der Wahlkampf zu einem Referendum über Feijóo wird, ist das Ergebnis nicht geschrieben. Michavila weiß das. Deshalb hält er sich bedeckt.



Am 29. November geht es nicht um Links oder Rechts. Es geht darum, ob die PP einen wirtschaftlichen Diskurs artikulieren kann, der nicht nach 2012 klingt. Im Moment klingt es nach 2012. Und in einem Land, das sich noch an die Kürzungen erinnert, ist das kein gutes Zeichen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (74 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver