Fachkräftemangel in Spaniens Gastronomie: 2.200 Euro Brutto locken keine Kellner mehr

Von 2.200 Euro Brutto in der Gastronomie bleiben 1.400 Euro netto; bei explodierenden Mieten akzeptiert niemand mehr geteilte Schichten. Eine Analyse des Falls.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

2.200 Euro Brutto in Madrid: das Gehalt, für das niemand mehr als Kellner arbeitet

Ein Gastronom aus Madrid behauptet, er könne 2.200 Euro Brutto im Monat zahlen und findet niemanden. Der Satz klingt wie eine berechtigte Klage, bis man nachrechnet: Dieses Gehalt bleibt bei rund 1.410 Euro netto bei zwölf Monatslöhnen und, je nach Betrachtungsweise, bei 1.700 Euro, wenn sich das Brutto auf das Arbeitergehalt bezieht. Da die durchschnittliche Miete für ein Zimmer in der Hauptstadt höher ist als zum Durchatmen nötig, ist das Angebot kein Gehalt, sondern ein Ticket zu Cáritas. Die Branche klagt seit Jahren über Personalmangel; was fehlt, ist etwas anderes.

Was die 2.200 Euro Brutto verschweigen

Die erste Falle in der Anzeige ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto. Eine detaillierte Rechnung über 2.200 Euro Arbeitgeberkosten lässt den Arbeitnehmer mit rund 1.410 Euro monatlich nach Sozialversicherung und Einkommensteuer zurück: 1.665 brutto, 108 Sozialabgaben und 147 Steuerabzug. Wäre das Angebot ein echtes Brutto von 2.200 Euro, stiege das Netto auf etwa 1.700. In jedem Fall weit entfernt von dem, was die Anzeige klingen lässt. Bei 2.000 Euro Arbeitgeberkosten bleibt für den Kellner rund 1.330 netto.

Dieselbe Rechnung verlangt den Vergleich mit dem Mindestlohn. 2012 lag der Mindestlohn in Spanien bei 700 Euro, und ein Kellner mit 1.400 Euro netto konnte wie ein anständiges Gehalt wirken. Heute liegt der Mindestlohn bei etwa 1.200 Euro; der Abstand hat sich verkleinert, während alles andere — Miete, Lebensmittel, Verkehr — stärker stieg.

Das Problem ist nicht das Gehalt, es ist der Wohnraum

Das Argument, das die ganze Diskussion durchzieht, ist das Wohnen. Mit 1.400 oder 1.700 Euro frisst ein Zimmer in einer WG in Madrid einen unerträglichen Teil des Einkommens; eine ganze Mietwohnung ist schlicht unmöglich. Manche vergleichen die Lage mit dem Universum-25-Experiment: ein Umfeld, in dem der Mangel an Lebensraum das Zusammenleben zerstört. Dasselbe Phänomen hat Polizisten und Lehrer bereits von Ibiza vertrieben; Málaga, Madrid und Barcelona ziehen nach.

Die Lösung, die in den Analysen immer wieder genannt wird, ist so einfach, dass sie nervt: Würde der Gastronom eine Wohnung stellen — auch bei nur 2.000 Euro Brutto —, stünden die Bewerber Schlange. Oder er müsste 3.000 netto zahlen. Solange ist die Klage „es gibt kein Personal“ ein Euphemismus für „es gibt kein Personal, das für ein Butterbrot in einer Bruchbude wohnen will“.

Geteilte Schichten und Stunden, die niemand zählt

Der Stundenlohn erweist sich als erbärmlich, sobald man den Dienstplan ansieht. Die üblichen Bedingungen der Branche — geteilte Schichten, Schließungen am Wochenende, 70-Stunden-Wochen ohne zwei freie Tage — machen aus den 2.200 Euro Brutto eine mathematische Falle. Manche rechnen mit über tausend Überstunden pro Jahr, die weder bezahlt noch in der Sozialversicherung angerechnet werden. Es ist nicht so, dass es keine Kellner gibt; es gibt nur keine Kellner, die ihre Zeit verschenken wollen. Der Vergleich mit anderen Ländern hilft dem Gastronomen auch nicht: In Rumänien, Italien, Ungarn, Tschechien oder Portugal verdient ein Kellner rund 1.600 Euro netto — bei überall günstigeren Preisen, Wohnraum inklusive.


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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (91 Antworten).

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