Ukraine würde auf 25 % des Gebiets verzichten – Europa zahlt die Zeche

Selenskyj würde die aktuelle Demarkationslinie als neue Grenze akzeptieren: Die Ukraine behält 75 % des Gebiets, die Energiekosten trägt Europa.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukraine würde auf 25 % des Gebiets verzichten – Europa zahlt die Zeche
Selenskyj und die 75 % des Gebiets: Der Frieden kommt mit Rechnung

Stimmt es, dass Selenskyj den Frieden mit 75 % des ukrainischen Gebiets akzeptieren wird? Die Version, die sich gerade durchsetzt und gestützt auf das, was Europa Press bereits veröffentlicht, besagt, dass Kiew die aktuelle Demarkationslinie als neue Grenze akzeptieren würde: formeller Verzicht auf das Verlorene und Behalten von rund drei Vierteln der Landkarte. Es gibt keinen unterzeichneten Vertrag, keinen öffentlichen Text, keinen Zeitplan. Das sollte man festhalten, bevor man etwas feiert.

Denn eine faktische Grenze anzuerkennen ist etwas ganz anderes, als eine Kapitulation mit Garantien zu unterzeichnen. Zwischen beiden Szenarien liegen Jahre der Ambiguität, und in dieser Lücke wird entschieden, wer das Gas, den Diesel und den Wiederaufbau bezahlt.

Was bedeutet es, die Demarkationslinie als Grenze zu akzeptieren?

Die Demarkationslinie ist die faktische Grenze, die heute die militärischen Positionen trennt. Sie als neue Grenze zu akzeptieren bedeutet, die bestehende territoriale Kontrolle anzuerkennen, ohne dass ein vollständiger Vertrag nötig ist – etwas, das die politische Landkarte lange vor der juristischen verändert. Praktisch würde Kiew rund 75 % des Gebiets behalten und auf den Rest verzichten, ohne dass jemand geklärt hätte, was mit der Krim oder den umstrittenen Gebieten geschieht.

Das Detail ist nicht geringfügig. Die Ukraine startet aus einer demografisch fragilen Position: viermal weniger Bevölkerung als Russland, die Hälfte des Landes lebt im Ausland, und die Wirtschaft wird von externen Geldern getragen. Jede Vereinbarung, die auf dieser Basis geschlossen wird, hat ein Verfallsdatum, wenn sie keine überprüfbaren Sicherheitsgarantien enthält – und niemand hat bisher erklärt, welche das sein sollten.

Der Diesel kommt vor dem Friedensvertrag

Die Energierechnung schleicht sich in jedes Gespräch über die Ukraine ein, und hier ist es nicht anders. Manche beziffern die privaten Ausgaben für Gas und Kraftstoff auf 500 Euro monatlich und behaupten, dieser Mehrkosten stamme aus einem Konflikt, den wir nicht gewählt haben. Das Argument hat ein chronologisches Problem: Die rasende Inflation begann Mitte 2021, Monate vor Beginn der Invasion im Februar 2022 – der Krieg hat das Bild also verschärft, nicht erschaffen.

Überprüfbar ist hingegen die Wende bei der Versorgung. Europa ging von einer Abhängigkeit von russischem Gas von zeitweise über 80 % dazu über, Flüssiggas zu kaufen, großteils aus den USA, teurer und mit zusätzlichen Frachtkosten. Diese Differenz landet auf der Rechnung und bei der industriellen Wettbewerbsfähigkeit. Auf dem Papier sollte das Kriegsende die Preise entlasten; in der Praxis lassen sich die Regasifizierungsinfrastruktur und die bereits geschlossenen Mehrjahresverträge nicht mit einer Pressemitteilung rückgängig machen.

Russland und sein Minimalziel: Der Donbass bleibt in weiter Ferne

Die andere Seite der Geschichte verdient dasselbe Misstrauen. Die vollständige Einnahme des Donbass wird seit Februar 2022 als russisches Minimalziel dargestellt, und zum Zeitpunkt dieser Diskussion ist dieses Ziel weiterhin nicht erreicht. Eine Berechnung, die in der Analyse kursiert, setzt den Abstand zwischen der aktuellen Lage und diesem Minimum bei zwanzig Galaxien – eine elegante Art zu sagen, dass er nicht nah ist.

Zur Abnutzung: Die meistgenannte Schätzung spricht von mehr als 300.000 russischen Toten, Hunderttausenden Verwundeten und einem getroffenen Energiesektor, mit einer Kriegswirtschaft, die zur Zeitbombe wird, sobald die Demobilisierung kommt. Es sind Zahlen ohne unabhängige Überprüfung, aber sie deuten auf ein bekanntes Muster hin: Armeen, die sich zu halten scheinen und eines Tages zusammenbrechen, wie im Ersten Weltkrieg. Der Vergleich wird genutzt, um den Fall der Ukraine vorherzusagen; er passt genauso für Russland.

Wer zahlt den Wiederaufbau, und womit?

Hier wird die Debatte unbequem. Die Ukraine hat Schulden bei den USA und der Europäischen Union, und ein großer Teil dieser Schulden ist mit Konzessionen zur Rohstoffausbeutung verknüpft. Die Rede ist von Hundert Milliarden, die für eine Gegenoffensive zugesagt wurden, die nie stattfand, und von einem Szenario, in dem die Europäer am Ende unbezahlbare Verpflichtungen erben, während Washington in Mineralien kassiert.

Das logische Fazit, wenn man es zu Ende denkt: Die EU war Statist und Zahler – sie bringt das Geld auf, bekommt die Energierechnung und trägt die politischen Kosten einer Nachkriegszeit, die sie nicht kontrolliert. Dass der Frieden eine gute Nachricht für die Ukrainer ist, macht ihn nicht automatisch zu einer guten Nachricht für den deutschen oder spanischen Steuerzahler.

Überlebt Selenskyj den Frieden politisch?

Ohne Krieg verliert das politische Kapital von Selenskyj sein Argument. Das ist der meistgeäußerte Einwand und auch der schwerste zu widerlegende: Ein mit fragilem Mandat gewählter Führer, getragen von der Ausnahmequalität des Konflikts, müsste danach den undankbaren Teil bewältigen – Kürzungen, Wiederaufbau, Veteranen, Schulden – ohne die epische Erzählung, die ihn stützt.

Die Hypothese, die an Gewicht gewinnt, verortet den Druck in Washington: eine über Monate dosierte Unterstützung, um Verhandlungen zu erzwingen, mit einer gezielt platzierten Ankündigung vor einer Zwischenwahl. Das ist Spekulation, keine bestätigte Information. Es passt jedoch zur Logik dessen, wer sich den Erfolg auf die Fahne schreiben will, ohne die Kosten zu tragen.

Der Frieden, wenn er kommt, wird die Sache nicht abschließen: Er wird sie in Form einer Prüfung eröffnen. Und Prüfungen, anders als Kriege, dulden keine Helden.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (308 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver