Die Europäische Union funktioniert mit einem institutionellen Design, bei dem die Kommission, deren 27 Kommissare die Wähler nicht bestimmen, das Gesetzgebungsinitiativrecht monopolisiert und wo fast 18.000 Lobbyorganisationen registriert in Brüssel tätig sind. Dieses Gefüge erzeugt Entscheidungen, die die Bürger niemals wählen würden – ganz ohne Korruption: Die Anreize genügen.
Es gibt eine Art, die Europäische Union zu betrachten, die nicht über die Debatte führt, ob sie zu viel oder zu wenig ist, sondern über etwas Unangenehmeres: wie sie aufgebaut ist. Einmal alle fünf Jahre wählen die Bürger ein Europäisches Parlament, das keine Gesetzgebung initiieren kann. Das Organ, das Gesetze vorschlägt, ist die Kommission, mit 27 Kommissaren, die niemand gewählt hat und die aus Verhandlungen hinter verschlossenen Türen zwischen Staats- und Regierungschefs hervorgehen. Die Gesetzentwürfe werden anschließend zwischen Kommission, Parlament und Rat in den sogenannten Trilogen verhandelt, geschlossenen Treffen, bei denen die eigentlichen Entscheidungen fallen. Eine Norm, die für 450 Millionen Menschen gelten wird, geht durch Korridore, die 99,9 % von ihnen nie zu sehen bekommen.
## Brüssel, Hauptstadt des Lobbyismus
Die Distanz ist nicht nur geografisch. Brüssel ist zur Welt Hauptstadt des Lobbyismus geworden: Fast 18.000 Organisationen stehen im Transparenzregister, Zehntausende Lobbyisten, mehr als 50 pro EU-Abgeordnetem. Und das ist nur der deklarierte Teil. Dazu kommt die Drehtür: Ein ehemaliger EU-Abgeordneter muss nur sechs Monate warten, bevor er selbst zum EU-Lobbyisten wird.
Das eigentliche Problem ist eines der Anreize, nicht der Sarracena. Ein nationaler Abgeordneter, der für ein Gesetz stimmt, das die Landwirte seines Wahlkreises ruiniert, trifft sie samstags auf dem Markt. In Brüssel kreuzt sich der Entscheider nie mit den Menschen, die mit seinen Entscheidungen leben, isst aber jeden Tag mit Lobbyisten. Das System optimiert nicht für das Wohl der Bevölkerung: Es optimiert für die Interessen derer, die im Raum sitzen. Korruption braucht es dafür nicht. Auch wenn es sie manchmal, wie Qatargate zeigte, trotzdem gibt.
## Mercosur und das nie wiederholte Referendum
Das Ergebnis ist ein struktureller Anreiz, Dinge zu akzeptieren, die die Menschen nie wählen würden. Das Abkommen mit Mercosur wird seit 25 Jahren verhandelt. Frankreich stimmt im Januar 2026 im Rat dagegen und wird in der Abstimmung überstimmt. Um zu verhindern, dass die nationalen Parlamente es blockieren, teilt die Kommission das Abkommen in zwei Texte, darunter ein Handelsabkommen, das nur eine Stimme in Brüssel braucht. Das Europäische Parlament selbst schreibt schwarz auf weiß, dass diese Aufspaltung die Rechte der nationalen Parlamente umgeht, und legt den Fall dem Gerichtshof der EU vor. Die Antwort der Kommission: Sie wendet das Abkommen ab dem 1. Mai 2026 vorläufig an, ohne die Meinung des Gerichtshofs abzuwarten. Die Landwirte protestierten vor dem Parlament. Sie verloren trotzdem.
Und man sollte sich an das einzige Mal erinnern, als die Menschen direkt zu Europa befragt wurden: 2005 lehnten Frankreich und die Niederlande die Europäische Verfassung ab. Der Text kehrte zwei Jahre später als Vertrag von Lissabon zurück, ratifiziert von den Parlamenten. Keine Referenden mehr.
## Migrationsquoten und verpflichtende Solidarität
Bei der Einwanderung wiederholt sich der Mechanismus. 2015 wurden Umverteilungsquoten mit qualifizierter Mehrheit gegen Länder durchgesetzt, die dagegen gestimmt hatten. Seit dem 12. Juni 2026 gilt der Migrations- und Asylpakt in der gesamten Union mit seinem Mechanismus der verpflichtenden Solidarität: Entweder man nimmt Menschen auf, oder man zahlt. Kein europäisches Volk wurde dazu direkt befragt, obwohl es das Thema ist, das seine Gesellschaften am tiefsten verändert.
## Soros, die NGOs und die finanzierte Schleife
Das raffinierteste Teil des Gefüges hat einen Namen. **George Soros** verstand vor allen anderen, dass man keine Wahlen gewinnen muss, wenn man das Ökosystem um die Entscheider herum formt. Sein Netzwerk, die **Open Society Foundations**, gilt als der größte private Geldgeber von Interessenvertretungsgruppen weltweit. In Brüssel betreibt es mit dem Open Society European Policy Institute seinen eigenen Lobbyarm gegenüber den europäischen Institutionen. Interne Dokumente, die 2016 durchsickerten, zeigten ein Papier mit dem Titel „Verlässliche Verbündete im Europäischen Parlament“, das mehr als 200 EU-Abgeordnete auflistete, sowie Strategien zum Aufbau interner Arbeitsgruppen, die Verbündete versammeln sollten, um die Ziele im Tagesgeschäft voranzutreiben. Es wurden Schulungen für EU-Abgeordnete organisiert, wie man den sogenannten populistischen Parteien entgegenwirkt.
Der Mechanismus ist elegant: Die Thinktanks liefern die „Expertise“, die NGOs liefern die „Forderung der Zivilgesellschaft“, die Rechts-NGOs klagen, die finanzierten Medien liefern die Erzählung. Der Entscheider in Brüssel, isoliert von der Bevölkerung, hört dieselbe Botschaft aus allen Richtungen und glaubt am Ende, dass genau das die Leute wollen. Und die Schleife finanziert sich selbst: Zwischen 2021 und 2023 zahlte die EU rund **7,4 Milliarden Euro** an NGOs, und der Europäische Rechnungshof stellte fest, dass die Verwendung dieses Geldes unzureichend transparent war. Kam ans Licht, dass die Kommission NGOs finanziert hatte, um EU-Abgeordnete zugunsten ihrer eigenen Green-Deal-Gesetzgebung zu lobbyieren. Die Institution zahlt der „Zivilgesellschaft“ dafür, ihr das zu fordern, was sie ohnehin vorhatte.
All das ist legal. Genau das macht es zu einem Hack und nicht zu einem Verbrechen: Das System funktioniert, wie es konstruiert ist – nur hat es niemand für die Menschen konstruiert. Die Lösung ist einfach zu benennen und schwer durchzusetzen: Entscheidungen näher an die bringen, die sie tragen, Referenden über Fragen abhalten, die eine Zivilisation verändern, ein verpflichtendes Register für jeden Einflussakteur schaffen – auch für NGOs – mit ihren Geldquellen, und die Drehtür schließen. Bis dahin wird die europäische Demokratie eine Benutzeroberfläche bleiben, die über einem System sitzt, das für jemand anderen läuft.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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