Europa-Kritiker bleiben trotz ihrer Verurteilung

Debatte über ideologische Konsistenz: Warum Kritiker des westlichen Verfalls selten nach China oder Israel auswandern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Europa-Kritiker bleiben trotz ihrer Verurteilung
Warum Europa-Kritiker nicht nach China oder Israel ziehen

Die einleitende Frage ist unbequem und geht direkt zur Sache: Wenn jemand behauptet, Europa sei ein dekadenter Schandfleck, warum lebt er dann weiterhin dort, statt in das Paradies zu ziehen, das er angeblich bewundert? Diese unverblümte Prämisse löst eine Kaskade von Antworten aus, die Ironie, Beleidigungen und einige substanzielle Argumente mischen. Die Kernfrage ist nicht banal: Es geht um die Messung der Kohärenz zwischen dem, was man online verkündet, und wie man tatsächlich lebt.

Was sofort ins Auge fällt, ist, dass die Frage als dialektische Falle wahrgenommen wird. Mehrere Teilnehmer weisen darauf hin, dass Kritik am Westen nicht bedeutet, Russland oder China zu unterstützen, und dass man das kritisiert, was man am besten kennt: die eigene Heimat. Die wiederkehrende Analogie ist häuslicher Natur: Bevor man wegen einer dreckigen Wohnung umzieht, macht man sie sauber. Und raten Sie mal, wer gereinigt werden muss, damit die Wohnung würdig wirkt, schreibt einer der schärfsten Kommentatoren, bevor er einen Verdacht gegenüber einer Gruppe andeutet, die laut dieser These seit über zweitausend Jahren nirgendwo willkommen war. Der Satz, hier aufgrund seiner Last weggelassen, bestimmt den Ton eines Teils des Austauschs.

Chinas Einreisekosten und Visa, die Europa nicht verlangt

Das konkreteste Argument vergleicht Migrationsanforderungen. Die Einreise nach China wird immer schwieriger: Für Visa werden Abschlüsse oder Businesspläne verlangt, da das Land Menschen sucht, die seine Wirtschaft und Technologie fördern können. In Europa hingegen, so dieselbe Intervention, reicht es, ein prekäres Boot zu besteigen. Diese Asymmetrie dient als Beweis dafür, dass das alternative Paradies nicht für jeden offen steht, schon gar nicht für jene, die es aus der Ferne idealisieren.

Die Gegenreaktion folgt schnell: China wird bald die führende Wirtschaftsmacht sein, aber der Umzug dorthin liegt außerhalb der Reichweite der meisten. Die Schlussfolgerung lautet, dass es klüger ist, das eigene Land zu reparieren, als in ein Ziel auszuwandern, das Humankapital erfordert, das viele Bewunderer nicht bieten.

Israel als westliche Kolonie: Das Argument kehrt sich gegen sich selbst

Die Diskussion verschiebt sich auf Israel. Ein Teilnehmer erklärt, er würde eher nach Israel als nach China gehen, da er dort bessere Lebensgrundlagen sehe, anders als in Sibirien. Die Antwort ist scharf: Wenn Israel im Westen Europa repräsentiert, gibt man implizit zu, eine westliche Kolonie im Nahen Osten zu sein. Der Clou: Lieber eine westliche Kolonie, denn dort leben die Menschen besser.

Ein Datenpunkt schleicht sich in die Debatte: Nur 10 % der Nnnn sind nach Judäa gezogen, während die Mehrheit bevorzugt unter Nicht-Nnnn lebt, vor allem in den USA. Die Interpretation besagt, dass das erträumte Paradies nicht einmal jene anzieht, die direkte Bindungen dazu haben könnten.

Falsche Dilemmata und das Recht, das zu kritisieren, was man bezahlt

Die ordentlichste Widerlegung kommt von jenen, die auf das falsche Dilemma hinweisen: Zu unterstellen, dass Kritik an Europa Unterstützung für Russland oder China bedeute, ist absurd. Der Westen wird mehr kritisiert, weil man hier lebt und seine Probleme besser versteht. Es gibt auch ein wirtschaftliches Argument: Steuerzahler finanzieren den Westen, und das Recht auf Kritik wird durch Steuern bezahlt.

Diese Linie wird durch eine weitere Idee gestützt: Wenn Ihre Wohnung ein Chaos ist, erkennen Sie es zuerst an und beheben Sie es dann; die Wohnung des Nachbarn zu kritisieren, ohne die eigene zu reparieren, ist Ablenkung. Kohärenz wird daher nicht am Gepäck gemessen, sondern an der Bereitschaft, die eigenen Angelegenheiten zu korrigieren.

In Spanien bleibende Bürger versus Sofa-Schläfer in London

Der letzte Twist zielt auf jene, die tatsächlich ausgewandert sind. Es wird behauptet, kein enthusiastischer Verteidiger Israels oder der USA sei wirklich dorthin gezogen, während jene, die es versucht haben, in London scheiterten, auf Sofas schliefen und sich etwas vormachten. Die Realität, so das Fazit, lässt alle in Spanien.

Die Antwort auf diese Salve betont das Recht zu bleiben: Niemand hat die Autorität, einem Spanier zu sagen, er solle sein Land verlassen. Wenn die Mehrheit gegen Liberalismus, NATO oder Handel mit China stimmt, müssen Befürworter des Gegenteils dies akzeptieren. Das nennt man Demokratie, fügt ein Kommentar hinzu.

Der Austausch endet ungelöst. Die Anfangsfrage bleibt bestehen, aber die vorherrschende Antwort ist, dass jedes Paradies meist dort liegt, wo man bereits lebt. Mit einer Ausnahme: Wer wirklich geht, zieht selten an das Ziel, das er predigt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (114 Antworten).

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