EU: Spaniens Rentensystem vor 60%iger Kostensteigerung

Brüssel warnt, dass Spanien 60 % mehr Rentner finanzieren muss. Das System wechselte von einem 66-Milliarden-Euro-Puffer zu einer entsprechenden Schuld.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EU: Spaniens Rentensystem vor 60%iger Kostensteigerung
Das Rentenloch: Finanzierung für 60 % mehr Empfänger

Kann Spanien die Rentenbezüge um 60 % erhöhen, ohne Leistungen zu kürzen oder Steuern zu steigern? Kein Amtsträger beantwortet diese Frage laut. Brüssel deckte das Defizit mit einer unbequemen Alternative auf: entweder Kürzungen bei den Renten oder ein historisch beispielloser Produktivitätssprung in Spanien – was angesichts der aktuellen Lage als unmöglich erscheint. In diese Lücke fiel eine Erhöhung von 8,5 %. Und da das Problem nun offen liegt, wird die übliche Lösung angewandt: Die Beitragszahler werden stärker belastet, während man darauf hofft, dass die Nachfolgenden durchhalten.

Was Brüssel zum Rentenloch sagt

Ausgangspunkt ist ein Artikel der Zeitung elEconomista vom 9. Mai: Die Europäische Kommission legt das große Loch im spanischen Rentensystem offen und fasst es in einem Satz zusammen – wie man 60 % mehr Rentner bezahlt. Die Diagnose stellt nicht infrage, ob das System großzügig ist oder nicht. Sie fragt, ob Geld vorhanden ist. Die einzigen zwei Auswege, die das Papier zulässt, sind eine Kürzung der Renten, die bisher keine Regierung unterschrieben hat, oder ein Anstieg der spanischen Produktivität „wie nie zuvor“, was eine elegante Umschreibung dafür ist, dass dies nicht geschehen wird.

Danach wird die Angelegenheit zur reinen Politik. Es fehlt nicht an Informationen; es gibt einen breiten Konsens über die Fakten, aber es mangelt völlig am Mut, die Verteilung anzufassen. Die Rentenausgaben haben sich seit Beginn der öffentlichen Diskussion verdoppelt, und jedes Jahr ohne Entscheidung macht das nächste teurer. Ein Anstieg von 8,5 % in einem Jahr fiskalischer Spannung erklärt besser als jeder Bericht, welche Prioritäten tatsächlich verteidigt werden.

Die wahren Kosten eines Nettolohns von 1.500 Euro

Die Berechnung, die das Problem am besten beschreibt, handelt nicht von Renten, sondern von Gehältern. Ein Arbeitnehmer mit 1.500 Euro netto kostet sein Unternehmen etwa 3.000 Euro, wenn man die Einkommensteuer (IRPF) und die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers addiert. Die Projektion dieser Analyse besagt, dass diese Zahl auf 4.000 Euro steigen könnte, wenn das System weiterhin schnell Einnahmen benötigt.

Daraus ergibt sich die Paradoxie, die niemand offen betrachten will: extrem hohe Lohnnebenkosten bei sehr geringer Kaufkraft. Unternehmen konkurrieren mit Preisen aus halb Europa, während die Arbeitnehmer verdienen, als wäre das Land ein anderes. Die Folge ist die Abwanderung der Bestqualifizierten – nicht auf der Suche nach einer besseren Zukunft, sondern einfach nach einer Zukunft –, und diese Flucht verkleinert die Basis der Beitragszahler, was wiederum erfordert, die Verbleibenden stärker zu belasten. Ein Teufelskreis unter dem Teppich.

Diskutierte Alternativen: Kapitaldeckung, Kürzungen und Ausgabenanpassung

Die kursierenden Vorschläge reichen von chirurgischen Eingriffen bis zu radikalen Änderungen. Einerseits: Deckelung der Höchstrente auf 1.500 Euro und Zahlung in 12 statt 14 Monatsraten. Andererseits: Der schrittweise Übergang vom Umlageverfahren zur Kapitaldeckung, wie es in anderen Ländern bereits geschehen ist, sodass Beiträge im Namen des Arbeitnehmers angespart und investiert werden, statt sie noch im selben Monat für die Rente eines Ruheständlers auszugeben. Eine dritte Strömung zeigt auf den öffentlichen Sektor und die Verwaltungsstruktur als Bereiche, in denen man sparen kann, ohne Leistungen zu kürzen. Eine vierte Gruppe zielt auf Subventionen, staatliche Werbung und unnötige Ausgabenposten ab: Sie behauptet, es gebe Geld für die Renten, wenn man das Amtsblatt Zeile für Zeile prüfe.

Es gibt auch Gegenargumente: Das Umlagesystem sei kein Konstruktionsfehler, sondern eine politische Entscheidung, und das Problem lasse sich durch höhere Beiträge und Steuern lösen. Die optimistischste Rechnung geht davon aus, dass die Wirtschaft stark genug wächst, um den Schlag aufzufangen; das pessimistische Szenario geht davon aus, dass jeder zusätzliche Euro Druck den Aktivitätsverlust beschleunigt.

Warum keine Partei die Renten antastet

Das häufigste Argument ist nicht ökonomisch, sondern arithmetisch-politischer Natur. Die älteste Wählergruppe ist die größte, mobilisierteste und disziplinierteste an der Urne, und jede Partei, die Kürzungen vorschlägt, verschwindet vom politischen Radar. Die Schlussfolgerung ist zynisch und hält sich deshalb: Kicken wir die Verantwortung weiter, und wer danach kommt, soll sehen, wie er damit klarkommt.

Diese Trägheit hat zusammengesetzte Kosten. Jedes Jahr ohne Reform bringt mehr Rentner, längere Bezugszeiten und weniger Beitragszahler, sodass die Lösung der nächsten Regierung immer teurer ist als die, die der vorherigen vorlag. „Yayocracy“ (Herrschaft der Alten) ist keine Ideologie: Es ist ein Mechanismus.

Die 74 % der Banco de España und das Gewicht des öffentlichen Sektors

Die Zahlen der Aufsichtsbehörde zeigen die Last von der anderen Seite. Laut der Banco de España erhalten Rentner 74 % mehr, als sie eingezahlt haben, also 1,74 Euro pro Euro Beitrag. Nach 12 Jahren Ruhestand ist alles Eingezahlte bereits ausgezahlt, und der durchschnittliche Rentner erhält etwa 4.500 Euro jährlich, ohne dafür Beiträge geleistet zu haben.

Gleichzeitig wächst der Anteil des öffentlichen Sektors an der Gesamtbeschäftigung: Es gibt mehr Spanier mit öffentlichem als mit privatem Lohn, 16 Millionen Gehaltsabrechnungen monatlich, wobei das Durchschnittsgehalt im öffentlichen Sektor je nach Quelle zwischen 38 % und 50 % höher liegt als im privaten. Von den 525.000 Beamten der Ministerien haben nur 18 % einen Universitätsabschluss. Man argumentiert, dies sei der wahre Elefant im Raum: Die Debatte über die Renten verdeckt die Frage, wie viel Staat wir uns leisten können.

Vom Puffer von 66 Milliarden Euro zur Steuerlast

Das abschließende Bild der Systembilanz: Man wechselte von einem Guthaben von 66 Milliarden Euro im Reservefonds zu einer Schuldenlast von 66 Milliarden Euro gegenüber dem Steuersäckel. Die spanische Staatsverschuldung übersteigt meanwhile bereits 1,5 Billionen Euro, ein historischer Höchststand. Und es gibt eine fast komische Detail: Einen Teil dieser Schulden kaufen die Rentner selbst und finanzieren mit ihren Ersparnissen das System, das ihre Rente auszahlt. Die Quadratur des Kreises.

Den Rest tragen die EZB und die Banken, mit Zinsen, die nicht mehr null sind, und engen Margins. Wenn dieser Kanal versiegt, bleibt nur die direkte Besteuerung.

Ein Teil der Analyse leitet sogar zu Szenarien sozialer Spannungen und der tatsächlichen Fähigkeit des Staates über, das System gewaltsam aufrechtzuerhalten. Es ist dasselbe Problem in anderer Verpackung. Das Weiterreichen der Verantwortung hat eine unbestrittene Tugend: Immer trifft es jemand anderen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (165 Antworten).

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