EU-Parlament billigt Bericht mit Begriff 'menstruierende Individuen'

Der Frauen-Gesundheitsbericht, den das Europäische Parlament gebilligt hat, vermeidet das Wort 'Frau' und spricht stattdessen von 'menstruierenden Individuen'.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EU-Parlament billigt Bericht mit Begriff 'menstruierende Individuen'
Europäisches Parlament billigt Bericht mit 'menstruierenden Individuen'

Wie nennt das Europäische Parlament Frauen? Im Bericht über die Gesundheit von Frauen, den die Kammer gebilligt hat, lautet die Antwort eine verbalartistische Wendung: Der Text spricht von menstruating individuals — 'menstruierenden Individuen' —, von pregnant individuals und breastfeeding individuals. Das Wort 'Frau' wird verwässert und durch eine Beschreibung der biologischen Funktion ersetzt. Dieser Wortschatz reicht aus, um den nächsten Konflikt zwischen institutioneller Sprache und gesundem Menschenverstand zu entfachen.

Was der Bericht über die Gesundheit von Frauen enthält

Das Dokument behandelt die Gesundheit der halben Bevölkerung und vermeidet es dennoch, sie so zu benennen. Es spricht von Menschen, die menstruieren, schwanger sind oder stillen, ohne das Substantiv zu verwenden, das die Gruppe bezeichnet. Der Text kursiert zitiert aus dem Umfeld der ECR-Fraktion, der konservativen und euroskeptischen Familie der Kammer, die die Terminologie zum Kern ihrer Kritik gemacht hat.

Das ist kein kosmetisches Detail. Der praktische Nutzen eines Gesundheitsberichts hängt davon ab, ob er seine Zielgruppe klar identifiziert — und hier erfolgt die Identifizierung über die physiologische Funktion. Die Paradoxie, die von Anfang an bemerkt wurde: Ein Text über die Gesundheit von Frauen lässt sich komplett lesen, ohne auf das Wort zu stoßen.

Warum die Institution 'Frauen' vermeidet

Das angeführte Argument für diese Schreibweise ist, niemanden auszuschließen, der menstruiert oder ein Kind austrägt, ohne Frau zu sein. Es ist die Logik der inklusiven Sprache, angewandt auf ein normatives Dokument: Das Subjekt wird durch seine Beschreibung ersetzt, damit die Kategorie niemanden ausschließt. Die Absicht ist, den Schirm zu erweitern.

Das Problem, so die Kritiker, ist, dass der Bericht, wenn er das Subjekt durch die Funktion ersetzt, niemanden mehr präzise definiert. Eine Gesundheitspolitik, die nicht weiß, an wen sie sich richtet, kann kaum messen, wem sie nützt. Präzision ist hier kein Luxus für Philologen: Sie ist die Grundlage jeder Norm.

Die Kritik: eine Definition, die nicht definiert

Das am häufigsten wiederholte Argument ist elementare Logik. Nicht alle Frauen menstruieren — Wechseljahre, Hysterektomien, Behandlungen — und nicht nur Frauen menstruieren. Wenn das Kriterium, Adressat einer Gesundheitspolitik zu sein, der Besitz eines Organs oder die Erfüllung einer Funktion ist, bricht die Kategorie an beiden Enden zugleich.

Von dort springt man zum beliebtesten Reductio ad absurdum: Wenn es zulässig ist, jemanden nach dem Organ zu beschreiben, das er trägt, wäre jeder Mann eine 'testikeltragende Person'. Der Witz schreibt sich von selbst — deshalb hat er sich schneller verbreitet als der Bericht selbst.

Ridizul als politische Waffe

Ein großer Teil der Reaktion war Satire. Eine Art Legende kursiert über das 'menstruierende Individuum', das verdammt ist, seinen Zyklus alle achtundzwanzig Tage zu wiederholen, ohne dem Fluch zu entkommen, ohne Land und Leben zu wechseln. Andere führen die Logik ad absurdum: Definiert der Bericht über die Funktion, fielen Frauen in den Wechseljahren aus ihrer eigenen Rubrik heraus.

Parallel dazu hat sich der Wortschatz eigenmächtig erweitert. Zu den offiziellen Formeln kamen volkstümliche Prägungen über getragene Organe, und sogar eine Frage macht in den sozialen Medien die Runde: Was genau ist eine 'Zona íntima-tragende' Person? Der Spott funktioniert in diesem Fall als Argument.

Warum die Terminologie wichtig ist

Weil sie nichts kostet? Nein — weil sie nicht gratis ist. Wenn die Sprache einer Institution aufhört, die Subjekte zu benennen, verliert der Bürger den Anker, um Rechenschaft zu fordern: Was man niemandem zuordnen kann, kann man nicht einfordern. Die Debatte über Worte ist in Wirklichkeit eine Debatte darüber, wen die Norm schützt.

Und weil sie Trends setzt. Was heute in einem europäischen Bericht steht, erscheint morgen in Leitfäden, Protokollen und Formularen. Wer das für eine Anekdote aus Hinterzimmern hält, hat sich nie sonntags das spanische Staatsgesetzblatt (BOE) angesehen.

Dem Bericht ist eines zu danken: Er hat es geschafft, dass ein halber Kontinent über die Gesundheit von Frauen spricht. Zwar, ohne sie zu benennen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

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