Amnestie, CGPJ und Rechtsstaatlichkeit: Warnung aus der EU
Während das Europäische Parlament die Lage der Rechtsstaatlichkeit in Spanien auf seine Tagesordnung setzen will, hat ein Video einer Rede im Gemeinschaftsforum die Frage neu aufgeworfen, die hierzulande oft zu leichtfertig beantwortet wird: Was denkt man wirklich über dieses Land jenseits seiner Grenzen? Die Botschaft, die das Video verbreitet, fasst die Rede – zugeschrieben einer portugiesischen Stimme – mit einem nuancenlosen Satz zusammen: „Man versucht uns weiszumachen, die Regierung sei ein Vorbild in Europa, doch in Wirklichkeit ist sie ein weltweiter Schandfleck.“ Weltweiter Schandfleck. So unverhüllt und aus dem Land, das viele als Spiegel nutzen, wenn es gerade passt.
Was über Spanien im Europäischen Parlament gesagt wurde
Die Nachricht, die die Diskussion eröffnet, nennt den Redner nicht beim Namen und transkribiert die Sitzung nicht vollständig: Sie zeigt ein Video und schreibt das Urteil Portugal zu. Wer sie teilt, präsentiert sie als Beweis dafür, dass die offizielle Darstellung vom internationalen Ansehen der Regierung nicht haltbar ist. Darin liegt der Haken.
Das Bemerkenswerte ist nicht der Inhalt – Kritik an der spanischen Justiz zirkuliert seit Jahren in Brüssel –, sondern der Rahmen. Einer europäischen Regierung wird vorgeworfen, das Problem zu sein, nicht die Lösung, in einem Forum, wo sich Spanien als Musterschülerin präsentierte. Manche fügen hinzu, ohne weitere Daten zu liefern, dass der Redner ein portugiesischer Europaabgeordneter am rechten Rand des Spektrums sei. Der Tweet belegt dies nicht; das Echo des Tweets ebenso wenig. Und diese mangelnde Verifizierung ist selbst Teil der Geschichte.
Warum prüft die EU-Kommission die Legalität der Amnestie?
Weil die Kommission selbst angekündigt hat, das Gesetz „gründlich, unabhängig und objektiv“ zu prüfen. Die Ankündigung, wie von El Mundo berichtet, macht ein in Spanien verabschiedetes Gesetz zu einem Dossier mit Berichterstatter in Brüssel. Und stellt die Regierung vor die Aufgabe, daheim zu verteidigen, was sie im Ausland erklären muss.
Der Fraktionsvorsitzende der EVP, Manfred Weber, geht weiter und behauptet, der spanische Premierminister „werde in die Geschichte eingehen als derjenige, der den Rechtsstaat verletzt habe“. Dies ist eine politische Anschuldigung schwerer Tragweite, geäußert von einem führenden Oppositionspolitiker Europas, nicht von einem Gericht. Im selben Klima hat das Europäische Parlament laut Vorberichten von ABC eine Sonderdebatte zur Rechtsstaatlichkeit in Spanien angesetzt. Die zeitliche Koinzidenz – Kommission prüft, Parlament debattiert – lässt dem Thema keinen Raum für Schweigen.
CGPJ und Gewaltenteilung: Die Diagnose der Richter selbst
Hier braucht es keine externen Kritiker. Von Vozpópuli zitierte Richter erklären, dass das Organ der Selbstverwaltung der Richterschaft (Consejo General del Poder Judicial, CGPJ) seit 1985 von den Parteien blockiert werde, wobei die Verteilung der Sitze zum Tauschobjekt zwischen den beiden großen Lagern geworden sei. Derselbe CGPJ hat die Politiker öffentlich aufgefordert, die Spannungen abzubauen, mit einer Botschaft, die den Unmut zusammenfasst: „Lasst uns in Ruhe.“
Noch deutlicher ist, was der Präsident des Obersten Gerichtshofs von Katalonien einer europäischen Mission mitteilte: In Spanien gebe es ein Problem bei der Gewaltenteilung. Das sagt ein amtierender Richter, kein wütender Twitter-Nutzer. Von dort aus ordnet sich die Reflexion von selbst: Ohne richterliche Unabhängigkeit bleibt alle vier Jahre wählen gehen ein Wettbewerb um Popularität und Demagogie, um die häufigste Formulierung zu zitieren.
Verbot von Parteien gegen die Staatseinheit: Das portugiesische Modell
Unter den Argumenten taucht eines wiederholt auf: die Illegalisierung politischer Organisationen, deren Ziel es ist, die Integrität der Nation anzugreifen, wie man behauptet, tue dies das Nachbarland. Die Logik besagt, dass solche Programme nur durch einen Staatsstreich oder Bürgerkrieg erfüllt werden könnten und ihr Fortbestehen im Wahlkampf die eigene Zerstörung des Systems finanziere.
Dem gegenüber steht das Gegenargument, das nicht zu unterschätzen ist: Das Verbot von Parteien mit parlamentarischer Vertretung hat einen offensichtlichen demokratischen Preis und überträgt dem Staat die Last zu entscheiden, welche Ideen legitim sind. Auch die Rolle der europäischen Partner wird diskutiert, denen vorgeworfen wird, einem katalanischen Politiker, der von der spanischen Justiz gesucht wird, freie Bewegung in Deutschland, Frankreich, Belgien und Italien ermöglicht zu haben. Für einen Teil der Analyse diskreditierte dies die spanischen Gerichte und gab denen Auftrieb, die mit Nicht-Akzeptanz von Urteilen paktieren. Für andere wurde einfach europäisches Recht angewandt.
Warum die Sache noch offen ist
Eine historische Analogie wiederholt sich: die Amnestie von Lluís Companys 1936 und das Klima vor dem Bürgerkrieg. Es ist eine grobe, umstrittene und heiß diskutierte Analogie, aber sie erklärt den apokalyptischen Ton vieler Meinungen. Eine andere Strömung warnt davor, dass Spanien Polen oder Ungarn in ihren Konflikten mit Brüssel als Schild dienen könnte: Wenn es hier toleriert wird, dann auch dort.
Es gilt als sicher, dass das Verfassungsgericht das Gesetz billigen wird, wie – so das Argument – bereits bei anderen Gesetzen unter politischem Druck geschehen. Niemand legt fest, welches europäische Gericht entscheiden wird, nach welchem Zeitplan, oder was passiert, wenn Brüssel zu dem Schluss kommt, dass die Norm nicht passt. Die Analyse stockt genau dort: bei der Antwort, die noch nicht existiert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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