ETC bricht ein: Von 1,4 auf 0,7 mBTC und Erholung im Hashrate-Krieg
Was ist eine Kryptowährung wert, die ihr eigenes Team gerade verlassen hat? Am 25. Juli 2016, nachdem der Hardfork zur Rückabwicklung des DAO-Hacks bei Ethereum durchgeführt worden war, notierte Ethereum Classic (ETC) bei etwa 1,4 mBTC, rund 10 % des ETH-Werts. Niemand wusste, ob dies ein Vermögenswert oder ein Fehler mit Ticker war. Die Marktreaktion ließ nicht lange auf sich warten: Ein Absturz auf 0,7 mBTC bei Poloniex, gefolgt von einer Erholung auf 1,36 mBTC. Was folgt, ist die Anatomie einer Spekulation, die gleichzeitig im Orderbuch und in den Mining-Farmen stattfand.
Vom umstrittenen Fork zu zwei Münzen mit derselben Geschichte
Der Ausgangspunkt ist ein Ereignis, das nicht auf dem Konto eines Einzelnen stattfindet, sondern in der Blockchain: Nach dem Fork wurden Ethereums Transaktionen auf der ETC-Kette repliziert, solange sie gültig blieben. Damit erhielt jeder Halter ein Duplikat, und jede Börse stand vor einem unangenehmen Problem: Entweder gab sie das zustehende ETC heraus oder kaufte es am Markt zurück. Es kursierte die Warnung, dass einige Intermediäre Duplikate ausgegeben hätten, die sie nicht besaßen, was Kunden einem nicht gedeckten Saldo aussetzte. Der Konflikt hatte auch eine identitäre Komponente: Das Wortspiel verbreitete sich, dass ETC für „Execute The Code“ stehe, im Gegensatz zum „Execute The Heist“ von ETH – eine Botschaft, die Entwickler Charlie Lee den Community-Kanälen zuschrieb.
Der Einbruch auf 0,7 mBTC und die Erholung auf 1,36
Der Markt tat seine Arbeit innerhalb weniger Stunden. Der Kurs fiel von 1,4 auf 1,2 mBTC und dann auf 0,8 mBTC bei Poloniex, während das Verkaufsorderbuch zwischen dem 24. und 25. Juli von 2.200 BTC auf 1.630 BTC schrumpfte. Der Abfall setzte sich bis auf 0,7 mBTC fort. Dies war der Boden, den die verfügbare Liquidität markierte: Wer ein nicht angefordertes Duplikat hatte, wurde es zu jedem Preis los.
Die Erholung kam noch in derselben Nacht und wurde nicht durch Begeisterung für das Projekt ausgelöst, sondern durch Bitcoin. Während BTC korrigierte, rotierte Geld in Richtung ETC: von 0,7 auf 1,1 mBTC, dann 1,22; manche stiegen bei 1,24 ein, und der Kurs erreichte 1,36. Das Detail, das den Wechsel am besten zusammenfasst, ist der Markt: Das dominante Handelsvolumen wechselte vom Paar ETC/ETH zu ETC/BTC, wobei Bitcoin-Halter die nicht gespaltene Kette kauften. Das Kauforderbuch kehrte von 1.630 BTC binnen Minuten auf 2.500 BTC zurück.
Warum brachte das Mining von ETC 80 % mehr Rendite?
Mit zwei lebendigen Ketten wurde die Hashrate zu Stimmen. Die Zahlen an jenem 25. Juli: 227,3 GH/s beim Mining von ETC gegenüber 3.680,3 GH/s bei ETH. Die Disproportion ist offensichtlich, doch die Rentabilität lief in die entgegengesetzte Richtung: Mit diesen Hashrates war das Mining von ETC 80 % profitabler als das von ETH. Die kursierende Berechnung stellte den Gleichgewichtspreis bei etwa 0,0010 fest, deutlich unter dem damaligen Marktkurs. Zwei Auswege, keiner komfortabel: Entweder fiel der ETC-Preis, oder die Hashrate des Netzwerks schoss plötzlich in die Höhe.
Manche warnten davor, dass sich die Bewegung selbst verstärken könnte. Wenn Miner ETH massenhaft verließen, fehlte der Kette mit der höheren Leistung die Kapazität zur Blockverarbeitung, und die Flucht zu ETC beschleunigte sich. Niemand wusste genau, wie lange ein Miner braucht, um die Kette zu wechseln, und diese Ungewissheit trug tagelang einen Großteil der Spekulation.
Börsen steigen ein, mit einer Mindesteinlage von 25.000 Dollar
Die Infrastruktur zog nach. ETC wurde zu Bitfinex, Poloniex und Kraken hinzugefügt, Plattformen, auf denen bereits Preisalarme konfiguriert werden konnten. Bei Kraken war es möglich, direkt mit Euro zu kaufen, damals etwa 2,53 EUR pro Einheit, per SEPA-Überweisung. Auch ein OTC-Markt mit einer Mindesteinlage von 25.000 Dollar wurde eröffnet, was darauf hindeutete, dass große Akteure die Operation beobachteten.
Die Kehrseite war das Misstrauen gegenüber Coinbase, das just in diesen Tagen Gebühren erhöhte, sowie gegenüber anderen Intermediären, denen vorgeworfen wurde, nicht über die ETC-Bestände zu verfügen, die sie ihren Kunden schuldeten. Es wurde sogar über den Zusammenbruch einiger dieser Börsen spekuliert. Der Markt stabilisierte sich danach, und die Sache blieb das, was sie war: eine unbestätigte Hypothese.
10 % des Geldes lagen beim Angreifer der DAO
Das Risiko ging nicht nur vom Markt aus. Der Angreifer der DAO kontrollierte etwa 10 % der Geldmenge von ETC und musste aufgrund der Vertragsmechanik noch 27 Tage warten, bevor er sie bewegen konnte. Die Frage lag auf der Hand: Was passiert, wenn er verkauft? Die praktische Antwort war, dass das Netzwerk es möglicherweise nicht zuließ, oder doch, und niemand wusste es sicher. In diesem Intervall bewegte sich der Kurs nach Schlagzeilen: Ein Interview, in dem über Unveränderlichkeit gesprochen wurde, reichte aus, um einen neuen Anstieg auszulösen.
Eine stärkere Kette ist keine überlebende Kette
Die Lektion aus jenem August 2016 war, dass das Protokoll nicht allein entscheidet. Miner wählen nach Rentabilität, der Markt wählt nach Erwartungen, und beide ändern ihre Meinung innerhalb von Stunden. Beide Lager beschuldigten sich gegenseitig des Trollens, während die Liquidität die Drecksarbeit erledigte. Im Nachhinein war wahrscheinlich der profitable Teil der gesamten Episode der Verkauf des Duplikats, das niemand angefordert hatte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (195 Antworten).