Essen ohne Zusatzstoffe in Spanien: Garten reicht nicht, Etiketten täuschen

Essen ohne Zusatzstoffe kostet Zeit und Geld. Der eigene Garten deckt nur vier Monate ab, während Hähnchen-Kroketten nur 0,1 % Hähnchen enthalten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Essen ohne Zusatzstoffe in Spanien: Garten reicht nicht, Etiketten täuschen

Gesund essen ist teuer, langsam und im spanischen Supermarkt praktisch unmöglich. Das ist der Ausgangspunkt: Ein Verbraucher, es leid ist, Zucker, Dextrose, Stärken und Konservierungsstoffe in fast allem zu finden, was in den Einkaufswagen wandert, pflegt einen kleinen Garten, der ihm kaum Gemüse von Juni bis September liefert, bekommt Eier von einem Verwandten und kauft, wenn es nicht anders geht, Bio-Produkte. Seine Frage – ob es einen zuverlässigen Kanal für den Kauf von Fleisch und vor allem Geflügel gibt – ist die jedes Menschen, der festgestellt hat, dass das Kleingedruckte auf der Verpackung eher täuscht als informiert.

Das Supermarkt-Etikett, eine Prüfung mit sieben Zutaten

Tomate (50 %), Zwiebel (37 %), natives Olivenöl extra (12 %) und Salz. Diese vollständige Liste zeigt, dass man eine Soße ohne Zusätze herstellen kann; das Problem ist, dass ihre Suche Lupe und Geduld erfordert. Die sich aufdrängende Schlussfolgerung ist unbequem: Der Zusatzstoff dominiert, weil er billiger ist, nicht weil er notwendig wäre. Für Hackfleisch lautet die wiederholte Empfehlung, es vor Ort hacken zu lassen, denn verpacktes Hackfleisch versteckt Mehl und Zucker dort, wo nur Fleisch sein sollte.

Kommerzielle Mayonnaise illustriert dasselbe Muster: Es gibt keine Antwort auf die Frage, ob es eine gibt, die nur aus Ei, Öl, Salz und Essig oder Zitrone besteht, und die wiederkehrende Antwort lautet immer gleich: selbst machen. Das zirkulierende Rezept dauert eine Minute im Mixer – ein Schuss Olivenöl, ein halbes Glas Sonnenblumenöl, ein Ei, Salz und eine Knoblauchzehe – und wird noch bei derselben Mahlzeit verzehrt, nicht länger als zwölf Stunden gelagert, wenn Zitrone hinzugefügt wird.

Der Garten skaliert nicht: Vom Topf in Barcelona zum Pferdemist

Selbstversorgung hat Grenzen. Ein Nachbar pflanzte Tomaten und Salat in Töpfen auf dem Dach eines Gebäudes im Zentrum von Barcelonas und fasst es ohne Dramatik zusammen: Er pflanzte spät, ohne Erfahrung, und akzeptiert es als Testlauf für das nächste Jahr. Seine Idee – dass städtische Dächer ungenutzt bleiben – prallt auf ein so altes Problem wie die Landwirtschaft: den Dünger. Während einige fragen, woher man mitten in der Stadt Mist nehmen soll, antworten andere mit dem klassischen Rezept: Pferdedung und hausgemachter Kompost aus Gartenabfällen, Obstbäumen und Rasenschnitt.

Kroketten mit einer halben Tüte Zutaten

Der Fall, der das Problem am besten widerspiegelt, sind Hähnchen-Kroketten einer Eigenmarke. Ihre Zutatenliste füllt eine halbe Tüte: rekonstruierte Geflügelbrühe, Laktose, Geschmacksverstärker, Maisstärke, pflanzliches Fett, Hefeextrakt, Farbstoff, Molke, Sojaprotein... und am Ende Geflügelfleisch (2 %) und Hähnchenfleisch (0,1 %). Dass ein Produkt namens „Hähnchen“ nur 0,1 % Hähnchen enthält, ist kein Etikettierungsfehler; es ist eine Designentscheidung. Wer das Etikett kopierte, fügte hinzu, dass die Tüte etwa 0,80 Euro kostet.

Daher die Warnung eines Forum-Nutzers: Misstrauen Sie „pflanzlichem Öl“ auf der Liste, denn unter dieser Bezeichnung, so argumentiert er, verbergen sich Palm- und Kokosderivate, während Oliven- oder Sonnenblumenöl genannt werden, wenn sie vorhanden sind.

Der Diät-Krieg: Soja, rotes Fleisch und Milchprodukte

Die Einigkeit über verarbeitete Lebensmittel bricht zusammen, wenn Lösungen vorgeschlagen werden. Manche befürworten, rotes Fleisch, Brot, Milch, Käse, Eier und Zucker zu eliminieren, Milch durch Soja zu ersetzen und täglich Zitronensaft zu trinken. Die Gegenreaktion ist sofortig: Das ist nicht gesünder essen, sondern lebenslange Depression, und wer Fleisch, Fisch und Eier weglässt, kann nicht behaupten, gesund zu sein, wenn er nur Gemüse isst. Eine andere Front greift unvergorene Soja wegen ihrer Phytoöstrogene an, mit dem Hinweis, dass sie in Japan vergoren konsumiert wird. Die Antwort der Befürworter dieser Ernährung: Sie sind über vierzig, zeigen keine Symptome der Prämenopause und bestätigen, dass die Ernährungsumstellung bei ihren Brustzysten gewirkt hat.

Gegen Übertreibungen gewinnt der einfachere Weg Anhänger: Vollkorngetreide statt raffinierter Produkte, industrielle Backwaren raus und Selbstgekochtes als Norm.

Die Rechnung für Bio-Lebensmittel

Das letzte Hindernis ist nicht ideologisch, sondern wirtschaftlich. Manche behaupten aus Branchenkreisen, dass die Preise für Bio-Produkte eine Blase sind: Die Produktion ist nicht viel geringer als bei konventionellen Waren, aber die Preise sind höher, weil Leute bereit sind, dafür zu zahlen. Für jene, die es sich nicht leisten können, ist die vorgeschlagene praktische Lösung die altbekannte: Hülsenfrüchte, Getreide, eigenes Gemüse, weniger rotes Fleisch, weniger Backwaren und weniger Zucker.

Mit diesen Grundlagen ist es vorhersehbar, dass bewusster Konsum ein Privileg für diejenigen bleibt, die Zeit haben zu kochen und Etiketten zu lesen. Es sei denn, der Garten wächst mehr als bisher.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (122 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver