Eiscafé in Barcelonas Gracia-Viertel nach Sprachstreit angegriffen

Ein Eiscafé im Gracia-Viertel wurde Ziel von Vandalismus und Boykottaufrufen, nachdem eine Mitarbeiterin den katalanischen Begriff für Erdbeere nicht verstand.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Eiscafé in Barcelonas Gracia-Viertel nach Sprachstreit angegriffen
Vandalismus und Boykott gegen ein Eiscafé in Gracia wegen eines Erdbeer-Eises

Ein einziges Wort reichte aus. „Maduixa“ – Erdbeere auf Katalanisch – war der Auslöser, der dazu führte, dass die beiden Rollläden eines argentinischen Eiscafés im Viertel Gracia mit Graffiti beschmiert wurden, Aufkleber an der Fassade klebten und sich eine Boykottkampagne über soziale Medien verbreitete. Die Verkäuferin hinter dem Tresen war erst kurz in Katalonien und hatte den Geschmack nicht verstanden.

Der Ursprung ist datiert: am Sonntagnachmittag, mitten während des Stadtteilfests. Das Paar des Bezirksstadtrats Guillem Roma von ERC (Esquerra Republicana de Catalunya) kam ins Lokal Helados Dellaostia, um mehrere Eiskugeln zu kaufen. Das Gespräch eskalierte zu einem Streit über Sprachen und endete mit der Aufforderung, ein Beschwerdeformular auszufüllen. Laut der Version, die der Politiker selbst in sozialen Medien veröffentlichte, sei seine Partnerin als „unhöflich“ bezeichnet worden und jemand habe ihr gesagt, dass „Katalonien Teil des Königreichs Spanien“ sei. Zeugenaussagen, die El Mundo gesammelt hat, beschreiben einen hitzigen Austausch, bei dem die Kundin behauptete, Katalanisch sei die einzige Sprache Kataloniens, während der Inhaber entgegnete, dass auch Spanisch eine offizielle Sprache sei.

Bis hierhin ein normaler Thekenstreit. Was danach folgte, nahm andere Dimensionen an.

Von der Theke zum Boykott: Bewertungen, Stigmatisierung und Graffiti

Roma selbst verurteilte den Vorfall als „Fall sprachlicher Diskriminierung“ und erwähnte frühere Konflikte wegen der Sprache in derselben Einrichtung, die für ihre Produktqualität zu den bestbewerteten Geschäften in Barcelona gehört. Die Anschuldigung ging viral und löste eine Kampagne zur öffentlichen Bloßstellung des Lokals aus, angeblich unterstützt von Organisationen wie Òmnium Cultural und Plataforma per la Llengua sowie von Persönlichkeiten wie dem Präsidenten der ANC (Assemblea Nacional Catalana) und einem ehemaligen Abgeordneten der CUP (Candidatura d'Unitat Popular), der bis zur Schließung zum Boykott aufrief.

Gleichzeitig erhielt das Google-Profil des Geschäfts eine Flut negativer Bewertungen, die dessen Bewertung innerhalb weniger Stunden ruinierten. Ein Geschäft, das von seiner Online-Fruta lebt, sah sich mit einer Fruta konfrontiert, die durch einen Konflikt manipuliert wurde, der es nichts anging. Am Dienstagmorgen fand man die Rollläden der Eisdiele mit Beleidigungen und Faschismusvorwürfen besprüht vor, Dutzende von Aufklebern mit der Aufschrift „Dieses Lokal respektiert Katalanisch nicht“ und mehrere Boykott-Graffiti an der Wand.

Ein Nachbar eines angrenzenden Geschäfts beschrieb die Reaktion des Eigentümers: „Er war niedergeschlagen, als er die Graffiti sah; ich sagte ihm, er müsse weitermachen.“ Er fügte zwei Worte hinzu, die den Vorfall besser zusammenfassen als jede Analyse: „Man spürte den Hass.“

Wer verurteilt den Angriff und wer relativiert ihn?

Die Politisierung erfolgte sofort. Daniel Sirera, der PP-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat von Barcelona, verurteilte den Angriff „ohne Einschränkungen“ und forderte vom Rathaus und der Generalitat (der regionalen Regierung Kataloniens) eine sofortige Untersuchung durch die Guàrdia Urbana (städtische Polizei) und die Mossos d'Esquadra (katalanische Regionalpolizei), um die Täter zu identifizieren und zu bestrafen. Sirera kündigte zudem an, dass seine Fraktion ein Protokoll gegen öffentliche Bloßstellungen von Geschäften und eine Mediationslinie für Sprachkonflikte fordern werde.

Die Antwort von ERC kam über die städtische Parteivorsitzende Elisenda Alamany, die den konservativen Politiker in sozialen Medien zurechtwies, als dieser den Vandalismus anprangerte. Ihr Argument: Die Verteidigung des Katalanischen bedeute weder die Verfolgung von Spanischsprechern noch die Anstiftung zu Lynchjustiz. Roma selbst hat eine Beschwerde beim Departament de Política Lingüística der Generalitat und beim Büro für Nicht-Diskriminierung des Rathauses eingereicht.

Die Abfolge ergibt ein unbequemes Bild: Ein politischer Amtsträger meldet Diskriminierung, und innerhalb weniger Stunden wird ein lokales Geschäft mit beschmierten Rollläden attackiert. Zwischen berechtigter Beschwerde und öffentlicher Bloßstellung liegt eine Distanz, die offenbar niemand messen will.

Warum wird dieses Eiscafé angegriffen und nicht andere Geschäfte?

Das ist die Frage, die in der Diskussion am häufigsten gestellt wird. In Barcelona gibt es Tausende von Geschäften, die von Migranten geführt werden – Kebabs, Basare, Lebensmittelgeschäfte, Restaurants –, wo Katalanisch weder im Schild noch am Tresen vorkommt. Niemand beschmiert deren Rollläden. Einige behaupten, die Kampagne gegen Dellaostia habe nicht den Schutz der Sprache bezweckt, sondern ein Ziel gesucht, das sich nicht wehren konnte; dagegen spricht das Argument, dass der Unterschied in der Haltung gegenüber dem Kunden liege, nicht in der Sprache.

Derselbe Nachbar, der den Angriff beschrieb, berichtet von einem identischen Vorfall. Um den Diada (Nationalfeiertag Kataloniens) am 11. September betrat eine Gruppe ein venezolanisches Empanada-Lokal, teilte mit, dass sie nur Katalanisch sprechen würden, und provozierte einen Streit, weil ein Kellner einen „sehr starken“ Akzent nicht verstand. Damals war die Polizei vor Ort, und die Sache blieb dabei. Danach folgten negative Kommentare. „Es war dieselbe Kampagne“, versichert er.

Das Geschäft als Schlachtfeld

Dellaostia ist ein argentinisches Eiscafé in einer Stadt, in der Gastronomie mit rioplatensischem Einschlag stark gewachsen ist und inzwischen ein in TV-Sendungen diskutiertes Phänomen darstellt: Unternehmer eröffnen, finden Kundschaft und bleiben. Der Dienstleistungssektor ist heute der wichtigste Berührungspunkt zwischen Neuankömmlingen und lokalen Kunden und daher auch dort, wo Konflikte im Zusammenleben eskalieren.

Dass der Konflikt an der Rollladen eines Geschäfts ausgetragen wird, hat unmittelbare wirtschaftliche Folgen: Zerstörte digitale Fruta, gefährdete Umsätze und ein Eigentümer, der sich nicht mit denselben Mitteln verteidigen kann wie jene, die ihn bloßstellen. Eine Kampagne negativer Bewertungen unterscheidet nicht zwischen einem unzufriedenen Kunden und einem Aktivisten mit eigener Agenda.

Angesichts dieser Präzedenzfälle muss jeder, der in bestimmten Vierteln ein Geschäft eröffnet, entscheiden, welche Sprache aufs Schild kommt und mit welchem Akzent bedient wird. Und diese Entscheidung, die eigentlich irrelevant sein sollte, hat bereits messbare Auswirkungen auf die Bilanz. Wie viele Gründer überlegen sich zweimal, in welchem Viertel sie ihren Rollladen hochziehen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (278 Antworten).

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