Glovo Beendet Scheinselbstständigkeit Nach 205 Mio. Bußgeldern

Glovo beendet das Modell der Scheinselbstständigkeit in Spanien nach Ansammlung von 205,3 Millionen Euro an Bußgeldern seit 2023 und kündigt direkte Verträge für alle Fahrer an.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Glovo Beendet Scheinselbstständigkeit Nach 205 Mio. Bußgeldern
Glovo Beendet Scheinselbstständigkeit Nach 205 Mio. Bußgeldern

Das Lieferunternehmen Glovo hat einen „Wechsel des Arbeitsmodells für ganz Spanien“ angekündigt: Seine Fahrer werden nicht mehr als Selbstständige geführt, sondern direkt von der Firma eingestellt. Die Entscheidung folgt auf die Ansammlung von insgesamt 205,3 Millionen Euro an Bußgeldern, die seit Anfang 2023 von den autonomen Gerichten wegen irregulärer Arbeit tausender verbundener Personen verhängt wurden. Drei Jahre nach Verabschiedung des Rider-Gesetzes (Ley Rider) hat sich das Unternehmen entschieden, die Forderungen der Regierung nicht länger zu ignorieren.

Was ändert sich für den Fahrer: Vom „Arbeiten wann man will“ zum Vertrag mit festen Zeiten

Der Modellwechsel wurde nicht einstimmig als Sieg gefeiert. Wer als Freiberufler gearbeitet hat, beschreibt eine unbequeme Realität im Vergleich zur offiziellen Darstellung: Flexibilität bei den Arbeitszeiten, die Möglichkeit, Aufträge anzunehmen oder abzulehnen, und in einigen Fällen Einkommen, die sie als ausreichend betrachteten. Ein Fahrer aus der Region Marbella behauptet, dass er an einem Sonntag in sieben Stunden 100 Euro brutto verdiente, netto etwa 70 Euro nach Abzug der Kosten, und dass in der Hochsaison mit eigenem Motorrad monatliche Nettoeinkünfte über 2.500 Euro möglich waren – eine Berechnung, die ein anderer Teilnehmer bezweifelt. Sein zentrales Argument: Das Problem war nicht das Modell selbst, sondern der unlautere Wettbewerb durch jene, die mit gemieteten Konten operierten.

Gemietete Konten: Das Loch, das niemand sehen wollte

Der Mechanismus, wie in Diskussionen detailliert beschrieben, funktioniert so: Eine Person mit gültigen Papieren meldet sich als Selbstständiger an, eröffnet ein Konto auf der Plattform und vermietet es an jemanden ohne Arbeitserlaubnis gegen einen Prozentsatz des Umsatzes, etwa 30 %. Der Kontoinhaber kontrolliert die Einnahmen und hält die Zügel in der Hand. Dieses System, so wird argumentiert, habe das Arbeitsaufkommen und die Preise pro Bestellung gedrückt, was erklärt, warum viele Fahrer den irregulären Wettbewerb und nicht das Unternehmen beschuldigen. Mit Arbeitsverträgen und verpflichtender Registrierung wird dieser Parallelmarkt für Lizenzen theoretisch viel schwerer aufrechtzuerhalten sein.

Die Rechnung des Selbstständigen: 300 Euro Mindestkosten und unbezahlter Urlaub

Die andere Seite der Medaille sind die Kosten der Selbstständigkeit. Der Mindestbeitrag zur Sozialversicherung liegt bei rund 300 Euro monatlich, hinzu kommen Kraftstoff, Wartung von Motorrad oder Auto und das vollständige Fehlen grundlegender Rechte: kein bezahlter Urlaub, keine echte Krankengeldabdeckung und keine vergleichbare soziale Absicherung. Befürworter des Wandels argumentieren, dass ein echter Selbstständiger nicht derjenige ist, der unter auferlegten Bedingungen für ein einziges Unternehmen liefert, sondern wer sich frei anmeldet und mehrere Kunden abrechnet. Die Figur des Scheinselbstständigen sei eine jüngere Erfindung, um ein Standard-Arbeitsverhältnis zu verschleiern und Beiträge einzusparen.

Das Präzedenzfall Just Eat und die Klage wegen unlauteren Wettbewerbs

Während Glovo seinen Kurs wechselte, reichte Just Eat Spanien eine Klage vor den Handelsgerichten in Barcelona ein und forderte 295 Millionen Euro wegen unlauteren Wettbewerbs. Die These: Glovo habe jahrelang gegen Arbeitsgesetze verstoßen und mit niedrigeren Kosten operiert als jene, die von Anfang an dem Rider-Gesetz folgten. Die Paradoxie ist offensichtlich: Das Unternehmen, das sich nun dem Gesetz anpasst, muss sich gegen Konkurrenten verteidigen, die es jahrelang eingehalten haben und ihm nun die Rechnung präsentieren.

Ein Geschäft, das auch mit günstigen Fahrern kein Geld verdient

Der wirtschaftliche Hintergrund ist für alle unangenehm. Die Glovoapp23 SA, die Gesellschaft, die die Konzernkonten konsolidiert, verzeichnete laut diskutierten Daten Verluste in Höhe von 178,8 Millionen Euro im Jahr 2023, obwohl der Bruttoumsatz um 44 % wuchs. Delivery Hero zahlte 2021 fast 1 Milliarde Euro für das Unternehmen und hat es noch immer nicht aus der Verlustspirale herausgeführt. Angesichts dieses Szenarios stellt sich die Frage, ob das regulierte Arbeitsmodell das Geschäft tragfähig machen oder lediglich Anpassungen beschleunigen wird.

Der genaue Punkt, an dem die Analyse feststeckt

Die Positionen konvergieren nicht. Manche vertreten die Ansicht, dass Arbeitsverträge eine funktionierende Wirtschaftstätigkeit zerstören und der Staat einen wachsenden Teil der Marge abschöpft, während der Fahrer weniger verdient. Andere entgegnen, dass, wenn das Geschäft nur mit Scheinselbstständigen funktionierte, das Problem nicht die Regulierung, sondern das Modell war. Und eine dritte, unbequemere Strömung weist darauf hin, dass weder mit noch ohne Verträge die Bücher des Liefergeschäfts ausgehen. Der Schwenk von Glovo ist vollzogen. Was ungeklärt bleibt, ist, ob am Ende jemand gewinnt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (129 Antworten).

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