Einen Fluch loswerden: zwischen Exorzismus und Autosuggestion
Ein Mann sammelt seit zwei Jahrzehnten Pech an und führt es auf eine Frau zurück, die ihn als Kind an einer Strandbar in Valencia angefahren hatte. Seitdem, sagt er, passieren ihm schlechte Dinge; im letzten Jahr fast jede Woche. Wohnung, Gesundheit, Studium, Geld und Arbeit haben sich gleichzeitig verschlechtert. Und er fragt, ganz ohne Ironie, wie man einen Fluch loswird. Die Antwort, die er bekommt, ist eine kleine Abhandlung über spanische Anthropologie: Exorzisten, Gebete an den Heiligen Michael, Nazar-Amulette, Ei-Rituale und jede Menge gesunden Menschenverstand.
Die häufigste Diagnose hat nichts Esoterisches an sich. Der Fluch ist der Glaube an den Fluch. Wer glaubt, verflucht zu sein, ist verflucht; wer nicht, ist es nicht. Es ist die klassische sich selbst erfüllende Prophezeiung: Selektive Wahrnehmung macht aus einer statistisch ganz normalen Pechsträhne ein teuflisches Muster. Wer das vertritt, schlägt etwas so Billiges wie Schweres vor: nicht mehr an das Schlechte denken, nicht bewerten, was passiert, und abwarten, bis das Gehirn aufhört, Zufälle zu produzieren.
Gibt es den bösen Blick und wie wird man ihn los?
Hier bricht der Konsens auseinander. Ein Teil vertritt die Ansicht, der böse Blick existiere und lasse sich mit Amuletten bekämpfen: der türkische Nazar an der Haustür, der Adler für Löwen, Gegenstände, die die Negativität anderer blockieren. Andere warnen vor dem Gegenteil: Wer sich auf nichtchristliche Rituale einlässt, lindert vielleicht ein Symptom und öffnet dafür eine schlimmere Tür. Die Warnung hat Jahrhunderte theologischer Tradition hinter sich – und auch ein offensichtliches Eigeninteresse: Wer Ihnen die Lösung verkauft, verkauft Ihnen das Problem.
Den meisten Zuspruch findet der institutionelle Weg. Den Rosenkranz beten, beichten und kommunizieren taucht immer wieder als Basisprotokoll auf. Dazu kommen das Schutzgebet an den Heiligen Michael, die Weihe an Christus und, wenn es ernst ist, der Gang zum Exorzisten des Bistums. Ein bestimmtes Buch wird immer wieder als Referenz genannt: Las seis puertas del enemigo des spanischen Exorzisten Javier Luzón, mit herunterladbaren Selbstexorzismus-Gebeten. Das kuriose Detail: Die internationale Exorzistenvereinigung riet davon ab, was seine Verteidiger als Beweis lesen, dass der Feind sich tief in der Kirche selbst eingenistet hat.
Die Wohnung, das Grundstück und der Krieg: wenn der Fluch am Immobilienmarkt hängt
Das Gespräch driftet Richtung Immobilien. Es wird spekuliert, dass in der Wohnung Spiritismus oder Magie betrieben wurde, dass das Grundstück vor der Bebauung Kriegszone war und dass dort Vergewaltigungen und Morde geschehen sein könnten. Die daraus resultierende Theorie: Das Gebäude ist von Abschaum der Unterwelt befallen und die Türen lassen sich nur schwer schließen. Die Empfehlung lautet, die Poltergeister zu ignorieren, täglich zu beten und abzuwarten, bis alles abklingt. Gab es Schwarze Messen und Opferrituale, ist die Prognose schlechter.
Manche gehen noch einen Schritt weiter und verlagern den Fluch auf die nationale Ebene: Der auf Spanien lastende Fluch, heißt es, stamme aus alter Zeit, von der Schlange, die schon vor der Jungfrau und dem heiligen Jakobus hier hauste, später verstärkt durch das Manuskript von Villafranca. Die in diesem Teil des Austauschs vorgeschlagene Lösung besteht darin, Francos Leichnam ins Valle zurückzubringen. Eine Berechnung des spirituellen Nutzens hat niemand vorgelegt.
Die Rechnung der Hexerei: Warum man keine 900er-Nummer anrufen sollte
Die nützlichste praktische Warnung des Austauschs ist ökonomischer Natur. Okkulte Dienste im Internet sind teuer und enden nie: erst der Bannspruch, dann das Add-on, dann der Notfall. Das Muster ist das eines jeden Abo-Fallenmodells. Demgegenüber kostet der religiöse Weg null oder fast null – und der psychologische genauso: den Fokus wechseln, aufhören, das Unglücksnarrativ zu füttern, und abwarten, bis sich die Pechsträhne von selbst legt.
Die geteilten Anekdoten weisen in dieselbe Richtung. Jemand, der eine lange Serie aufeinanderfolgender Probleme durchlebt hatte, hängte zwei Nazar-Amulette an den Eingang, und – so versichert er – hörte es auf. Ein anderer Fall beschreibt drei schreckliche Jahre mit Familienstreit, Auszug und dem Tod des Vaters. Niemand kann beweisen, dass das Amulekt etwas bewirkt hat; verändert hat sich das Gefühl von Kontrolle. Und das ist, seelisch gesehen, nicht wenig.
Die Prognose, mit allen Vorbehalten: Wenn der Fragesteller dem Rat folgt, den er schon ausprobiert hat – hinknien, vor dem Schlafen beten und sich keine Gedanken machen –, wird er eine Besserung spüren, sie dem Gebet zuschreiben und den Glauben damit verstärken. Kommt die Pechsträhne eines Tages zurück, steht die Erklärung schon bereit. Am schwersten loszuwerden ist der Fluch, den man sich selbst jeden Morgen ausstellt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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