Ein Monat Krieg: Kiew hält stand, Russlands Plan verzögert sich

Die Prognose eines schnellen Falls von Kiew ist nach einem Monat widerlegt. Ukrainische Flaggen wehen weiter, Russlands Strategie dehnt sich aus und Verhandlungen bleiben offen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ein Monat Krieg: Kiew hält stand, Russlands Plan verzögert sich
Russland gewinnt nicht in einer Woche: Nach einem Monat steht Kiew noch

Die Invasion der Ukraine begann mit einer Gewissheit, die im Diskurs als sicher galt: Kiew würde binnen Tagen fallen. Einen Monat später hat sich das Bild gedreht. Die ersten Meldungen sprachen von einem Blitzkrieg; die letzten berichten von russischen Soldaten und Offizieren, die „wie Fliegen“ sterben, so ein ironischer Kommentar. Dazwischen eine Flut ukrainischer Flaggen in sozialen Medien, beleuchtete Rathäuser und eine unbequeme Frage: Was kann ein Hashtag gegen eine Panzerdivision ausrichten?

Der Blitzkrieg, der nie kam

Das ursprüngliche Drehbuch hatte konkrete Zeitpläne. Die ukrainische Hauptstadt leistete Widerstand, während russische Truppen 25 Kilometer vor Kiew standen und den Flughafen Antonow einnahmen. Das war kein Sieg; es war die letzte Station vor der Kapitulation. Die nächste Phase sollte laut dieser Erzählung die Unterwerfung des Landes innerhalb einer Woche sein.

Dieser Zeitplan wurde nicht eingehalten. Und wenn die Prognose scheitert, wird die Narrative neu zusammengesetzt: Man spricht nicht mehr von Tagen, sondern von „schrittweisen“ Eroberungen und der Sicherung des Geländes. Manche haben diese Etappen als Phasen einer Geschichte bezeichnet, die sich dehnt, je kleiner die tatsächlichen Gewinne werden. Der „Masterplan“, so heißt es spöttisch, hinkt der Realität immer hinterher.

Kann Russland einen langen Krieg durchhalten?

Hier teilt sich die Analyse in zwei Lager. Ein Block argumentiert, dass Russland bei Rohstoffen autark sei – eines der wenigen Länder, die sich eine solche Selbstversorgung leisten können – und länger ohne Kiwis aushalte als Deutschland ohne Gas oder ein Börsenindex ohne Energie. Er erinnert daran, dass das Land bereits ein halbes Jahrhundert in einer Semi-Autarkie verbrachte, indem es an seine Verbündeten exportierte und Fertigprodukte nur aus politischer Kohäsion kaufte.

Das gegenteilige Lager ist weniger optimistisch. Russland ist auch Kornkammer: Weizen, Getreide, Lebensmittel. Die Zweifel, so ein Beitrag, richten sich darauf, ob dieses Getreide das Land ernährt oder im Wodka-Export verschwindet. Wenn die Produktion zur Devisenbeschaffung exportiert wird, warnen Kritiker, zahlt man einen langen Krieg mit eigenem Hunger. Parallel dazu produziert die Ukraine 75 % des europäischen Weizens, eine oft zitierte Zahl: Den Verlust dieser Kornkammer darf man nicht unterschätzen.

Die Kosten zeigen sich auf den europäischen Rechnungen

Der Westen kann auf die russische Flagge in Schaufenstern verzichten, aber nicht auf Gas. Laut den im Debate zitierten Berechnungen importiert Spanien etwa 10 % seines Gases aus Russland; der Rest kommt über andere Wege, vor allem aus Algerien. Genug zum Atmen, zu wenig für ruhigen Schlaf. Denn der Preis kennt keine Prozentrechnungen: Die Stromrechnung wird bereits mit 200 Euro pro Monat beziffert, und der Konflikt erhöht den Druck auf die Lebenshaltungskosten, die nicht sinken.

Der Effekt geht über Energie hinaus. Teurerer Kraftstoff, teurerer Transport, knappe Produkte in den Regalen. Und ein Faktor, der das Spielbrett verändert, so ein Beitrag: China hat Vereinbarungen mit Russland unterzeichnet, um es zu versorgen, was die Abhängigkeiten neu ordnet. Der Krieg zieht in den Einkaufskorb ein, bevor er in den Kasernen ankommt.

Flaggen als Kriegswaffe

Die symbolische Antwort war deutlich. Das Pariser Rathaus und die Zentrale der Europäischen Kommission wurden in den Farben der ukrainischen Flagge beleuchtet. Im Diskurs gilt es als sicher, dass Russland beim nächsten Eurovision Song Contest ausgeschlossen bleibt. Und laut einem verbreiteten Beitrag hätte eine Partei der spanischen Regierungskoalition nach dem russischen Einmarsch zu einer Demonstration gegen die NATO aufgerufen.

Und so weiter. Manche scherzen, Pilingui müsse angesichts der ständigen Aktualisierungen seiner Mauer Angst bekommen. Andere bemerken, dass beleuchtete Fassaden eine „furchterregende“ Antwort seien, die keinen einzigen Panzer bewegt. Die Flagge ändert ihre Farbe; die Front nicht.

Was bedeutet es genau, den Krieg zu verlieren?

Angesichts der aktuellen Lage bleibt die Frage offen. Einige behaupten, die Ukraine sei militärisch tot und begraben, es fehle nur noch das Kapitulationsabkommen. Andere meinen, weder Gewinn noch Verlust sei klar definiert: Man habe den Punkt erreicht, an dem beiden Seiten Verhandlungen gelegen kommen, während Macron versucht, den Kanal offen zu halten. Beide Lesarten koexistieren ungelöst.

Mitten drin steht die verwirrende Tatsache. Ein Monat Krieg, ein Land von der Größe Spaniens im Spiel, und die Frage, die keine klare Antwort findet, ist nicht wer gewinnt, sondern was zählt als Sieg. Solange niemand das definiert, feiert jede Seite Siege auf ihrem eigenen Scoreboard. Genau hier stockt die Analyse: Ohne Schiedsrichter gewinnt, wer das Protokoll schreibt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (218 Antworten).

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