Von der Blumenniederlegung in Montjuïc zur Forderung nach Auflösung der Guardia Civil
Ein Ehrenzug, ein Colonel der Guardia Civil, ein weiterer vom Heer und eine Blumenniederlegung am Montjuïc. Dieses Szenario hat eine Diskussion neu entfacht, die über den Akt selbst hinausgeht: Soll die Guardia Civil aufgelöst und ihre Führung angeklagt werden? Auslöser ist die Ehrung für General Antonio Escobar Huertas, der 1940 nach einem Kriegsgerichtsurteil wegen „militärischer Rebellion“ erschossen wurde. Je nach Perspektive gilt der Geehrte entweder als Märtyrer der republikanischen Legalität oder als im Leben verurteilter Verräter.
Wer war Antonio Escobar und was tat er am 18. Juli 1936?
Laut der Darstellung, die die Debatte eröffnet, war Escobar stellvertretender Kommandeur der Guardia Civil in Barcelona, als der Aufstand ausbrach. Er blieb an der Seite seines Chefs, General Aranguren, abwartend, bis sich die Lage entschied. Dann stellte er sich mit 500 Gardeisten auf dem Plaza de la Universidad vor, wo die Rebellen bereits nur noch schwachen Widerstand leisteten. Als sie ihn kommen sahen, stellten sie das Feuer ein und jubelten ihm zu, überzeugt, dass sich die Truppe ihnen anschließen würde. Der Kommandant Gibert de la Cuesta trat vor, um ihn zu begrüßen, und erhielt statt eines Händedrucks einen Schlag mit dem Griff des Kommandostocks, der ihn zu Boden warf. Die Verwirrung ermöglichte es, die Rebellen innerhalb weniger Minuten zu entwaffnen und festzunehmen; der Aufstand in Barcelona war damit beendet.
Danach, so dieselbe Version, ordnete sich Escobar unter Companys, erreichte den Rang eines Generals und führte Truppen an verschiedenen Fronten, bis er sich in Ciudad Real General Yagüe ergab. Er verzichtete auf die Flucht. 1940 wurde er erschossen.
Das Argument der „militärischen Rebellion“
Hier liegt der juristische Kern. Befürworter der Verurteilung argumentieren, dass die Aufständischen nicht gegen die Republik, sondern gegen eine Regierung der Volksfront (Frente Popular) rebellierten, die sie aufgrund des Wahlbetrugs im Februar 1936 für illegitim hielten; dass der Aufstand geltenden republikanischen Gesetzen entsprach — der Ausrufung des Kriegszustands, dem Gesetz über öffentliche Ordnung von 1933, dem Heeresgesetz von 1878 und dem Militärjustizgesetzbuch von 1890 — und dass Escobar durch seine Nichtteilnahme genau diese „militärische Rebellion“ beging. Die logische Konsequenz dieser Sichtweise ist für ihre Anhänger, dass der Geehrte kein Loyalist, sondern ein rechtmäßig Verurteilter war.
Der Einwand kommt schnell: Ein Soldat schwört Loyalität gegenüber einer verfassungsmäßigen Ordnung, nicht einer Fraktion, und ein Großteil der Guardia Civil blieb unter Befehl der Republik, weil dies schlicht ihre Pflicht war. Andere erinnern daran, dass der Korps selbst 1843 gegründet wurde und seine Aufgabe die öffentliche Ordnung war, nicht die politische Parteinahme.
Was fordern die Gegner des Korps?
Das Argument für die Auflösung stützt sich nicht nur auf die Ehrung. Es basiert vor allem auf der Ineffizienz, dem Wahn und der Korruption, die dem bewaffneten Institut vorgeworfen werden, von denen man behauptet, man kenne „nur die Spitze des Eisbergs“. Hinzu kommt der Vertrauensverlust, der darin gesehen wird, dass Führungskräfte und Behörden an einem solchen Akt teilnehmen und dabei „Gehorsam und Disziplin mit Unterwerfung verwechseln“. Manche gehen weiter und fordern, dass diese Führungskräfte als Erste vor Gericht gestellt werden.
Dem hält die andere Seite entgegen: Die Guardia Civil sei der letzte Korps im Land mit militärischer Disziplin; ihr Niedergang sei auf die Einmischung ziviler Spitzen und die Korruption zurückzuführen, die ganze Institutionen befalle, und eine Auflösung wäre das Kind mit dem Bade ausschütten. Die Kritik an der neuen Direktorin des Korps — der mangels anderer Mittel nur die Meinungsfreiheit vorgeworfen wird, keine militärische Ausbildung zu haben — taucht in mehreren Beiträgen auf, ebenso wie die These, dass die Entlassungen von Colonels darauf abzielen, unbequeme Personen loszuwerden.
Vom „Rettung meines Lebens“ zur Bußgeldstrafe, die jeden erzürnt
Die Debatte wechselt von der institutionellen zur persönlichen Ebene, sobald jemand seine Erfahrung schildert. Manche behaupten, eine Streife habe ihnen das Leben gerettet, andere berichten von Festnahmen, Schlägereien und Anzeigen, von denen sie freigesprochen wurden. Die emotionale Statistik stimmt nicht überein: Dankbarkeit, Resignation und eine fast verächtliche Feindseligkeit koexistieren. Für viele besteht das Problem darin, dass der Korps zum Inkasso-Arm des Staates geworden ist, mit Radargeräten, Kontrollen und Bußgeldern, die eine Ablehnung schüren, die über Ideologien hinausgeht.
Angesichts dieser Feindseligkeit verteidigen manche den Korps basierend auf ihren eigenen Erfahrungen; diskutiert wird vielmehr die Rolle eines bewaffneten Instituts in einem Staat, der Kräfte und Zuständigkeiten bis zur Überschneidung vermehrt hat.
Was bedeutet Artikel 18 des Gesetzes über den Korps?
Das interne Regelwerk des bewaffneten Instituts verlangt Neutralität und Unparteilichkeit und verbietet seinen Mitgliedern, Parteien oder Gewerkschaften beizutreten. Daher fragt sich ein Teil der Analyse, ob ein uniformierter Ehrenzug bei einer politisch geprägten Zeremonie seine Ehre erweisen kann, ohne dieses Mandat zu verletzen. Die Antwort bleibt zum Zeitpunkt dieser Diskussion offen. Es gibt keinen Konsens, nicht einmal beim Diagnosebild: Einige fordern eine vollständige Neugründung und die Anklage der Führung; andere wollen den Korps in eine einheitliche Polizei eingliedern und dabei auch regionale Polizeikräfte abschaffen; wieder andere verlangen lediglich einen Wechsel an der Spitze und die Rückgabe der Leitung an Offiziere des Korps.
Und die verwirrende Tatsache: Laut der einleitenden Erzählung stand Franco kurz davor, den Korps aufzulösen, was Camilo Alonso Vega verhinderte. Fast ein Jahrhundert später wird die Auflösung nun von der anderen Seite des politischen Spektrums gefordert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (213 Antworten).