Lupita Nyong’o gegen Homer: Kulturkampf um die Odyssee

Lupita Nyong’o kritisiert Homers Sexismus als Helena von Troja. Boykott und Debatte wachsen vor dem Kinostart.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nyong’os Odyssee: Von Helena von Troja zum Kampf gegen den Sens

Homer hat seit 3.000 Jahren jeden Kampf gegen das Vergessen gewonnen. Nun steht er einer unbequemen Schlacht gegenüber: der seiner eigenen Adaption. Lupita Nyong’o, die Schauspielerin, die Helena von Troja verkörpern soll, bezeichnete den griechischen Autor aufgrund des geringen Gewichts weiblicher Figuren in seinen Werken als sens. Das Ergebnis: Die eine Hälfte des Publikums applaudiert ihrer Kritik, die andere hämmert auf sie ein, bevor auch nur ein einziger Frame gesehen wurde.

Eine Helena, die weder blond noch griechisch ist

Der Funke zündet nicht nur durch Nyong’s Aussagen, sondern durch die Visualisierung. Puristen erinnern daran, dass Homer Helena westliche Züge zuschrieb, und sehen in der Besetzung mit einer schwarzen Schauspielerin einen Bruch mit dem Kanon. Für sie ist es keine Interpretation, sondern Propaganda. Auf der anderen Seite stehen jene, die argumentieren, dass Klassiker nicht in Formaldehyd konserviert werden; sie werden übersetzt, neu interpretiert und diskutiert. Homers Werk lebt seit 2.500 Jahren, und dieser Film ist noch nicht einmal im Kino angelaufen, während für die einen bereits das Urteil feststeht und die anderen ihn freisprechen.

Das Kuriose ist, dass die Kontroverse das eigentliche Objekt verdunkelt: Die feministische Kritik am homerischen Text ist weder neu noch abwegig. Peine webt und wartet, Athena erscheint nur dann, wenn es dem Helden nützt, und die Frauen von Troja sind Kriegsbeute. Man kann anderer Meinung sein, aber Homer als sens zu bezeichnen, ist kein Unsinn; es ist eine Lesart mit akademischer Tradition.

Das Vorbild Schneewittchen: 300 Millionen Dollar Warnung

Diejenigen, die einen Boykott fordern, haben ein frisches Beispiel: Das Disney-Remake von Schneewittchen kostete 300 Millionen US-Dollar und floppte an den Kinokassen, nachdem die Hauptdarstellerin in Kontroversen verwickelt war. Das Beispiel dient als Warnung: Die Filmindustrie finanziert sich über Ticketverkäufe, nicht über Twitter-Diskussionen. Es beweist jedoch auch das Gegenteil: Dass eine kontroverse Besetzung Säle füllen kann, selbst wenn man nur hinsieht, um das Desaster aus nächster Nähe zu erleben.

Im Grunde geht es um etwas Einfacheres. Diese Odyssee ist noch nicht gestartet, es gibt keine Kritiken oder echtes Publikum, und dennoch versprechen einige, den Film unter keinen Umständen zu sehen. Die Entscheidung ist gefallen, bevor der Film existiert.

Zwei unvereinbare Lesarten

Letztlich stehen zwei unvereinbare Lesarten gegenüber. Die eine betrachtet klassische Texte als unveränderliches Erbe, das in seinem historischen Kontext bewahrt werden muss. Die andere sieht sie als lebendige Werke, die jeder Generation gehören und entsprechend neu gedeutet werden dürfen. Der Streit um Nyong’os Helena ist daher mehr als eine Casting-Frage; er ist ein Symptom dafür, wie tief die Gräben in der heutigen Kulturdiskussion sind.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (202 Antworten).

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