Die Zukunft enttäuscht: das Gefühl, dass nichts mehr besser werden kann
Es gibt eine Szene, die sich bei jedem Gespräch am Esstisch wiederholt: Jemand erinnert sich daran, was er sich vom Jahr 2000 erhofft hatte, und jemand lacht bitter auf. Die Enttäuschung über die Zukunft ist keine generationelle Pose mehr, sondern eine Gemeinsamkeit, die Klassen und Altersgruppen überspannt. Was als persönliches Geständnis begann —„Ich war immer Optimist, aber ich muss zugeben, dass ich mich geirrt habe“— endete als Chor: Je mehr Jahre man zählt, desto negativer und enttäuschter wird man.
Das Gespräch beginnt mit einem intimen Geständnis und driftet hin zur kollektiven Diagnose. Die vorherrschende Idee ist, dass die Zivilisation sich nicht geradlinig entwickelt. Die Geschichte ist nicht fortschrittlich, argumentiert eine Strömung, die unbequem ist: Bequemer zu leben ist kein Zeichen von Fortschritt. Und manche datieren den Wendepunkt: 2007 als das Jahr, in dem etwas schiefzulaufen begann, 2015 als der Moment, in dem es offensichtlich wurde, und 2018 als den Punkt, an dem es zu spät zum Reagieren war.
Warum haben die Menschen das Gefühl, dass die Zukunft schlechter geworden ist?
Das Unbehagen kommt nicht von der Technologie, sondern von der Wahrnehmung, dass die getroffenen Entscheidungen das Leben verschlechtern statt verbessern. Die am häufigsten geäußerte Klage ist nicht im engeren Sinne wirtschaftlich: Es ist das Gefühl, dass nichts Gutes passieren kann, weil ein Teil der Gesellschaft darauf programmiert ist, alles Glänzende zu zerstören. Dieses Misstrauen gegenüber den Mitmenschen —„Menschen, die ihr Leben lang Masken tragen“— wiegt schwerer als jede BIP-Zahl.
Der Pessimismus wird konkreter, wenn es ums Geld geht. Eine Rechnung, die im Thread kursiert, besagt, dass das System ein Ponzi-Schema auf Schuldenbasis ist: Es braucht mehr Menschen, die einsteigen, als es aussaugt, und die niedrige Geburtenrate in der Ersten Welt zerstört die Gleichung. Einwanderung komme in diesem Erzählbild nicht, um das System zu stützen, sondern um es auszubeuten. Es ist eine diskutable und diskutierte These, aber sie erklärt, warum viele Menschen das Gefühl haben, für eine Party zu zahlen, zu der sie nie eingeladen waren.
Auch die Gegenwart enttäuscht: Ästhetik und Zusammenleben
Nicht die ganze Enttäuschung ist makroökonomisch. Ein Teil des Missmuts ist rein ästhetisch und betrifft das Zusammenleben: das Gefühl, dass die Straße verwahrloster geworden ist. Es ist die klassische Klage dessen, der sich umsieht und sein Viertel nicht wiedererkennt. Dahinter steckt eine tiefere Idee: Der Verfall misst sich nicht nur in Euro, sondern daran, wie sich die Menschen kleiden, wie sie sprechen und wie sie ihre Nachbarn behandeln.
Gegen dieses Narrativ gibt es einen Einwand, den man nicht ignorieren kann: die beste Epoche der Geschichte beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen. Drei kleine Altbauwohnungen in einer Großstadt haben genügt, damit ein Teil der Gesellschaft ohne Arbeit aufsteigt. Es hängt davon ab, auf welcher Seite man die Veränderungen erwischt hat. Und manche fügen hinzu, dass Geld nicht alles ist: Lieber arm mit Menschen um sich als reich, umgeben von Masken.
Die Zukunft als Omen: vom dystopischen Kino zur KI
Die Populärkultur warnt seit Jahrzehnten. Die dystopischen Filme, die wie Fiktion wirkten, sind zu kurz gesprungen. Und die Technologie, die uns retten sollte, wird zunehmend als Bedrohung wahrgenommen: Die künstliche Intelligenz taucht im Gespräch nicht als Werkzeug auf, sondern als möglicher Henker. Die Frage, die in der Luft liegt, ist unbequem: Was, wenn der technische Fortschritt nur dazu dient, dass wenige alle anderen kontrollieren?
Das Ergebnis ist eine Mischung aus Nostalgie und schwarzem Humor. Mancher scherzt damit, zurück zu 1690 zu wollen, mancher erinnert sich an einen Bekannten, der für 2012 den Weltuntergang vorausgesagt bekam und seitdem jeden Tag wie ein Geschenk lebt, und manche hören schlicht auf, an die Zukunft zu denken: „Ich denke ans Überleben.“ Das ist kein Salon-Nihilismus, sondern Erwartungsmanagement.
Die generationelle Kluft: Auch die Alten hatten es nicht so gut
Die Versuchung, der vorherigen Generation die Schuld zu geben, stößt auf ein unbequemes Zeugnis: Wer 1970 geboren wurde, erinnert sich an finstere Lehrer, den industriellen Strukturwandel der achtziger Jahre und regelrechte Straßenschlachten zwischen Arbeitern und Polizei in Asturien. Es gab kein goldenes Zeitalter. Allenfalls gab es eine Zeit, in der sich der Verfall besser kaschieren ließ.
Die Schlussfolgerung, die sich aufdrängt, lautet: Die Zukunft verfällt. Nach zehn Jahren ist jedes Versprechen obsolet. Und während sich manche positionieren, um die Show von einem abgelegenen Gut in den Bergen aus zu sehen, hoffen andere weiter, dass etwas Glänzendes erscheint. Die verstörende Zahl: Die Generation, die in der Geschichte am meisten konsumiert hat, ist auch die, die am wenigsten an den Morgen vertraut. Die Zukunft ist nicht mehr das, was sie war, schrieb Paul Valéry. Und er hat immer noch recht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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