Die Theorie, dass ein afrikanischer Kaiser Amerika vor Kolumbus erreichte

Die Theorie, dass ein Kaiser aus Mali im 14. Jahrhundert Amerika erreichte, erlebt in sozialen Medien ein Comeback. Gibt es Beweise? Wir prüfen die Daten, den Skeptizismus und den Schatten…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Theorie, dass ein afrikanischer Kaiser Amerika vor Kolumbus entdeckte, erlebt in sozialen Medien ein Comeback

Wussten Sie, dass manche behaupten, ein Kaiser von Mali, Abubakari II, sei im 14. Jahrhundert in Amerika gelandet – zwei Jahrhunderte vor Christoph Kolumbus? Die Behauptung, die immer wieder in Foren und sozialen Medien auftaucht, hat die historische Debatte erneut angeheizt – mit einer Mischung aus kulturellem Snobismus und schlecht verborgenem Skeptizismus.

Die These vom Kaiser als Seefahrer

Die Geschichte, verbreitet auf Grundlage der Forschungen des malischen Historikers Gaoussou Sall und populär gemacht durch Gavin Menzies' Buch "1434", besagt, dass Abubakari II (oder Mansa Qu), Herrscher des Mali-Reiches, um 1311 eine große Flotte von Hunderten Schiffen in den Atlantik entsandt hätte und dabei amerikanische Küsten erreicht habe – vor den Wikingern und natürlich vor 1492. Anhänger dieser Theorie verweisen auf sprachliche und kulturelle Ähnlichkeiten zwischen den Mandinka und einigen mesoamerikanischen Völkern sowie auf das Vorkommen afrikanischer Baumwolle im präkolumbischen Amerika.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die akademische Mainstream-Community weist die Idee mangels solider archäologischer Beweise zurück. Die wenigen zitierten Fundstücke – wie der berühmte Schädel mit afrikanischen Zügen, der in Mexiko gefunden wurde – wurden wegen späterer Datierungen oder ihrer Deutung in Frage gestellt. Trotzdem hat die Theorie eine starke emotionale Anziehungskraft: Sie positioniert Afrika als Wiege der transozeanischen Erkundung, zu einem Zeitpunkt, an dem die offizielle Geschichtsschreibung zunehmend angefochten wird.

Die Antwort der Skeptiker: Daten und Spott

Auf der Gegenseite verweisen Kritiker auf das Fehlen materieller Beweise: Es gibt keine Überreste afrikanischer Schiffe in Amerika und keine Aufzeichnungen über die Reise in den Chroniken Malis, die ohnehin wenig detailliert waren. Zudem hätte die Schiffbautechnik des subsaharischen Afrikas im 14. Jahrhundert kaum regelmäßige Atlantiküberquerungen ermöglicht. Ein unbequemes Detail kommt hinzu: Das Mali-Reich kontrollierte nicht einmal die Atlantikküste im Gebiet des Senegal, und seine Flotte, falls es sie gab, bestand aus kleinen Flussbooten. Die Ironie liegt in der Luft: Wer den historischen Eurozentrismus kritisiert, verfällt manchmal in einen Afrozentrismus, der ebenso datenlos ist.

Wikinger und andere Präkolonialzeiten

Wenn es um Vorläufer geht, ist der Wikinger-Vorstoß nach Neufundland um das Jahr 1000 weitaus besser dokumentiert: Es gibt archäologische Überreste in L'Anse aux Meadows, und die nordischen Sagas beschreiben die Reisen im Detail. Doch die Anhänger der afrikanischen Theorie entgegnen, die Wikinger hätten keine dauerhaften Kolonien gegründet und den Kontinent nicht verändert. Für sie bedeutet "Entdeckung" einen Kontakt mit kultureller Wirkung – etwas, das nur eine organisierte Zivilisation wie die Malis geschafft hätte.

Die Debatte wirft jedenfalls eine unbequemere Frage auf: Warum hat die offizielle Geschichtsschreibung jahrhundertelang die Möglichkeit nichteuropäischer präkolumbischer Kontakte ignoriert? Die Antwort, sagen manche, sei der strukturelle Rassismus der Wissenschaft. Andere, pragmatischere, antworten: Weil es keine Beweise gibt. Und währenddessen segelt die Legende weiter, zwei Jahrhunderte vor Kolumbus.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (10 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver