Die Rechte wird der Linken nie gehorchen: Der Konflikt steckt in ihrem Kern

Kant behandelte 1797 das Notrecht. Dass eine Seite die andere braucht, ist kein bewiesener Fakt, wohl aber eine Hypothese über Anreize.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kein Wahldaten beweist, dass ein Block seinen Gegner ewig braucht, wohl aber gibt es eine politische und ökonomische Logik, die es belohnt, jemanden zum Kampf gegen zu haben. Wer nicht das Seine verteidigt und darauf wartet, dass ein Dritter es tut, verliert fast immer das Gut und gewinnt einen Gläubiger.

Es gibt eine These, die in Gesprächen über Politik hartnäckig kursiert: dass eine Seite die andere braucht und dass der Konflikt kein Zufall des Systems ist, sondern sein Treibstoff. Auf Spanien übertragen besagt sie, dass die Rechte eine Linke braucht, gegen die sie kämpfen kann, denn ohne Gegner bleibt sie ohne Erzählung, die sie verkaufen könnte. Das ist keine Behauptung, die sich an der Wahlurne beweisen lässt. Es ist eine Hypothese über Anreize, und als solche lässt sie sich prüfen.

Die Intuition ist Jahrhunderte alt und wurde nicht an einer Theke geboren. Jede politische Organisation löst zuerst ein praktisches Problem statt eines sarracena: wie man Menschen, die sich nicht kennen, dazu bringt, so zu handeln, als würden sie sich kennen.

## Konflikt lohnt sich, wenn er die Organisationsunfähigen organisiert

**Mancur Olson** veröffentlichte **1965** „Die Logik des kollektiven Handelns“, ein Buch, das erklärt, warum große Gruppen sich selten bewegen: Jedes Mitglied wartet darauf, dass ein anderer die Kosten trägt. Der gemeinsame Feind löst dieses Problem. Er ist billig, lässt sich in einem Satz erklären und erspart das Lesen eines ganzen Wahlprogramms.

Außerdem kostet der Konflikt nicht alle dasselbe. Die Kosten verteilen sich auf viele, der Nutzen konzentriert sich auf wenige – genau jene, die Anreize haben, ihn am Leben zu halten. Olson warnte schon vor dieser Asymmetrie: Kleine, gut organisierte Gruppen schlagen verstreute Mehrheiten meistens.

Daraus folgt eine unbequeme Schlussfolgerung für beide Seiten: Wenn Konflikt ein Vermögenswert ist, gibt es Menschen, die nicht interessiert daran sind, dass er gelöst wird. Nicht, weil sie schlechte Menschen sind, sondern weil ihre Position davon abhängt, dass der Streit offen bleibt.

## Der Richter, der zu spät kommt und doppelt kassiert

**Thomas Hobbes** schrieb **1651** im „Leviathan“, dass ohne eine Macht über allen das Zusammenleben zu einem dauerhaften Kampf wird. Die von ihm vorgeschlagene Lösung war ein Dritter, stark genug, Regeln durchzusetzen. Das Problem ist, was passiert, wenn dieser Dritte in den Streit eintritt, bevor die geschädigte Partei einen Finger gerührt hat.

**1797** behandelte **Immanuel Kant** in der „Metaphysik der Sitten“ das Notrecht, jene Figur, auf die sich beruft, wer das Verbotene tut, um das Seine zu retten. Interessant ist hier nicht die Erlaubnis, sondern die Schulden, die sie erzeugt. Wer nicht verteidigt, was ihm gehört, und auf ein fremdes Urteil wartet, ist nach dieser Überlegung zugleich geschützt und verpflichtet.

Das Argument trägt zum Teil und schießt zum Teil über das Ziel hinaus. Es trägt, dass Passivität die Position dessen verändert, der sie praktiziert: Er verliert das Gut und gewinnt einen Gläubiger. Es schießt über das Ziel hinaus, wenn daraus gefolgert wird, dass der Richter mehr Schaden anrichtet, als er wiedergutmacht, denn das macht jede Intervention zum Missbrauch.

## Kämpfen oder regeln: die Rechnung am Ende

In die Ökonomie übersetzt liest sich die Sache als Problem von Anreizen, nicht von Tugenden. Lange Konflikte zerstören Kapital, verzögern Investitionen und verteuern alles, was stabile Vereinbarungen erfordert. Kurze, kontrollierte Konflikte dagegen dienen dazu, die Verteilung neu zu ordnen, ohne dass jemand eine Kapitulation unterschreiben muss.

Nichts davon beweist, dass Rechte oder Linke ihren Gegner ewig brauchen. Es zeigt, dass der Kampf einen Besitzer und eine Rechnung hat – und dass man fragen sollte, wer kassiert, bevor man fragt, wer recht hat. Da all dies an Streit und Verteilung streift, sollte jede Schlussfolgerung geprüft werden, bevor man sie als gut akzeptiert.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (2 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver