Die Opazitätsplatte der Diesel-HU: von schwerem Mangel zum Makulatur

Die Opazitätsplatte war bei der spanischen HU (ITV) seit Mai 2018 ein schwerer Mangel, doch ein Entwurf strich sie. Die Abgastest bleibt verschärft und die Fahrer…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Opazitätsplatte der Diesel-HU: von schwerem Mangel zum Makulatur

Muss ich die Opazitätsplatte im Motorraum haben, um die ITV (die spanische Hauptuntersuchung) zu bestehen? Monatelang lautete die offizielle Antwort ja, und wer sie nicht dabei hatte, riskierte ab dem 20. Mai 2017 einen leichten Mangel und ab dem 20. Mai 2018 einen schweren —und damit das Durchfallen durch die Prüfung. Die Warnung machte in Motorforen die Runde wie ein Lauffeuer. Die Platte, ein kleines Metallquadrat mit dem homologierten Absorptionskoeffizienten, wurde zum neuen Feind des alten Diesel-Fahrers. Monate später strich ein Entwurf der ITV-Prüfanleitung diese Einstufung: Wer die Platte nicht mitführte, galt künftig nicht mehr als Mangel. Der Schrecken deckte jedoch etwas Unangenehmeres auf: Die Abgastest war tatsächlich verschärft worden.

Was die Opazitätsplatte ist und warum sie zum Problem wurde

Die Platte gibt den Absorptionskoeffizienten für Rußemission an, mit dem das Fahrzeug homologiert wurde. Das ist die gesetzliche Obergrenze für die Opazität am Auspuff. Ohne diese Referenz wenden die Prüfer Standardwerte je nach Erstzulassungsjahr an. Das Problem kam mit der Normänderung 2016: Das Fehlen der Platte wurde zunächst zum leichten, später zum schweren Mangel. Für einen gealterten Fahrzeugbestand hieß das: Ein tadellos laufendes Auto konnte die ITV wegen eines verlorenen Blechs verlieren.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Im April 2017 drehte sich die Diskussion bereits darum, was als „alter Diesel" galt, und um den Verdacht, dass sich die Schlinge um Motoren ohne Partikelfilter zuzog. Die Antwort von Renault auf eine einzelne Anfrage war aufschlussreich: Die Marke kündigte an, man habe sich darauf verständigt, die Einstufung als leichter oder schwerer Mangel wegen der fehlenden Platte zu streichen, vorbehaltlich der offiziellen Bestätigung durch das Ministerium. Der spätere Entwurf der ITV-Prüfanleitung bestätigte die Kehrtwende. Die Platte war kein Problem mehr. Der Opazitätstest schon.

Die Abgastest: die eigentliche Hürde der Diesel-HU

Die Verschärfung der Opazitätsmessung galt bereits seit Juni, noch vor dem Wirbel um die Platte. Der Test misst den Rauch, der unter Last aus dem Auspuff kommt, bei voll hochgedrehtem Motor. Und dort wurden die Toleranzen enger. Ein Fahrzeug von 2004 mit Grenzwert 0,8 konnte durchfallen, während ein neueres mit höherem Grenzwert problemlos bestand. Ein Fahrer brachte das Paradox auf den Punkt: Sein Diesel von 2004, mit geringeren gemessenen Emissionen, würde als Superverschmutzer abgestempelt, während ein dreckigerer unbehelligt weiterfahren dürfe.

Die Daten aus den Prüfungen zeichnen ein ungleiches Bild. Ein Diesel von 2005 mit Platte 1,2 bestand mit 0,5. Ein Xsara Picasso mit Grenzwert 1,8 hatte keine Probleme. Ein 15 Jahre alter Transporter mit 285.000 Kilometern zeigte 0,97 und bestand „knapp", obwohl er bei früheren ITV-Terminen 1,85 registriert hatte. Ein anderes Fahrzeug, homologiert mit 1,5, zeigte 2,15 und bestand, weil sein Grenzwert 3 betrug. Die Spanne ist enorm und hängt sowohl vom Zustand des Motors als auch vom Homologationsjahr ab.

Was Fahrer tun, um den Test zu bestehen

Die Liste der Tricks ist lang und wurde über die Jahre verfeinert. Der häufigste: kräftiges Gasgeben im Leerlauf vor der Einfahrt in die Prüfspur, bei gut warmem Motor. Dazu kommen ein neuer Luftfilter, frisch gewechseltes Öl, teurer Diesel und Rauchunterdrücker-Additive, gemischt mit wenig Kraftstoff. Manche stecken die Hochdrucklanche der Tankstelle in den Auspuff und schrubben den anhaftenden Ruß mit einem in eine Zange geklemmten Lappen ab. Die Logik ist einfach: Was bei der ITV rauskommt, ist das, was am Rohr klebt, nicht das, was der Motor unter normalen Bedingungen erzeugt.

Die Ergebnisse variieren. Ein städtischer Lieferwagen ging nach einer Auspuffreinigung in drei Tagen von 2,00 auf 0,8 zurück. Ein anderer sprang nach sechs Monaten und 3.000 Kilometern im Stadtverkehr von 0,67 auf 2,80. Derselbe Transporter, mit vorheriger Reinigung, Additiven und zwei Litern 98-Oktan-Benzin in einem 60-Liter-Dieseltank, sank auf 0,58. Manche lockern schlicht das Gaszugseil, damit die Pumpe nie ganz aussteuert, und registrieren Opazität null. Und manche fahren einfach ohne Rücksicht: 0,11 bei einem 12 Jahre alten Diesel mit 234.000 Kilometern.

Die wahren Kosten: Was hinter der Verschärfung steckt

Der eigentliche Hintergrund, so ein Teilnehmer, sei eine Steuer- und Regulierungspolitik, die den Diesel jahrzehntelang begünstigt habe. Diesel war billiger, um eine europäische Industrie zu schützen und die japanische und amerikanische Konkurrenz aufzuhalten. Jetzt vergiften ebendiese Fahrzeuge die Luft stärker, und die Behörden machen sie ausfindig. Der tiefergehende Verdacht, so fügt er hinzu, sei, dass das nächste Ziel etwas anderes sei: Autogas, Lithiumbatterien oder was auch immer dran ist.

Unterdessen geben die Hersteller den Diesel nicht auf. Ford kündigte Dieselmotoren für den F-150 an, das meistverkaufte Modell der USA. Der Widerspruch ist offensichtlich: In Europa wird der Diesel bestraft, in Amerika lanciert. Und die Fahrer, mittendrin, rechnen nach. Ein 13 Jahre altes Auto tauscht man nicht aus Vergnügen. Man tauscht es, wenn es nicht mehr anders geht.



Die Opazitätsplatte erwies sich als Makulatur. Der Abgastest nicht. Und während die Prüfer weiter den Rauch messen, der aus dem Auspuff kommt, suchen die Fahrer weiter nach Wegen, ihren alten Diesel durch die Prüfung zu bringen. Unter diesen Umständen wundert es kaum noch, dass niemand darüber staunt, wenn Leute die Lebensdauer ihres Autos bis zum Äußersten ausreizen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (86 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver