Diagnose: Die Linke hat Spanien schon vor Sánchez übernommen

Die These, dass Linke Universitäten, Medien und Gewerkschaften vor der Regierung besetzt haben: Sánchez loszuwerden behebt nicht die Struktur, die ihn trägt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Diagnose: Die Linke hat Spanien schon vor Sánchez übernommen
Die These, die über Sánchez hinauszeigt

Ein Wahlsieg wird nicht an der Wahlurne gewonnen. Er wird vorher gewonnen, an den Universitäten, in den Medien, in den Gewerkschaften und in der Verwaltung. Das ist die These, mit der die Diagnose beginnt: Die Linke ist nicht über die Präsidentschaft an die Regierung Spaniens gelangt, sondern hatte jahrzehntelang die Institutionen besetzt, die den gesellschaftlichen Konsens herstellen. Die Exekutive wäre das i-Tüpfelchen, nicht der Kuchen selbst.

Das Argument ist nicht neu, aber der Ton ist dringlich. Wer es vertritt, warnt, dass die Absetzung des Ministerpräsidenten nichts löst, solange die Struktur unangetastet bleibt. Die Metapher ist eindeutig: Die Kirsche von einem infizierten Geschwür zu entfernen heilt das Geschwür nicht. Und die Schlussfolgerung ist bitter: Wir befinden uns im Krieg und verlieren ihn kläglich.

Wer die Institutionen vor der Regierung kontrolliert

Die erste Botschaft zählt die Fronten auf: gestürmte Universitäten, inflitrierte Kirche, eigene Gewerkschaften, willfährige Beamte, brandmarkte Medien, vergiftete Schulen, kontaminierte Justiz und Parteien. Es ist eine Liste von Schützengräben, nicht von Wahlkämpfen. Die dahinterliegende Logik: Kulturelle Macht wird vor politischer Macht erobert, und wer die Erzählung beherrscht, muss nicht jede Wahl gewinnen.

Die häufigste Antwort bestreitet die Diagnose nicht. Sie erweitert sie. Es wird darauf hingewiesen, dass das Problem nicht nur spanisch, sondern international ist, und Namen als Gegengewicht genannt: Trump, Meloni, Milei, Abascal und Vox. Es gebe Widerstand, so das Argument, mehr als diejenigen zugeben, die auf einen perfekten Messias warten. Die Auseinandersetzung verlagert sich auf das Terrain der Verzweiflung: Die Gegner handeln gemeinsam, mit ideologischem Fanatismus und im Schutz von Klasseninteressen.

Das liberale Rezept: weniger Staat und eine Kultur der Anstrengung

Neben der kulturellen Diagnose steht der wirtschaftliche Lösungsvorschlag. Die Lösung läge in einem kleineren Staat und in der Förderung einer Kultur der Anstrengung. Alles andere, so die Behauptung, wären Folgen dieser beiden politischen Entscheidungen. Es ist die klassische liberale Antwort: Wenn das Problem eine wachsende Struktur ist, führt der Ausweg über deren Verkleinerung.

Der Kontrapunkt kommt von anderer Seite. Es wird argumentiert, dass Links und Rechts keine ausschließlichen Feinde mehr sind, sondern Rivalen, die um die Kontrolle desselben kapitalistischen Systems konkurrieren. Das Ende des Kalten Krieges hätte die Blöcke beendet und zwei alternative Projekte innerhalb desselben Rahmens hinterlassen. Keines ist revolutionär, keines konterrevolutionär: Beide wären Ausdruck desselben Systems, unterschieden nur durch ihre Rhetorik.

Die Pandemie als Feigheitstest

Der Thread wird persönlich, als es um die Pandemie geht. Es wird vom Verlust von Freunden erzählt, weil man die Wahrheit gesagt hat, vom Ungehorsam gegenüber Empfehlungen und Verordnungen, von verlorener Zeit mit verängstigten Menschen und von einer verpassten beruflichen Chance, weil man sich die experimentelle Spritze nicht verpassen ließ. Es gibt keine Reue. Es gibt einen Vorwurf: Das Problem ist nicht zu wissen, dass man sich die Hände schmutzig machen muss, sondern es nicht zu wollen.

Die Kritik richtet sich gegen den Konformismus. Beschrieben wird eine Bevölkerung, die an blinden Gehorsam gewöhnt ist, ihren Henkern zulächelt, während sie abgeschlachtet wird, und sagt es ist, wie es ist. Der Verweis auf das Milgram-Experiment und Stanford dient der Erklärung der Unterwerfung, nicht ihrer Rechtfertigung. Der letzte Vorwurf ist individuell: Jeder soll in den Spiegel schauen und sein Gewissen soll ihm vorwerfen, dass er hätte handeln können und es nicht tat.

Die Ernüchterung derer, die nichts mehr erwarten

Der Abschluss des Bogens ist der pessimistischste. Nach dem, was 2020 geschah, lautet die Schlussfolgerung: Es gibt nichts mehr zu holen. Die Menschen sind feige und egoistisch, und es wird daran erinnert, was sie mit ihren Alten, ihren Kindern und sich selbst gemacht haben. Der Verfasser kündigt an, dass er die Wutausbrüche und die Aufklärungsaktionen aufgibt. Dies ist Sodom und Gomorra, urteilt er, und möge sich irren.

Bleibt der Weg der Säuberung, verstanden als eine groß angelegte Reinigung, bevor ein Hoffnungsschimmer erkennbar wird. Und eine historische Anklage: Während die Institutionen besetzt wurden, feierte ein Teil der Bevölkerung, schimpfte über Franco und wählte die Parteien des Systems. Die Geduld, so die Warnung, untergräbt die Sarracena aller, die hier mit mehr als zwei Gehirnzellen leben.

Die Prognose, mit Vorbehalten: Wird die Struktur nicht abgebaut, ändert ein Wechsel des Palastbewohners nichts am Land. Die Frage ist, ob sich diese Struktur friedlich abbauen lässt oder ob die Diagnose nur die Kapitulation rechtfertigt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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