Diabetes bei Kindern: Diskussion um Insulin und Ernährung

Ein Fall von schwerer Diabetes Typ 1 löst eine Debatte über Kohlenhydrate und offizielle Ernährungsrichtlinien für Diabetiker aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Diabetes bei Kindern: Diskussion um Insulin und Ernährung
Fünf Injektionen täglich und die Debatte um die offizielle Diät

Als Lorena Aguinalea, geboren 1975 in Málaga, ihre Tochter Sofía Anfang 2014 ins Krankenhaus brachte, hatte das Mädchen einen Blutzuckerwert von 650 mg/dl und musste auf der Intensivstation behandelt werden. Die Diagnose: Diabetes mellitus Typ 1, die schwerste Form, die lebenslang fünf tägliche Insulininjektionen und elf Kontrollen erfordert, die das Kind inzwischen selbst durchführt. Aus diesem Beginn – so wird es im Fachjargon genannt – entstand zunächst ein Blog mit 10.000 Lesern, mit Kommentaren aus Peru, der Schweiz und Deutschland, und später das Buch Chiqui Sweet, die süße Seite der Diabetes. Darin erzählt die Autorin locker, wie eine Familie aus Málaga notfallmäßig in eine ihr unbekannte Welt eintauchte. Sie beschreibt auch die Szene, als sie im Krankenhaus auf Isabel Pantoja und deren Kameras traf, während man ihr mitteilte, dass ihre Tochter stationär aufgenommen werden muss.

Aber was wirklich kontrovers ist, ist nicht die persönliche Geschichte. Es ist der Teller.

Pasta und Steak: Die Debatte darüber, was den Blutzucker treibt

Der Mechanismus lässt sich in zwei Sätzen erklären und wird an 24 Stunden lang erlebt. Der Körper wandelt die meisten Kohlenhydrate – Zucker und Stärke – in Glukose um, die in den Blutkreislauf gelangt und die Bauchspeicheldrüse zur Insulinausschüttung zwingt. Wenn die Bauchspeicheldrüse nicht genug Insulin produziert (Typ-1-Diabetes) oder der Körper auf das produzierte Insulin nicht reagiert (Typ-2-Diabetes), wird dieser Anstieg zur Achterbahnfahrt. Ein Teilnehmer formuliert es unmissverständlich: Kohlenhydrate einem Diabetiker zu geben, sei „wie Alkoholikern Bier anzubieten“. Die Gegenreaktion kam schnell: Wenn man einem Diabetiker keine Kohlenhydrate gibt, droht eine Hypoglykämie, also ein Koma durch den entgegengesetzten Weg. Niemand gab nach.

Manche fügen einen unbequemen Aspekt hinzu: Auch ein Steak kann den Blutzucker erhöhen. Andere behaupten unter Berufung auf Grafiken, dass eine proteinreiche Mahlzeit eine stärkere und schnellere Insulinantwort auslöse als eine kohlenhydratreiche. Das Fleisch wirke langsam, sagen einige; das Brot schlage sofort an.

Die in der Debatte genannten Menüs: Brot, Maria-Kekse und Pasta

Die heikelste Front ist nicht die der Patienten, sondern die der Leitlinien. Ein Teilnehmer zitiert ein Standardmenü für schwangere Diabetikerinnen mit 1.800 Kalorien, dessen einzige explizite Verbotsregel Zucker betrifft. Bis dahin vernünftig. Das Problem liegt im Folgenden: sechs Mahlzeiten am Tag, davon zwei mit fettarmer Milch und Maria-Keksen, sowie 40 Gramm Brot bei jeder Aufnahme. Ähnlich argumentiert ein anderer, dass die Empfehlungen der Spanischen Kardiologischen Gesellschaft (Sociedad Española de Cardiología), die er bei einer schnellen Suche findet, Brot zu jeder Mahlzeit, Zwischenmahlzeiten mit Keksen, eine Portion Pasta oder Reis pro Tag und Kekse zum Nachmittagskaffee beinhalten.

Die Schlussfolgerung mehrerer Diskutanten lautet: Zucker zu verbieten und gleichzeitig Maria-Kekse, Brot und Pasta zu erlauben, ist ein klassischer Widerspruch. Dass raffinierte Stärke und Zucker im Blut fast identisch wirken, ist das Argument, das den Ärger schürt.

HbA1c-Wert von 8 auf 6,5: Das Zeugnis eines Selbstversuchs

Den Leitlinien steht die Erfahrung gegenüber. Ein Typ-1-Diabetiker mit 17-jähriger Krankheitsgeschichte berichtet, dass er mit der klassischen Ernährung einen HbA1c-Wert von 8 hielt, seit zwei Jahren aber mit Paleo-Ernährung nicht über 6,5 steigt. Seine Berechnungen: Fleisch mit Salat erfordert 2 Einheiten schnelles Insulin; ein Apfel 4; ein Chorizo-Brötchen 6 Einheiten schnelles plus 4 langsames Insulin. Den Peak des Brotes mit dem Peak des Insulins abzugleichen, sei Glückssache. Und Glück sei bei einer defekten Bauchspeicheldrüse kein Plan.

In der anderen Ecke widerspricht ein Fall dem Bericht: Jemand, der täglich 500 Gramm Vollkornhaferflocken isst – allein daraus etwa 350 Gramm Kohlenhydrate – und behauptet, seine Laborwerte seien nie über 55-60 mg/dl Glukose gestiegen. Seine eigene Erklärung: Glykämischer Index, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung wögen schwerer als die Etikettierung des Lebensmittels.

Weißer Reis, Fructose und Omega-3: Offene Baustellen

Die Spur führt weiter zu Studien. Eine Meta-Analyse, veröffentlicht im The BMJ, verbindet den Konsum von weißem Reis mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, mit einem relativen Risiko von 1,1. Zur Einordnung: Rauchen und Lungenkrebs ergeben ein relatives Risiko von 4. Die Inkonsistenz der Daten – signifikant bei japanischen und chinesischen Frauen, nicht bei Männern – lässt den Befund im Raum stehen.

Daneben herrscht viel Lärm. Ein Teilnehmer behauptet, Fructose sei der schlechteste Zucker, weil er in der Leber metabolisiert wird und Insulinresistenz verursacht. Andere diskutieren über Omega-3, Omega-6 und deren Verhältnis. Im Hintergrund bleibt der alte Verdacht: Die Analyse eines isolierten Lebensmittels ohne Blick auf den Rest der Ernährung sei nutzlos.

Lorena Aguinaleas Buch lieferte die freundliche Schlagzeile – ein lächelndes Mädchen, eine Schule mit vier diabetischen Kindern und eine Fortsetzung in Arbeit. Die Hintergründe sind anders gelagert: Einige fordern Fleisch, andere Haferflocken, wieder andere halten an der alten Diät fest. Die konkreten Daten, ein sinkender HbA1c-Wert und ein steigendes Reisisiko um Faktor 1,1, schließen keine der drei Türen. Und dort bleibt alles stecken.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (193 Antworten).

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