Deutscher Mindestlohn doppelt so hoch wie in Spanien

Der deutsche Mindestlohn übersteigt 2.000 Euro, während spanische Produkte günstiger sind, aber Frischwaren die Vergleichbarkeit brechen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Deutscher Mindestlohn doppelt so hoch wie in Spanien
Spanische Produkte in Deutschland günstiger als in Spanien

Ein in Deutschland lebender Spanier zeigt eine unbequeme Widersprüchlichkeit auf: In Spanien angebaute Produkte werden nach einer Reise durch halb Europa am Rhein zu niedrigeren Preisen verkauft als auf ihrem Ursprungsmarkt. Der deutsche Einkaufskorb, mit einem Mindestlohn (SMI), der deutlich über 2.000 Euro liegt, wird dem spanischen gegenübergestellt. Und der spanische Mindestlohn erreicht nicht einmal die Hälfte des deutschen.

Die zugrunde liegende These besagt, dass Spanien seit 1990 drei Viertel seiner Kaufkraft verloren hat. Diese Zahl wird seit Jahren wiederholt und taucht bei jedem Preisvergleich erneut auf. Diesmal dauerte die Diskussion 487 Tage.

Das Detail der Flasche: gleicher Preis, unterschiedliche Erstattung

Eine Flasche Wasser kostet auf beiden Seiten der Grenze praktisch gleich viel. Der Unterschied zeigt sich bei der Rückgabe: In Deutschland erstattet man zwischen 25 und 30 Cent für die Verpackung; in Spanien nichts. Auf diesem Cent basiert ein größeres Argument: Der Ausgangspreis ist identisch, das Endergebnis nicht.

Dieses Denken lässt sich auf Telefon, Internet, Transport und Wohnraum ausweiten, Bereiche, in denen sich die Differenz vor fünfzehn Jahren wiederholte und sich laut dieser These weiterhin wiederholt. Mit einem doppelten Mindestlohn wird jeder vergleichbare Korb zur verfügbaren Einkommensfrage statt zur Anekdote. Darin liegt der Kern der Sache.

Das Detail, das die Erzählung bricht: Fleisch, Fisch und Frischware

Die Gegenoffensive kommt über die Qualität. Ein Teil der Debatte behauptet, dass deutsches Essen im Durchschnitt teurer und schlechter sei, was besonders bei Fleisch und Fisch auffalle. Es wird ein fast inexistentes Angebot an frischem Fisch beschrieben, meist tiefgefroren, und Preise, die auf den ersten Blick täuschen: Lachs für 7 Euro, der sich als Preis pro 100 Gramm herausstellt, oder Steinbutt für über 100 Euro pro Kilogramm.

Auch die Produktpräsentation wird kritisiert. In Deutschland sind Obst und Gemüse fast immer verpackt; die Theke mit frischer Ware nach Gewicht ist hier leichter zu finden. Wer ein bestimmtes Stück sucht, findet ein engeres Angebot, und wer ein bestimmtes Lamm oder Wurstprodukt schätzt, hat weniger Auswahl.

Verarbeitete Waren: wo der Vergleich trägt

Die überzeugendste Erklärung betrifft die Produktart. Verarbeitete und hergestellte Waren neigen dazu, in entwickelteren Ländern billiger zu sein, weil die Kosten für Industriemaschinen bereits amortisiert sind. Eine Packung Kekse oder eine Tiefkühlpizza kostet in Deutschland weniger als in Spanien, und in Spanien weniger als in Brasilien. Ein Kilogramm Obst folgt hingegen den umgekehrten Weg.

Das ist der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Diskussion. Die deutschen Aldi-Kataloge zeigen identische Produkte wie hier, aber dort günstiger, allerdings handelt es sich um Fertiggerichte und Junk Food. Einen Korb mit verarbeiteten Produkten zu vergleichen ist eine Sache; einen Markt-Einkaufskorb zu vergleichen, eine ganz andere.

Der Einkauf, der sich in fünf Jahren fast verdoppelt

Preise stehen nirgends still. Eine jüngste Zusammenfassung eines Lidl-Einkaufs zeigt Steigerungen von rund dem Doppelten in fünf Jahren: Marmeladenkekse steigen von 1,29 auf 2,59 Euro; Eier von 1,69 auf 2,80; Maracuja-Joghurt von 0,69 auf 1,29. Die Inflation kennt keine Grenzen, auch wenn der Ausgangspunkt von Land zu Land variiert.

Fünfzehn Jahre später: der deutsche Vorteil schrumpft

Vor fünfzehn Jahren war der Einkauf dort viel günstiger. Auch Telefon, Internet, Transport und sogar Wohnraum, bei dreifachem Gehalt. Heute hat sich dieser Vorteil verengt: Eine kleine Wohnung in München kann eine Million kosten, und jene, die das Deutschland vor der Blase kannten, erinnern sich an sehr günstigen Wohnraum bei europäischen Gehältern.

Das deutsche Gehalt täuscht ebenfalls. Beim Mindestlohn gehen bereits etwa 20% für Sozialversicherungsbeiträge ab, sodass der tatsächliche Abstand zwischen den Nettogehältern geringer ist als die Bruttozahl suggeriert. Bei anderen Konsumgütern kehrt sich der Vorteil um: Gin oder Benzin in London kosten doppelt so viel wie hier, obwohl das Gehalt dort eine andere Welt ist.

Kleinstunternehmen: die Struktur des Gewebes zählt

Ein weiterer Aspekt ist die Unternehmensstruktur. Spanien konzentriert 38,38% Kleinstunternehmen gegenüber 18% in Deutschland; kleine Unternehmen machen hier 5,71% aus, dort 20%; mittlere Unternehmen 0,92% gegenüber 15%. Beide Länder haben ein KMU-dominiertes Gewebe, aber die Verteilung ähnelt sich kaum. Weniger mittlere Unternehmen bedeutet weniger Verhandlungsmacht bei Preisen, weniger Skalierungsfähigkeit und weniger Möglichkeit, hohe Gehälter zu zahlen.

Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist unbequem: Es wird argumentiert, dass ab der mittleren Führungsebene zu viel Zwischenstruktur erhalten werden muss und diese Kosten letztlich im Endpreis im Regal landen. Das klingt nach einer Standardausrede, passt aber zu den restlichen Daten.

Mit dem doppelten Mindestlohn, Verpackungs-Rückvergütungen und günstigeren importierten Produkten würde die Logik sagen, dass der deutsche Korb jeden Vergleich gewinnt. Frischware, Vielfalt und Qualität setzen jedoch Bremsen. Die prägnanteste Formulierung des Ärgers lautet: „In Spanien macht man euch übers Ohr.“ Andere sehen einfach einen schlecht konstruierten Vergleich. Je nachdem, welches Regal man betrachtet, geben die Zahlen beiden recht.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (201 Antworten).

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