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Deutsche Supermärkte sind nicht günstiger: Löhne schon
Eurostat zeigt, dass spanisches Fleisch 20 % billiger ist als deutsches. Das Problem liegt nicht im Einkauf, sondern beim Gehalt.
Deutsche Supermärkte sind nicht günstiger: Das Gehalt ist doppelt so hoch
Ein Spanier steht an einer Tankstelle in München, kauft eine halbe Liter Coca-Cola Zero für 1,20 Euro und erhält bei der Rückgabe des Pfandsystems 0,25 Euro zurück. Das Video geht viral: In Deutschland sei das Leben billiger, in Spanien werde man abgezockt. Die vollständigen Daten erzählen eine andere Geschichte: Der spanische Warenkorb ist in den meisten Kategorien günstiger als der deutsche. Was hierzulande nicht günstig ist, ist ein deutsches Gehalt.
Eurostat widerlegt den Mythos vom günstigen deutschen Supermarkt
Der Preisniveauindex von Eurostat für 2024 (EU27=100) zeigt, dass Spanien bei fast allen Lebensmittelkategorien unter dem Niveau Deutschlands liegt. Bei Fleisch markiert Spanien 90,5 gegenüber 112,3; bei Fisch 94,2 gegenüber 117,0; bei Obst, Gemüse und Kartoffeln 95,8 gegenüber 103,0. Selbst bei Brot, Getreide sowie Ölen und Fetten liegen die spanischen Werte niedriger. Deutschland führt nur in der Kategorie „Sonstige Lebensmittel“ mit 93,8 gegenüber 106,5 und liegt bei alkoholfreien Getränken gleichauf.
Was bei einem deutschen Lidl günstig erscheint, ist selektiv: Kartoffeln, Reis, Mehl, einige verarbeitete Produkte. Ein kompletter Einkauf im Vergleich zum spanischen Kassenbon fällt nicht zugunsten Deutschlands aus. Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die Teilaufnahme nutzt, um die Erzählung vom teuren Spanien zu stützen.
Das durchschnittliche deutsche Gehalt: 4.013 Euro brutto pro Monat
Hier liegt der eigentliche Knackpunkt. Laut Bundesagentur für Arbeit beträgt das Durchschnittsgehalt in Deutschland 4.013 Euro brutto monatlich und soll bis 2026 auf 4.500 Euro steigen. Das Median-Jahreseinkommen für Vollzeitbeschäftigte lag 2025 bei 54.066 Euro (Destatis). Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland erreicht 2.400 Euro brutto. In Spanien liegt das Durchschnittsgehalt eines Arbeitnehmers bei rund 1.500 Euro. Von den 4.000 Euro Brutto in Deutschland bleiben nach Steuern und Sozialabgaben etwa 2.500 Euro netto übrig: immer noch mehr als das spanische Bruttodurchschnittsgehalt.
Mit diesem Lohnabstand kehrt sich die Wahrnehmung des „günstigen Supermarkts“ um. Es liegt nicht daran, dass die Preise in Spanien falsch wären; es fehlt schlicht an Kaufkraft.
Mehrwertsteuer, Vertrieb und ein Modell, das wie Senegal abrechnet, aber wie Europa zahlt
Es gibt strukturelle Gründe, warum Spanien keine preiskongruenten Einkommensverhältnisse aufweist. Die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel beträgt in Deutschland 7 %, in Spanien 10 %. Der spanische Einzelhandel ist stark konzentriert – Mercadona, Dia, Carrefour – und zwischen Feld und Regal schalten sich Zwischenhändler ein, die die Kosten treiben. Deutscher Diesel kostet 1,60 Euro pro Liter, nur zehn Cent mehr als spanisches Benzin, obwohl das Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland doppelt so hoch ist. Anders gesagt: Spanien wendet europäische Preise auf Löhne aus Entwicklungsländern an. Das ist kein Zufall, sondern das Design des Produktionsmodells.
Den Abschluss bildet ein Beispiel außerhalb des Warenkorbs: Ein Hotel in der Nähe von Nürnberg kostete während der Hochsaison 98 Euro pro Nacht für vier Personen inklusive Frühstück. In Spanien deckt dieser Preis kaum ein Doppelzimmer im August. Das Leben in Deutschland ist nicht billig. Das Leben in Spanien ist teuer für jemanden mit spanischem Gehalt. Der Unterschied liegt nicht im Regal, sondern auf der Lohnabrechnung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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