Detroit verliert zwei Drittel seiner Einwohner in sechzig Jahren

Detroit schrumpfte von 1,8 Millionen auf 600.000 Einwohner. Der Niedergang begann in den 60ern, vor Reagan, und Steuererhöhungen bremsten ihn nicht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Detroit verliert zwei Drittel seiner Einwohner in sechzig Jahren
Detroit verlor in sechs Jahrzehnten zwei Drittel seiner Bevölkerung

Eine Stadt, die einst dank ihrer Automobilindustrie zu den reichsten der Welt zählte, büßte innerhalb von sechzig Jahren zwei Drittel ihrer Einwohner ein. Der Auslöser des Verfalls war nicht Reagan: Die ersten Bewohner wanderten bereits in den Sechzigern ab, als die Volkszählung noch knapp bei 1,8 Millionen lag und die Fabriken mit voller Kapazität liefen. Die endgültige Zahl liegt laut Analysen bei rund 600.000 Einwohnern.

Was passierte in Detroit in den 60ern?

Die Erzählung, die den Niedergang dem Neoliberalismus Reagans zuschreibt, widerspricht dem Zeitverlauf. Als der ehemalige Präsident 1981 ins Weiße Haus einzog, hatte Detroit bereits zwei Jahrzehnte lang Bevölkerung verloren. Der erste dokumentierte Schlag kam früher: 1962 genehmigte der Stadtrat eine kommunale Einkommensteuer von 1 % für alle Einwohner und erhöhte sie 1968 auf 2 %. 1970 folgte eine weitere Abgabe auf öffentliche Dienstleistungen. Ein Teilnehmer fasste die Sequenz sarkastisch zusammen: „Verdammte Rote, wo ihr hintretet, wächst kein Gras mehr.“

Das Argument hat einen Haken: Korrelation ist nicht Kausalität. Andere Städte im industriellen Gürtel des Mittleren Westens – Houston, Dallas, das Ballungsgebiet Floridas – zogen ebenfalls Bevölkerung aus dem ländlichen Süden an, erlitten aber nicht dasselbe Schicksal. Der Unterschied lag laut dieser Sichtweise nicht in der Größe des öffentlichen Sektors oder den staatlichen Einkommensteuern, die Texas und Florida gar nicht erheben. Es war die Struktur der Produktion: die Abhängigkeit von einem einzigen Sektor, dem Automobilbau, und dessen spätere Verlagerung ins Ausland.

Die Verlagerung, die Michael Moore 1989 filmte

Der Dokumentarfilm Roger & Me von 1989 porträtierte bereits die Schließung der General-Motors-Werke in Flint, Michigan, und den massiven Jobabbau. Die These des Films war keine fiskalische: Die Manager schauten auf Bilanzen und Gewinnmargen, und Michigan war ihnen so egal wie Franco der UGT (spanische Gewerkschaft). Die Verlagerung in Märkte mit niedrigeren Arbeitskosten fraß die Industriearbeitsplätze, lange bevor eine neoliberale Politik im Oval Office ankam.

Hinzu kommt ein Produktfaktor, der oft übersehen wird: Amerikanische Autos stagnierten. Sie entwickelten sich nicht weiter und wurden von japanischen und europäischen Konkurrenten überholt. Dies spiegelt die aktuelle Situation wider, in der chinesische Industrie und Brüsseler Regulierungen nach Ansicht kritischer Stimmen den gleichen Effekt haben.

Die Steuererhöhung, die die Flucht nicht stoppte

Detroets Fiskalsequenz ist ein Lehrbuchfall dafür, was passiert, wenn Steuern erhöht werden, um ein Loch zu stopfen, das nicht fiskalischer Natur ist. 1962: 1 % Einkommensteuer für alle Einwohner. 1967: Unruhen und Zerstörung von Geschäften, Kapital flieht. 1968: Erhöhung der Steuer auf 2 %. 1970: Weitere Abgabe auf öffentliche Dienstleistungen. Keine dieser Maßnahmen stoppte die demografische Blutung.

Einige behaupten, Rassismus und ein schwacher öffentlicher Sektor seien das Problem. Dagegen spricht, dass der industrielle Mittlere Westen allgemein Bevölkerung aus dem ländlichen Süden anzog und die meisten dieser Städte nicht so endeten wie Detroit. Die optimistische Sicht führt den Verfall rein auf die Verlagerung zurück; die pessimistische gibt der kommunalen Besteuerung und der Kapitalflucht die Schuld. Keines davon erklärt, warum die Volkszählung schon fiel, bevor beide Faktoren beschleunigten.

Parallelen zum Spanien von 2026

Der Vergleich, der über der gesamten Diskussion schwebt, ist die spanische Politik. Kritiker sagen, die PP (Volkspartei) habe nur nominell liberale Züge: Formular 720, 21 % MwSt., unbarmherzige Bescheide der Hacienda (Steuerbehörde). Und der Neoliberalismus von PP/VOX werde, wenn er kommt, genau dasselbe sein. Die Gegenreaktion lautet, man habe gesehen, was die Regierung Sánchez gebracht habe, und es könne kaum schlimmer werden.

Auch geografische Parallelen tauchen auf: Die USA Richtung Brasilien, Brasilien Richtung Haiti, Spanien Richtung Libanon. Das sind Stammtisch-Analogien, aber die Kernfrage ist ernst. Wenn einer Industrienation ihre Produktionsbasis in sechzig Jahren ohne Widerstand entzogen werden konnte, was hindert daran, dass dasselbe jeder europäischen Wirtschaft passiert?

Die Antwort der Analyse ist unbequem: nichts. Nur die Anpassungsfähigkeit des Produktionsgewebes. Und das lässt sich weder durch eine Steuer reparieren noch durch eine Erhöhung zerstören.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (53 Antworten).

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