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Der wahre Preis der Abkoppelung Europas vom russischen Gas
Europa kauft kein russisches Gas mehr direkt ein, zahlt aber über Drittländer mehr dafür. Eine Analyse der wahren Kosten der Sanktionen und wer vom umgeleiteten Handel profitiert.
Europa zahlt für russisches Gas dreifach: sanktioniert, teuer und über Zwischenhändler
Wer gewinnt, wenn Europa aufhört, russisches Gas zu kaufen? Die kurze Antwort: nicht Europa. Die lange Antwort wird derzeit im Zuge der neuesten Wendung des Handelskriegs um die Ukraine diskutiert, und sie hinterlässt ein schwer verdauliches Bild: Der Kontinent, der sich geschworen hat, Moskau wirtschaftlich zu erdrosseln, kauft am Ende dasselbe Gas – teurer – über Zwischenhändler. Die offizielle Erzählung spricht von atlantischer Einheit; die Rechnung erzählt etwas anderes.
Sanktionen, die Russland in Industriepolitik verwandelt
Das erste Argument, das kursiert, ist kontraintuitiv. Gegen die Vorstellung, die Sanktionen würden Russland würgen, hält manches das Gegenteil: Kapital, das früher ins Ausland floss, bleibe nun im Land, werde in eigene Sektoren investiert und beschleunige eine Importsubstitution, die Moskau seit Jahren erfolglos anstrebte. Die einheimische Bevölkerung und die natürlichen Ressourcen, so die Lesart, kompensierten den Verlust der westlichen Märkte.
Das ist keine unumstrittene These. Das pessimistische Szenario für Russland geht davon aus, dass kritische Technologie und Finanzmärkte sich nicht durch politischen Willen ersetzen lassen. Aber die Zahl, die standhält, ist die Handelsumleitung: Wenn Europa nicht direkt kauft, kauft jemand anderes und verkauft weiter. Und dieser jemand verlangt seinen Aufpreis.
Wer zahlt für das Gas, das Europa weiter verbraucht?
Hier liegt der Kern der Sache. Der Kauf verschwindet nicht, er wechselt nur die Hände. Russisches Gas gelangt über Drittländer nach Westeuropa – mit der Marge des Vermittlers und in vielen Fällen mit US-amerikanischem Ursprung in der Kette. Das Ergebnis ist eine höhere Energierechnung für die europäische Industrie und ein Extragewinn für den, der die Brücke schlägt.
Die Frage, die über der ganzen Debatte schwebt, ist unbequem: Wenn das Ziel war, Moskau nicht mehr zu finanzieren – was genau wurde erreicht? Wurde der Fluss unterbrochen oder ist derselbe Fluss nur teurer geworden? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt, und dort beginnt die Uneinigkeit.
Das Kräftemessen zwischen Washington und Brüssel
Es gibt eine zweite Ebene der Analyse, die über das Gas hinausgeht. Es wird argumentiert, die USA durchliefen eine Hegemoniekrise und behandelten Europa – weil sie den Niedergang nur schwer eingestehen könnten – lieber als Einflusssphäre denn als Partner. In dieser Lesart ist der Kollateralschaden für die europäische Wirtschaft kein Zufall: Er ist Teil der Kalkulation.
Die Gegenseite hält dagegen, dass Europa kein passives Opfer ist. Seine eigenen Fehler – Energieabhängigkeit, fehlende industrielle Autonomie, Entscheidungen im Schlepptau – erklären einen Großteil des Durcheinanders. Das Imperium gibt die Richtung vor, ja – aber der Hergeschobene hat auch unterschrieben.
Die eingefrorenen russischen Vermögenswerte und das finanzielle Duell
Eine weitere offene Front sind die im Westen blockierten russischen Staatsfonds. Die Debatte über ihre Nutzung für Kriegsreparationen hat eine finanzielle Nebenwirkung, die in den Entscheidungszentren Sorgen macht: Wer diese Vermögenswerte antastet, setzt einen Präzedenzfall für die Rechtssicherheit ausländischer Reserven. Wenn eingefrorenes Geld nicht mehr unantastbar ist, erleidet das Vertrauen in das westliche Finanzsystem einen Schlag, von dem es sich nur schwer erholt.
Die letzte Ironie liefert der Kalender: Während darüber gestritten wird, wie man Moskau mit seinem eigenen Geld bestraft, verhandelt Europa noch immer über die nächste Energierechnung. Und die wird – ob man will oder nicht – in Euro bezahlt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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