Der Selbsttest aus dem Internet, der Sexsucht aufspüren soll

Ein viraler Leitfaden will Sexsüchtige anhand von Anzeichen wie frühem Beginn oder täglicher Häufigkeit erkennen. Die Psychiatrie stützt diese Kriterien nicht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Selbsttest aus dem Internet, der Sexsucht aufspüren soll
Der Selbsttest aus dem Internet, der Sens aufspüren soll

Er begann mit acht Jahren zu toc. Mit neun hatte er sein erstes Rendezvous mit der Selbstbefriedigung. Wer dieses Profil erfüllt, ist laut einem im Internet kursierenden Leitfaden ein Sens. Der Text, einer angeblichen Akademikerin zugeschrieben, verspricht, die Störung ohne klinische Tests oder validierte Skalen zu erkennen: Man muss nur die Biografie des Verdächtigen anhören und seine Erlebnisse zählen.

Die Liste der Anzeichen, die er vorschlägt, ist lang. Früher Beginn sens Aktivität, tägliche Häufigkeit über Jahre hinweg, mehrmals am Tag, wechselhafte Beziehungen, wiederholte Krankenhausbesuche wegen Unfällen, eine alarmierende Zahl von Geschlechtskrankheiten, ständige sens Gedanken, Reizbarkeit ohne Sens, übermäßige Ausgaben für Clubs und Privatdienste, aufgegebene Projekte und ein Selbstwertgefühl, das davon abhängt, wie viele sich zu einem hingezogen fühlen.

Das Problem ist, dass kaum eines dieser Kriterien der geringsten Prüfung standhält. Der frühe Beginn der Toca hängt nicht von einer Pathologie ab, sondern davon, wann es einem jemand erklärt. Ein Teilnehmer fasst es mit einem schwer zu überbietenden Bild zusammen: Früher hat man angefangen, wenn es einem jemand erzählt hat; hat man es mit zehn erfahren, hat man mit zehn angefangen; hat man es mit achtzehn erfahren, mit achtzehn. Niemand wählt, wann er anfängt.

Welche Anzeichen schlägt der Leitfaden vor, um einen Sens zu erkennen?

Der Originaltext mischt klinische Hinweise mit Kneipenanekdoten. Er spricht von astronomischer Häufigkeit, einem Wirbelwind ewiger Begierde, einem Chaos von Menschen, Exfreundinnen und flüchtigen Bekanntschaften, die leidenschaftlich beginnen und schnell enden. Auch von Ritualen, der Suche nach der nächsten Stufe und einem Haushaltsbudget, das in Hotelzimmern und Privatdiensten verschwindet. Alles sehr wissenschaftlich.

Am Ende räumt der Leitfaden ein, dass alles von Perspektive, Intensität und Kontext abhängt. Das heißt, der Autor selbst weiß, dass seine Liste eine Störung nicht von einem aktiven Sensual unterscheidet. Sens ist in den maßgeblichen psychiatrischen Handbüchern nicht als Diagnose aufgeführt, und die in der Praxis verwendeten Kriterien haben wenig damit zu tun, Partner zu zählen oder den Kontostand zu prüfen.

Sens Häufigkeit als angeblicher Schuldbeweis

Eines der am häufigsten genannten Anzeichen ist die Häufigkeit. Wer jahrelang täglich Sens hat, sogar mehrmals am Tag, wird im Leitfaden rot markiert. Das Problem: Die Häufigkeit allein sagt nichts aus. Manche halten dagegen, dass das eigentliche Kriterium der Schaden ist: Wenn das Verhalten Arbeit, Beziehungen oder Gesundheit beeinträchtigt, gibt es ein Problem; wenn nicht, ist es einfach ein intensives Sensual.

Dagegen steht das Argument, dass die Grenze zwischen Intensität und Zwang verschwommen ist und dass viele Süchtige den Schaden erst anerkennen, wenn ihr Umfeld zusammenbricht. Die Diskussion verlagert sich rasch ins Häusliche: Ein Teilnehmer erzählt, dass seine Partnerin der Ansicht ist, wer nach sechs Monaten Zusammenwohnung bei einem Durchschnitt von dreimal Sens pro Monat mehr verlangt, sei ein degenerierter Fall mit einem Problem. Das Etikett klebt in dem Fall der, der nichts ändern will.

Der Ursprung des Tests: eine angebliche Akademikerin und ein sehr konkretes Profil

Der Text nennt keine Quellen, ist nicht mit Vor- und Nachnamen gezeichnet und liefert keinen einzigen epidemiologischen Datenpunkt. Mehrere Leser sind sich einig, ihn einer Frau mit turbulenter Liebesgeschichte zuzuschreiben, mehr Kilometer auf dem Tacho als ein Taxi, die ihren eigenen Verschleiß auf andere projiziert. Es ist die alte Weisheit: Der Dieb glaubt, alle anderen stehlen auch.

Andere gehen weiter und vermuten hinter dem Text eine künstliche Intelligenz oder ein Lehrbuch-Pseudonym. Der Leitfaden erwähnt kein einziges Mal das Wort Einverständnis, weder psychische Gesundheit noch die tatsächlichen Auswirkungen der Störung auf die Betroffenen. Nur eine Liste von Verdächtigungen im Format einer roten Warnung.

Was die Erfahrung eines Frühstarters sagt, der kein Süchtiger ist

Ein Teilnehmer berichtet, er habe vor der Pubertät angefangen, aber ohne astronomische Abenteuer, ohne Geschlechtskrankheiten, ohne Unfälle oder Krankenhausbesuche. Sein Fall zerlegt das erste Kriterium des Leitfadens: Der frühe Beginn sagt nichts voraus. Was etwas voraussagt, wenn überhaupt, ist die Beeinträchtigung des Alltags.

Das Gespräch kippt in den Humor. Ein anderer fasst seinen Lebenslauf in einem einzigen Wort zusammen: vögeln. Die Anekdote zeigt, dass sens Besessenheit, wenn sie real ist, sich im Alltag bemerkbar macht, nicht in einer Liste von Anzeichen, die aus einem Blog kopiert wurde. Und dass das Etikett „süchtig“ mit einer Leichtigkeit vergeben wird, die bei keiner anderen Störung üblich ist.



Der Leitfaden verspricht, den Süchtigen ohne komplizierte Tests zu erkennen. Was er tatsächlich bietet, ist ein sarracena Porträt: der, der viel vögelt, der, der früh angefangen hat, der, der für Lust ausgibt. Keines dieser Anzeichen unterscheidet eine Störung von einem intensiven Sensual. Und während die Psychiatrie noch darüber streitet, ob Sens überhaupt eine eigenständige Entität ist, hat das Internet bereits seinen Selbsttest. Man muss nur Partner zählen und den Kontostand prüfen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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