Der Psychotest, den fast niemand nicht besteht, und die Debatte über Senioren am Steuer

Ein Unfall eines über 80-jährigen Fahrers ohne Drogentest entfacht die Debatte neu: Der Psychotest lässt niemanden durchfallen, und Substanzkontrollen sind selten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Psychotest, den fast niemand nicht besteht, und die Debatte über Senioren am Steuer
Der Psychotest, den fast niemand nicht besteht

Ein über 80-Jähriger verursacht einen Verkehrsunfall, und es wird kein Drogentest bei ihm gemacht. Der Grund, der in der Debatte kursiert, ist nicht technischer Natur: Würde er positiv ausfallen, wäre die Sache kein Unfall mehr, sondern ein gesellschaftliches Problem. Der Verdacht stützt sich nicht auf Daten, doch die Tatsache, die immer wieder auftaucht, ist eine andere. Niemand kennt jemanden, dem der Psychotest verweigert wurde. Und in einem Land, in dem die über 80-Jährigen bereits mehr als sechs Millionen Menschen stellen, wiegt dieser Satz schwerer als jede offizielle Statistik.

Was passiert ist und warum über Drogentests gesprochen wird

Der Fall, der das Thema aufwirft, ist ein Unfall, den ein über 80-jähriger Fahrer verursacht hat. Entscheidend ist nicht der Unfall selbst, sondern was danach nicht geschah: Es wurde kein Drogentest bei ihm durchgeführt. Die Erklärung, die sich wiederholt, lautet, ein positives Ergebnis würde ein unbequemes Thema aufwerfen, nämlich das der älteren Fahrer, die Medikamente oder Substanzen konsumieren und mit gültigem Zertifikat weiter am Steuer sitzen.

Manche behaupten, die Unterlassung sei eine Frage der Opportunität. Würde das positive Ergebnis öffentlich, wäre die Geschichte kein „Unfall“ mehr, sondern „fähigkeitsgeminderter Senior am Steuer“, mit einem politischen Problem im Hintergrund: Die über 65-Jährigen sind der disziplinierteste Wählerblock an der Urne. Sie zu verärgern ist nicht kostenlos. Dagegen spricht ein einfaches Argument: Es gibt keinen Beleg dafür, dass eine solche Anweisung existiert, und der Verwaltung ohne Beweis eine bewusste Unterlassung zuzuschreiben, ist vorerst eine Hypothese.

Der Psychotest, den man mit Bezahlen besteht

Der Kern der Sache ist nicht der Drogentest. Es ist die medizinisch-psychologische Untersuchung. Die Erfahrung, die am hartnäckigsten wiederholt wird, ist immer dieselbe: Es gibt keinen einzigen bekannten Fall des Durchfallens. Über 80-jährige Eltern in Hülle und Fülle, alle mit erneuertem Zertifikat. Der einzige erwähnte Fall einer Führerscheinabgabe ist der von Kindern, die ihn auf der Polizeiwache abgaben, weil der Vater nicht mehr fahrtüchtig war. Und den Psychotest hatte er bestanden. Wer zahlt, besteht, fasst die am häufigsten wiederholte Schlussfolgerung zusammen.

Das macht das System zu einem weiteren Verwaltungsakt statt zu einem Gesundheitsfilter. Die praktische Folge ist, dass die Entscheidung, das Fahren aufzugeben, bei der Familie oder beim Fahrer selbst liegt, nicht bei der medizinischen Untersuchung. Und dort hört die Sache auf, eine Anekdote zu sein, und wird zu einem Problem der Verkehrssicherheit ohne wirksamen Kontrollmechanismus.

Die Unfälle, die nicht als solche gezählt werden

Der zweite Strang des Themas ist die Statistik. Es wird argumentiert, dass Unfälle mit älteren Fahrern nicht mit derselben Genauigkeit aufgeschlüsselt oder veröffentlicht werden wie andere. Der Verdacht ist, dass der Mangel an Daten kein Zufall ist: Was nicht gemessen wird, existiert politisch nicht. Ohne spezifische statistische Reihe gibt es keinen Druck, die Vorschrift zu ändern.

Gleichzeitig taucht die umgekehrte Beschwerde auf, die der Berufskraftfahrer. Es wird argumentiert, dass ein Lkw- oder Busfahrer aus Sicherheitsgründen mit 60 in Rente geht, während ein Privatmann mit 90 noch fahren darf. Die Asymmetrie ist real, und das Argument hat Substanz: Wenn das Alter für einen Berufskraftfahrer ein objektiver Risikofaktor ist, leuchtet nicht ein, warum es für einen Privatfahrer keiner mehr sein soll. Die übliche Antwort ist, dass der Berufskraftfahrer acht Stunden am Tag fährt und der Privatmann eine halbe Stunde. Stimmt. Aber der Privatmann besteht keine echte medizinische Prüfung.

Der Drogentest, der niemandem gemacht wird

Die dritte Front sind die Kontrollen. Die Beschwerde ist nicht nur, dass sie bei Älteren nicht gemacht werden: Sie werden generell nicht gemacht. Es werden Fälle von Fahrern erwähnt, die positiv testen und weiterfahren, und von Sanktionierten, die das Recht selbst in die Hand nehmen. Das Gefühl der Straflosigkeit ist der gemeinsame Nenner aller Positionen, auch derer, die die Diagnose zu den Älteren nicht teilen.

Da ist der irritierende Punkt: Die Diskussion dreht sich nicht darum, ob über 80-Jährige gefährlich sind. Sie dreht sich darum, ob das Kontrollsystem existiert oder nur Kulisse ist. Ein Psychotest, der niemanden durchfallen lässt, ein Drogentest, der nicht durchgeführt wird, und eine Statistik, die nicht aufschlüsselt. Drei Teile, die zusammen einen Mechanismus der Verkehrssicherheit ergeben, der nur auf dem Papier funktioniert.



Die Frage ist nicht, ob man Älteren den Führerschein wegnehmen soll. Sie ist, ob die Untersuchung, die das erkennen sollte, etwas taugt. Mit den verfügbaren Daten ist die ehrliche Antwort, dass wir es nicht wissen. Und das ist in der Verkehrssicherheit schlimmer als ein Nein.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (103 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver