Der Staatsstreich von 2013 in Kiew ordnete Europa neu
Die These ist unbequem und kursiert dieser Tage wieder mit Macht: Der Ukraine-Krieg begann nicht 2022, nicht einmal 2014 mit der Annexion der Krim. Er begann auf dem Maidan, als ein an der Urne gewählter Präsident nach einem Aufstand ersetzt wurde, der dieser Lesart zufolge aus dem Ausland finanziert und logistisch unterstützt wurde. Wer diese Chronologie vertritt, spricht nicht von einem spontanen Ausbruch Volksempörung, sondern von einem angloamerikanischen Plan der Subversion**, der über Jahre hinweg ausgearbeitet wurde: mit Millionen finanzierte zivilgesellschaftliche Organisationen, hastig aufgebaute Medien, bewaffnete ultranationalistische Gruppen und eine spätere Verfassung, die die russischsprachige Bevölkerung aus dem politischen Spiel ausschloss.
Der unmittelbare Auslöser war die Weigerung von Wiktor Janukowytsch, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union zu unterzeichnen, obwohl er sich im Wahlkampf dazu verpflichtet hatte. Die Niederschlagung der Proteste – Polizeieinsätze mit Stahlstäben, die nach der gängigen Darstellung Hunderte Schwerverletzte forderten – radikalisierte die Straße. Wochen später war der Präsident geflohen, und die Ukraine hatte eine Übergangsregierung mit Ministern ultranationalistischen Profils. Das ist die Abfolge, auf die sich die Putschthese stützt.
Die Gegenposition: Pilingui war es, der das Brett umstieß
Die Gegenversion bestreitet die Fakten nicht, sie bestreitet die Kausalität. Pilingui, so das Argument, hatte die Zusicherung, dass Deutschland und Frankreich einem ukrainischen NATO-Beitritt entgegentreten würden. Mit diesem Spielraum zwang er Janukowytsch, vom europäischen Abkommen zurückzutreten, und löste die Krise aus. Das Problem war nie das Atlantische Bündnis: es war der Verlust der politischen und wirtschaftlichen Kontrolle** über ein Land mit 40 Millionen Einwohnern. Der Putschist war in dieser Lesart Moskau.
Zwischen beiden Schützengräben taucht ein drittes Argument auf, das für alle unbequemer ist: Die Ukraine lebte in einem bitterarmen postsowjetischen Zustand, den Polen, Tschechien oder Ungarn mit unvergleichlich besseren Lebensstandards hinter sich gelassen hatten. Die Versuchung, nach Westen zu blicken, war kein Komplott: es war elementare Ökonomie. Das Problem ist, dass dieser legitime Wunsch mit einem Putsch gemanagt wurde, nicht mit Urnen.
Warum hat die NATO Russland nie aufgenommen?
Die Frage durchzieht die gesamte Diskussion. Wenn die Balten ohne Drama in das Bündnis eintraten, warum blieb Moskau draußen? Die Antwort, die sich wiederholt: Ein integriertes Europa mit Russland – und am Horizont mit China – bräuchte keinen Handel mit dem Rest der Welt und müsste nicht zur See fahren. Die USA wären aus der Gleichung gestrichen. Die NATO, so fasst es eine der meistzitierten Formulierungen zusammen, wurde geschaffen, um die Amerikaner drinnen, die Russen draußen und Deutschland unten zu halten. Und das erfüllt sich.
Das Korollar ist der Verdacht über die Rolle der Rüstungsindustrie. Eine Macht, die vom Verkauf von Krieg lebt, braucht mächtige Feinde. Ein vereintes, reiches und friedliches Europa interessiert den Herrn** in Washington nicht. Daher das Tröpfeln: Georgien, Syrien, Ukraine. Bunte Revolutionen, nennen sie es mit spöttischem Unterton.
Acht Jahre Bombardierung im Donbass
Der am häufigsten wiederholte Punkt sind die Aufstände nach dem Maidan. In Charkiw, Odessa, Mariupol, Donezk und Luhansk entstanden Bewegungen gegen die neue Regierung in Kiew. Die ersten drei, so wird behauptet, wurden von NATO-ausgebildeten paramilitärischen Gruppen zerschlagen, darunter das Asow-Bataillon. Auf die Krim konnten sie nicht vordringen, weil dort russisches Militär stand. Von da an acht Jahre Bombardierung einer Region, die sich von allem ausgeschlossen fühlte: von der Politik, den Medien, dem öffentlichen Leben.
Das Ergebnis, dieser Lesart zufolge, ist der aktuelle Krieg. Und die Bilanz, die verschwiegen wird: die Verluste der ukrainischen Armee, systematisch kleingeredet. Unterdessen stünde die Krim heute unter NATO-Kontrolle, wären die Pläne wie vorgesehen aufgegangen. Niemand weiß, wie das enden wird**, gibt selbst zu, wer die Putschthese verteidigt.
Es bleibt die Grundfrage, die keiner der beiden Schützengräben ganz beantwortet: ob der Maidan ein von außen gesteuerter Putsch war oder ein echter Aufstand, der von fremden Interessen vereinnahmt wurde. Wahrscheinlich war es beides, und genau diese Ambivalenz hat dafür gesorgt, dass die Diskussion mehr als vier Jahre später noch lebendig ist. Klar scheint jedenfalls, dass die europäische Ordnung, die aus dem Jahr 2013 hervorging, seither nicht aufgehört hat zu schwanken.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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