Die 2%-Erhöhung für Beamte, die nicht im Geldbeutel ankommt
Ein Forennutzer erzählt von einem Grundschullehrer, der mit 60 Jahren mit vollem Gehalt in den Ruhestand ging, während seine Frau, ebenfalls Lehrerin, nächstes Jahr mit 59 folgt. Diese Szene kursiert als Beispiel für das, was ein Teil der Gesellschaft als letzte Bastion der Arbeitswelt der ersten Welt in Spanien ansieht: die feste Beamtenstelle (plaza pública). Um diese Stelle tobt eine hitzige Debatte darüber, ob sie ein geschütztes Privileg oder eine Kette ist, deren Riemen immer kürzer wird. Der unmittelbare Auslöser war die Gehaltserhöhung um 2% für öffentliche Bedienstete, die mit den Tagen vor der Zahlung des Weihnachtsgeldes zusammenfiel.
Die überwiegende Reaktion war keine Dankbarkeit, sondern Berechnung.
Warum entspricht eine 2%-Gehaltserhöhung nicht 2% mehr Netto?
Weil der IRPF (spanische Einkommensteuer) pogre ist und die Steuerstufen nicht deflactiert wurden. Der Sprung in eine höhere Steuerstufe frisst einen Teil der Erhöhung auf, sodass der Prozentsatz aus dem Abkommen nicht derjenige ist, der auf dem Konto landet. Auf dem Tisch liegen zwei unbequeme Referenzen: die seit Beginn der Preiskrise akkumulierte Inflation, die laut Berechnungen im Thread in Spanien bereits 20% erreicht hat und Energie sowie Lebensmittel seit 2020 um über 30% verteuert hat, sowie die vom INE zitierte Zahl von 3,6% in wenigen Monaten.
Auch die technische Korrektur kommt zur Sprache und ist notwendig: Ein höheres Brutto führt immer zu einem höheren Netto, da die neue Steuerstufe nur den Teil des Gehalts besteuert, der den Schwellenwert überschreitet. Was sinken kann, ist das Netto pro Stunde, wenn die Erhöhung durch mehr Arbeitsstunden zustande kommt. Die Distanz zwischen diesen beiden Lesarten — insgesamt mehr Geld, aber weniger pro Einheit Aufwand — erklärt einen großen Teil des Ärgers.
Im Forum wird die Idee so zusammengefasst: Das System ist darauf ausgelegt, dass Beamte und Rentner zahlen, und es wird nicht kollabieren. Die Ergänzung lautet: Wenn es doch kollabiert, werden es die Angestellten der Privatwirtschaft zuerst spüren.
45% der öffentlichen Bediensteten konsumieren täglich Psychopharmaka
Diese Daten stammen von der Gewerkschaft CSIF und sind zum meistzitierten Punkt der gesamten Kontroverse geworden: 45% der öffentlichen Bediensteten nehmen täglich Anxiolytika, Antidepressiva oder Schlafmittel. Im Einzelnen nutzen 66% der Befragten Anxiolytika, 43,6% Antidepressiva und 32,1% Schlafmittel. 76% geben an, dass die Arbeit diesen Konsum beeinflusst. Nach Häufigkeit nehmen 51% sie täglich, 13% mehrmals pro Woche und 21% einmal im Monat ein.
Es gibt auch Gegenargumente: Die Stichprobe ist stark weiblich geprägt, die Gruppe umfasst Ärzte und Pflegekräfte mit Zugang und Wissen über Medikamente, und Frauen konsumieren in jeder Berufsgruppe mehr Psychopharmaka. Mit diesen Voraussetzungen ist die Zuschreibung des Konsums allein auf den Status als öffentlicher Bediensteter ein Schluss, den die Umfrage nicht stützt.
Renten, Schulden und die Wette auf 2030
Die Nachhaltigkeit wird angesichts der Bevölkerungsstruktur diskutiert. In den nächsten 10 bis 15 Jahren geht eine enorme Zahl von Arbeitnehmern in den Ruhestand, während wenige Aktive übrig bleiben, um sie zu finanzieren, oft bei niedrigen Löhnen und mit hochqualifizierten Kräften, die ins Ausland abwandern. Einige argumentieren, dass Europa bereits signalisiert habe, dass die Renten so wie sie sind, nicht tragfähig seien. Laut den im Thread zitierten Berechnungen verschuldet sich die Sozialversicherung (Seguridad Social) jedes Jahr um Milliarden, hat ihre Schulden seit 2020 verdoppelt und schleppt 120.000 Millionen Euro mit sich.
Daraus ergeben sich zwei Szenarien: drastische Kürzungen oder ebenso drastische Steuererhöhungen. Und ein Datum, das als Wette für den Kollaps kursiert: 2030, begleitet vom aktuellen Motto: Du wirst nichts haben und glücklich sein.
Kann man in Europa einen Beamten entlassen?
Griechenland genehmigte Entlassungen von Beamten auf Druck der Troika. Italien ersetzte die Ernennungsurkunde durch Tarifverträge und sieht die einseitige Kündigung durch den Arbeitgeber vor. Frankreich hat die Debatte über die Zulässigkeit von Entlassungen wieder eröffnet. Die spanische Festanstellung erscheint damit als einer der letzten Schutzschilde des Kontinents, mit dem Nuance, dass Stabilität und Starrheit nicht dasselbe sind: Auch anderswo existiert erstere.
Die Festanstellung als Fessel und Rekrutierungsliste
Laut der These, die den Unmut prägt, ist die Festanstellung nicht kostenlos: Die meisten Stelleninhaber hätten keine Ersparnisse, um Monate unter dem Radar zu leben, lebten von Hand in den Mund, mit Hypotheken und Kreditkarten, und genau diese vermeintliche Sicherheit fessle sie. Dieselbe These besagt, dass diese Abhängigkeit den öffentlichen Bediensteten zur am leichtesten mobilisierbaren Masse mache, wenn Menschen gebraucht würden: Es würde genügen, ein Dekret zu erlassen, das zwanzig Tage unentschuldigte Abwesenheit mit Suspendierung von Dienst und Gehalt verknüpft.
Auswandern oder Bleiben: Die zwei verteidigten Wege
„Spanien ist ein System, das von und für Beamte und Rentner designed wurde. So ist es. Es wird nicht kollabieren“, fasst eine häufige Haltung unter denen zusammen, die bereits gepackt haben. Manche behaupten zudem, dass die vereinbarte Erhöhung den kumulierten Verlust nicht ausgleiche und dass der einzige rationale Zug sei, das Land zu verlassen.
Der andere Weg wird weniger episch verteidigt. Es ist der Weg desjenigen, der die Festanstellung nach Jahren von Schichten, Nächten, Wochenenden und Dienstreisen bekam und nun ohne Sorgen bezahlt wird. In der öffentlichen Verwaltung, sagen sie, lägen die Gehälter und Bedingungen der ersten Welt. Es gibt auch solche, die in die Privatwirtschaft außerhalb Spaniens wechselten, an eine Universität mit guten Konditionen, und dies eher als persönliche Entscheidung denn als Kreuzzug betrachten.
Mit 45% der Belegschaft, die laut CSIF angibt, täglich Psychopharmaka zu konsumieren, und einem Verfallsdatum, das jeder dort platziert, wo es ihm passt, lautet die Frage nicht mehr, ob das System hält. Sie lautet, wie lange die Menschen halten, die es tragen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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