Debatte über die Krim und den Zugang zum Schwarzen Meer

Die Debatte untersucht, ob die EU verhindern kann, dass Russland die Krim behält, und welche strategischen Interessen im Schwarzen Meer auf dem Spiel stehen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Debatte über die Krim und den Zugang zum Schwarzen Meer
Debatte über die Krim und den Zugang zum Schwarzen Meer

Es stellt sich immer wieder die Frage, sobald die Landkarte des Schwarzen Meeres neu betrachtet wird: Warum sollte Europa zulassen, dass Russland die Krim behält? Die Ausgangslage ist ebenso einfach wie unbequem: Wenn die Europäische Union dies verhindern kann, so die Argumentation, gäbe es keinen Grund, der Halbinsel Russland zu überlassen. Dabei geht es nicht um Sentimentalität, sondern um wirtschaftliche und strategische Belange: Die Krim bietet Zugang zum gesamten Schwarzen Meer sowie zum Asowschen Meer. Für ein Europa, das geopolitisch relevant bleiben will, ist diese Position auf der Landkarte wertvoller als jede Geste der Versöhnung gegenüber Moskau.

Die Diskussion beginnt mit dieser These und verzweigt sich schnell. Ein Teilnehmer vertritt die Ansicht, dass Europa das Territorium zurückfordern müsse, das ihm zusteht – bis zum Ural, zum Kaspischen Meer, nach Anatolien und in den Kaukasus. Andere entgegnen skeptisch: Wenn Europa und die NATO nicht direkt involviert sind, kämpft Russland nicht gegen das gesamte Bündnis. Die erste Gruppe beharrt darauf, dass es ausreicht, die Sanktionen aufrechtzuerhalten und militärisches Material zu liefern, das ohnehin entsorgt werden sollte. Damit ließe sich die Krim in russischer Hand halten verhindern. Die zentrale Frage bleibt jedoch: Warum sollte man Russland die Krim überlassen, wenn man es verhindern kann?

Was Europa ist und wer über die Krim entscheidet

Der erste Dissens zeigt sich bereits bei der Definition des Akteurs. Was ist Europa? Die EU? Ein Teil der Analyse erinnert daran, dass die EU nicht befugt ist, Souveränitäten zu gewähren oder zu verweigern, da sie lediglich das Ergebnis internationaler Verträge ist. Diese Nuance entkräftet die ursprüngliche Argumentation: Wenn Brüssel nicht die Kompetenz hat, Souveränitäten anzuerkennen oder zu verneinen, verliert die Frage nach der Erlaubnis ihre Bedeutung. Eine andere Strömung behauptet, dass mit „Europa“ die EU gemeint ist und dass in den tatsächlichen Verhandlungen die USA mit Russland verhandeln werden. In diesem Szenario bliebe der EU nur, den Wiederaufbau mit nordamerikanischen Unternehmen zu finanzieren, während sie von Russland über Jahrzehnte boykottiert wird. Die Prognose ist düster: Wer heute vierzig ist, wird den Wohlstand der letzten sechzig Jahre nicht mehr erleben, da sich das Zentrum nach Asien verlagert.

Russlands Verträge und das Argument der Souveränität

Der juristische Kern der Angelegenheit wird anhand von Namen und Daten diskutiert. Es wird daran erinnert, dass die Entscheidung, die Krim der Ukraine zuzusprechen, in den 1950er Jahren durch das Sowjetische Oberste Sowjet erfolgte und dass Russland die ukrainische Souveränität über die Halbinsel 1991 anerkannte und 1994 im Memorandum von Budapest bekräftigte. Auf dieser Basis wird argumentiert, dass Moskau bis 2014 diesen Rahmen akzeptiert hatte. Die Gegenseite entgegnet, dass die Abkommen über die Nicht-Erweiterung der NATO mit der UdSSR unter Gorbatschow geschlossen wurden – einem Staat, der nicht mehr existiert, weshalb sie keine Gültigkeit mehr hätten. Zudem wird eine Liste von Verpflichtungen angeführt, die Russland laut dieser Lesart seit 1991 verletzt habe: Belawescha, Budapest, Minsk I und II, die UN-Charta, die Genfer Konventionen, der Nichtverbreitungsvertrag für Kernwaffen, das Römische Statut und Umweltprotokolle. Die Diskussion spitzt sich zu, als eingeräumt wird, dass die Russen die Minsk-Abkommen durch den Kriegsbeginn selbst annulliert haben und dass in diesen Abkommen die Situation der Krim gar nicht behandelt wurde.

Sanktionen, Bewaffnung und Kostenkalkulation

Der vorgeschlagene Weg, das Ergebnis zu beeinflussen, ist keine Landung, sondern wirtschaftlicher Druck und die Lieferung von Material. Es wird behauptet, dass die EU über mehr als 200.000 Millionen Euro an eingefrorenen russischen Staatsgeldern sowie große Waffenreserven verfügt, was ausreichen würde, um die russischen Streitkräfte in der Ukraine zu zerschlagen, ohne einen einzigen eigenen Soldaten zu riskieren. Das skizzierte Szenario sieht vor, Russland zur Zahlung von Kriegskompensationen zu zwingen und den Status von Gebieten wie Karelien zu überprüfen. Demgegenüber steht ein doppelter Einwand: Erstens, dass wir nicht mehr im Jahr 1820 leben und ein Land nicht die Grenzen eines anderen ändern kann. Zweitens, dass Russland den Krieg nicht verlieren wird. Andere weisen darauf hin, dass der Wiederaufbau mit chinesischen Unternehmen erfolgen wird und das beste Ergebnis für Europa darin bestünde, keine Entschädigungen zahlen zu müssen.

Das Balkan-Präzedenzfall und das selektive Gedächtnis

Um die Kohärenz der Prinzipien zu prüfen, wird auf die jüngere Geschichte zurückgegriffen. Es wird erinnert, dass es keine vergleichbaren Proteste gab, als die USA in Serbien etwas Ähnliches taten wie Russland in der Ukraine, und dass Länder wie Spanien, das Vereinigte Königreich, Italien und Deutschland an den Bombardierungen beteiligt waren. Damals beschränkte sich Russland auf Proteste unter der Führung von Boris Jelzin in einem Land auf dem Tiefpunkt. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist, dass heute Russland der Aggressor ist und die Folgen für die EU weitaus schlimmer sein werden als 1997. Die Gegenseite entgegnet, dass das Zeitalter der Militärschläge vorbei sei und Grenzen nicht mit Gewalt geändert werden können, wobei jedoch daran erinnert wird, dass Jugoslawien das Gegenteil bewiesen hat.

Was eine Ukraine in der EU bedeuten würde

Der skizzierte Horizont ist eine Ukraine mit ihren Grenzen von 1991 innerhalb der Europäischen Union, als größtes Land des Kontinents, mit einem starken Osteuropa als Garant für Frieden und Stabilität. Die beschriebene militärische Sequenz sieht vor, die Landbrücke zu kappen und die Brücke zur Krim zu sprengen, wodurch Hunderttausende Zivilisten und Militärs isoliert würden. Ein Einwand ist, dass China die Krim nicht als russisch anerkennt und dass die von Russland unterzeichneten Abkommen kaum eingehalten wurden. Das vorläufige Ende der Debatte bleibt eine unbeantwortete Frage: Warum will Russland die Krim, wenn es bereits mehr Territorium besitzt als die gesamte EU zusammen? Und eine überraschende Tatsache: Es gibt Stimmen, die behaupten, dass es für Europa vorteilhafter wäre, die Krim auf der Landkarte zu haben, als für Ungarn, ein Land ohne Meereszugang.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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