Nazi- und Vatikan-Propaganda prägte das Narrativ zum Holodomor

Diplomatische Archive des Foreign Office und des Quai d'Orsay legen nahe, dass das Holodomor-Narrativ auf Propaganda von 1933 basiert und nicht auf direkten Beobachtungen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nazi- und Vatikan-Propaganda prägte das Narrativ zum Holodomor
Der Holodomor: Die Kampagne, die eine Hungersnot zur Waffe machte

Im August 1933 veröffentlichte die Zeitung der Nationalsozialistischen Partei auf der Titelseite eine Serie von Fotografien hungernder Männer unter der Überschrift „Russen zu Skeletten reduziert“. Laut damaligen diplomatischen Dokumenten entsprachen diese Bilder in Wirklichkeit der Hungersnot von 1922. Dies ist der Ausgangspunkt einer These, die die Debatte durchläuft: Dass ein großer Teil des Narrativs über den ukrainischen Holodomor von 1932–1933 als Propagandakampagne konstruiert wurde und nicht als Aufzeichnung eines isolierten Ereignisses, und dass sein dokumentarischer Ursprung in deutschen und vatikanischen Nachrichtendiensten liegt, nicht in der direkten Beobachtung vor Ort.

Was die diplomatischen Archive von 1933 aussagen

Die Veröffentlichung der britischen Foreign Office-Unterlagen, des Ponsonby-Moore-Crosthwaite-Memorandums von 1933 über die Geschichte der Ukraine und ihre Beziehungen zu Polen und Russland sowie der Dokumente des französischen Quai d'Orsay stützt eine unbequeme These: dass die Hungersnot als geopolitisches Druckmittel eingesetzt wurde. Das deutsche strategische Ziel war laut diesen Dokumenten, das französisch-sowjetische Bündnis zu verhindern, das Herriot seit seinem Amtsantritt als französischer Regierungschef in der zweiten Hälfte des Jahres 1932 propagierte.

Der französische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Charles-Roux, sandte ein vertrauliches Telegramm an den Kardinalerzbischof von Wien, Theodor Innitzer, und bat ihn um Erklärungen zu seinem Aufruf zur „öffentlichen Wohltätigkeit“ zur Hilfe für die Opfer der Hungersnot in der Ukraine und im Kaukasus, wie in der Zeitung La Croix\" vom 22. August 1932 berichtet wurde. Die Organisation dieser Kampagne oblag dem französischen Jesuiten Monsignore de Herbigny. Das Vatikan bestritt seine Beteiligung, doch Charles-Roux hielt die Antwort für „unplausibel“: Innitzer hatte sich zumindest mit dem Heiligen Stuhl abgestimmt, bevor er Aussagen über die Ursachen und das Ausmaß der Hungersnot machte.

Das Konkordat vom Juli 1933 und die Aufteilung der Ukraine

Die Machenschaften hatten laut den zitierten Dokumenten ihren Ursprung in der Unterzeichnung des Konkordats zwischen Hitler und dem Vatikan im Juli 1933. Der Text sah unter anderem geheime Klauseln über die Besetzung und gemeinsame Aufteilung der Ukraine vor. Der Plan wurde vom Kardinalerzbischof von Wien entworfen, der auch die Liquidation und Annexion der Tschechoslowakei anstrebte, um die Deutschen im Sudetenland zu schützen.

Die Kampagne wurde an mehreren Fronten展開. Der Völkische Beobachter veröffentlichte am 18. August 1933 seine Fotoserie mit recycelten Bildern aus dem Jahr 1922. Es kursierten Broschüren wie „Die Ukraine unter dem Joch Moskaus“, herausgegeben von der Russischen Industriellen und Handels-Finanzvereinigung, mit Passagen wie „die Menschen fressen die Menschen“, und die ukrainisch-griechisch-katholische Bischofskirche richtete einen Brief an alle guten Menschen, um gegen die Ausrottung der Kleinen und Unschuldigen zu protesten. Die deutsche Presse, von der Vossischen Zeitung bis zur Deutschen Allgemeinen Zeitung, sprach von Produktionskrisen, Versorgungsengpässen und angeblichen chronischen Aufständen im Kuban.

Der Gegenpol: Berichte, die nicht zum Narrativ passen

Gegen diese Offensive halten die Dokumente Zeugenaussagen fest, die eine komplexere Realität beschreiben. Der schwedischstämmige amerikanische Ingenieur Henning Rowsing erklärte auf seiner Rückreise in die USA über Skandinavien, dass es in der UdSSR zwar an allem mangelte, fügte aber hinzu, dass „die Schulen sich vervielfacht haben“, dass es in der jungen Generation kaum noch Analphabeten gebe, dass Theater und Freizeitstätten stets voll seien und dass zahlreiche öffentliche Bäder eröffnet worden seien.

Der Brief Nr. 267 von Charles Alphand, Botschafter in Moskau, an Paul-Boncour, den französischen Präsidenten des Ministerrats, datiert auf den 13. September 1933, hält seine sechstägige Reise durch die Ukraine und den Nordkaukasus fest. Alphand ist fasziniert vom Dnjeprostrai, dem Wasserkraftwerk am Dnepr. Einige behaupten, diese Berichte beweisen, dass die Hungersnot existierte, aber instrumentalisiert wurde; dagegen spricht das Argument, dass ein offiziell von der sowjetischen Regierung eingeladener Diplomat kaum eine Katastrophe zertifizieren würde.

Der Kampf der Zahlen: Volkszählungen gegen Erzählungen

Auf dem Gebiet der Demografie wird die Debatte am erbittertsten. Die in der Diskussion angeführten sowjetischen Volkszählungen zeichnen das Bild eines wachsenden Landes, nicht eines ausblutenden. 1926 betrug die Bevölkerung der UdSSR 147 Millionen Einwohner; 1939 waren es 171 Millionen. Die Volkszählung von 1937, die von den Behörden für ungültig erklärt wurde, ergab 162 Millionen – eine Zahl, die nicht mit der von 1939 übereinstimmt.

Nach Republiken betrachtet, hatte die RSFSR 1926 101 Millionen und die Ukraine 29 Millionen Einwohner; 1939 war die RSFSR auf 109 Millionen und die Ukraine auf 31 Millionen gestiegen. Belarus stieg von 5 auf 5,6 Millionen. Die Frage, die über diesen Zahlen schwebt, ist elementar: Wenn die Ukraine durch eine geplante Hungersnot Millionen von Menschen verlor, woher kommen dann die zwei Millionen mehr, die dreizehn Jahre später auftauchen? Die vollständige Berechnung mit der Aufschlüsselung nach Republiken ergibt ein Bild, das nicht mit den Zahlen übereinstimmt, die in verschiedenen Foren wiederholt werden.

Der Vergleich mit Spanien, den niemand zieht

Das am häufigsten wiederholte Argument in der Diskussion ist das der Größenordnung. Der Spanische Bürgerkrieg und die Nachkriegszeit hinterließen jahrelange dokumentierte Hungersnot, mit Episoden wie in Las Hurdes (Extremadura) vor dem Konflikt und einer schrecklichen Nachkriegszeit, zusätzlich zu Hinrichtungen auf beiden Seiten. Und doch wird behauptet, dass aus diesen Toten kein Opfer-Epos von Dutzenden Millionen konstruiert wurde.

Die irische Kartoffelpest, die viele irische Einwanderer in die USA brachte, forderte etwa ein halbes Million Menschenleben. Jedes Mal, wenn der Holodomor angerufen wird, steige die Zahl, so sagen einige Stimmen. So viele Millionen werden ihm zugeschrieben, dass in der Ukraine niemand mehr übrig geblieben sein müsste, um das Feld zu bestellen, geschweige denn, um der deutschen Invasion die Stirn zu bieten. Die Rechnung geht schlichtweg nicht auf.



Der Punkt, an dem die Analyse stockt, ist immer derselbe: Die Hungersnot existierte, die Opfer existierten, und gleichzeitig ist die Kampagne, die dieses Leiden zu einer geopolitischen Waffe machte, mit Namen, Daten und Telegrammen dokumentiert. Beides kann wahr sein. Was nicht passt, ist die Nutzung des zweiten, um den ersten zu vertuschen, oder die des ersten, um den zweiten zu rechtfertigen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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