Abendbrot: Das deutsche kalte Abendessen vom Brett
Eine Suppenschüssel mit einer darin schwimmenden Wurst. Das war das Erste, was einem Spanier in einem deutschen Krankenhaus serviert wurde, nachdem er tagelang nur Infusionen erhalten hatte und vor Hunger litt. Diese Szene fasst den Kern einer Diskussion zusammen, die nun schon seit 879 Tagen andauert: Was wird in Deutschland zu Abend gegessen, und warum weckt diese Gewohnheit so viel Misstrauen südlich der Alpen? Die kurze Antwort lautet Abendbrot, wörtlich „Abendbrot“: eine Platte mit Wurst, Käse, Butter, Essiggemüse und Scheiben von Vollkornbrot. Kein Feuer. Kein Löffel.
Die Diskussion beginnt mit einer ehrgeizigeren These: Je schneller sich ein Land industrialisierte, desto schneller verlor es seine traditionelle Gastronomie, wobei Frankreich als Ausnahme gilt, da es aus politischen Gründen einen starken Agrarsektor bewahrt hat. Das oft genannte Beispiel ist das britische, doch der Fokus liegt letztlich auf Deutschland. Und dort wird die Diagnose hart: man isst mäßig bis schlecht.
Was genau ist das Abendbrot und warum wird so gegessen
Das Format ist immer das gleiche: Brot, Aufschnitt, Wurst, Käse, Essiggemüse, Marmelade für ein süßes Toast und, im besten Fall, gesalzener Fisch mit Zwiebeln und Tomaten. Alles kalt, direkt aus dem Glas oder der Packung. Manche beschreiben es ungeschönt als Anti-Küche: nicht einmal ein Salat mit Tomaten, nur die Brotbasis mit Belag.
Die gewichtigste Erklärung in der Debatte ist nicht der Geschmack, sondern die Uhrzeit. Es wird so gegessen, um nicht mit vollem Magen schlafen zu gehen, schwere Verdauung zu vermeiden und um um fünf Uhr morgens aufstehen zu können. Dahinter steht ein Arbeitsmodell: In Deutschland gibt es eine viel stärkere Tradition berufstätiger Frauen, während in Spanien bis vor nicht allzu langer Zeit Hausfrauen dominierten, die die erste, zweite und dritte Gänge bereitstellten. Das warme spanische Abendessen ist teilweise ein Nebenprodukt einer häuslichen Struktur, die es dort nicht in gleicher Weise gab.
Das deutsche Brot, das viele Spanier nicht richtig lesen können
Die technisch fundierteste Verteidigung des deutschen Repertoires kommt vom Brot. Das Vollkornbrot erfordert verschiedene Mehlsorten — Roggen und Weizen —, ganze und gebrochene Körner sowie echten Sauerteig, nicht das Marketing, das in Spanien unter diesem Etikett verkauft wird. Der Prozess ist mühsam: Herstellung des Sauerteigs, langsame Fermentation und ein Backvorgang, der keine Fehler verzeiht. Die Befürworter behaupten, dass dieses Brot vielen industriellen Broten, wie sie hier konsumiert werden, weit überlegen ist.
Das Problem liegt in den Erwartungen. In Spanien liest man Kroketten und denkt an Kroketten; dann kommt der Teller und es ist lediglich paniertes und frittiertes Salzkartoffel. Die Enttäuschung sei, so heißt es, groß. Dasselbe gilt für das Schnitzel, das nichts anderes ist als ein paniertes Filet, wie man es zu Hause macht. Und die Currywurst, zerschnittene Wurst mit Ketchup und Curry, wird als Nationalstolz präsentiert, ohne dass jemand so recht versteht, warum.
Geografie spielt eine Rolle: Nicht ganz Deutschland isst gleich
Die regionale Nuance ist diejeneste, die die meisten Diskussionen auslöst. Wer im Norden gelebt hat, behauptet, dass man dort fast so schlecht isst wie im Vereinigten Königreich. Wer in Stuttgart oder Bayern gelebt hat, versichert, dass man im Süden gerne gut isst. Und es erscheint ein Fakt, der überrascht: Eine der als kulinarisch beste Regionen Frankreichs gilt als die Elsass, das historisch gesehen eine deutsche Region ist.
Der Vergleich mit Italien lässt Deutschland am schlechtesten dastehen. Norditalien industrialisierte sich in einem ähnlichen Tempo und übertrifft Deutschland, dem allgemeinen Konsens nach, gastronomisch bei Weitem. Der Unterschied liegt nicht im industriellen Timing, sondern in der Kultur: In Frankreich und Italien war es üblich, dass Großmütter Bräuten Kochbücher schenkten, und in Italien kursierte ein 250-seitiges Kochbuch, das bei der Hochzeit überreicht wurde. In Deutschland scheint das Essen eher eine lästige Pflicht zu sein.
Der Gegenangriff: Weniger Übergewicht und besseres Brot als in Spanien
Es ist nicht alles eine Abrechnung. Es gibt Leute, die behaupten, dass die deutsche Küche köstliche Dinge hat und eine der am stärksten internationalisierten ist — auch wenn dies in vielen Fällen durch deutsche Auswanderer in den USA geschah, mit Frankfurtern und Hamburgern. Und es gibt jene, die ohne Umschweife verteidigen, dass das Essen in Frankreich exzellent ist, besser als in Spanien, mit besserem Brot, Gebäck, Marmeladen und Milchprodukten, auch wenn spanische Käsesorten die französischen durchaus übertreffen.
Das unangenehmste Argument für das mediterrane Narrativ ist das der Waage: In Deutschland gibt es sehr wenige Übergewichtige, während in Spanien sogar Kinder durch Mehlprodukte übergewichtig sind. So viel mediterrane Ernährung, nur um am Ende Mehl, Hülsenfrüchte und Frittiertes in tausendfach recyceltem Öl zu essen. Der Gegenangriff hat seine eigene Falle: Der Durchschnittsrusse, so wird angemerkt, ernährt sich von Mehl, Kartoffeln und billigen Kohlenhydraten und sieht kaum rotes Fleisch.
Käse, Wurst und der Höhepunkt der Kontroverse
Das Feld, auf dem Deutschland nicht gewinnt, ist der Käse. Deutsche Blauschimmelkäse tauchen in der Diskussion nicht auf; die, die fast wöchentlich gekauft werden, sind der britische Stilton, Roquefort, Gorgonzola oder Danablu. Und das am häufigsten wiederholte Urteil setzt Cabrales als den besten Blauschimmelkäse der Welt über sie alle. Spanische Käsesorten werden im Allgemeinen als die besten der Welt angesehen.
Die deutschen Wurstwaren schneiden hingegen gut ab, wenn auch in einer unterlegenen Position gegenüber den Italienern. Und geräucherter Fisch sowie britische Blauschimmelkäse überraschen positiv, mit einem Cheddar, der als fantastisch beschrieben wird. Die deutsche Küche, zusammen mit der englischen und praktisch ganz Europa außer Italien und Griechenland, wird von einem Teil der Beteiligten als minderwertig dargestellt.
Das Detail, das verwirrt: Heizung und Kälte
Das Gespräch driftet zu einem unerwarteten Thema ab. In Wohnblocks des sowjetischen Einflussbereichs ist die Heizung zentral und zum Pauschalpreis vorhanden, und die Durchschnittstemperatur einer Wohnung sinkt selten unter 25 Grad. Deshalb, so erzählen sie, laufen die Frauen dort fast in Hauskleidung herum und öffnen die Fenster, wenn ihnen warm ist. In Deutschland hingegen wird die Heizung nur sehr sparsam genutzt, selbst während der Kennenlernphase.
Der Abschluss wird durch die Haushaltsökonomie gegeben. Ein Topf Kichererbsen kostet etwa sechs Euro, reicht für vier Personen, und wenn man dem Sud eine Handvoll Nudeln hinzufügt, gibt es genug Suppe für weitere vier Personen zum Abendessen. Es ist billiger als Sandwiches, und man geht mit einem warmen Bauch ins Bett. Die Frage, die bleibt, ist nicht, ob das Abendbrot besser oder schlechter ist, sondern warum eine Kultur, die in der Lage ist, Präzisionsmotoren zu bauen, beschlossen hat, dass das Anzünden eines Feuers um neun Uhr abends ein unnötiger Luxus sei.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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