De Prada, Putin und der Konsensdämon, der die Extreme einen

Juan Manuel de Pradas Artikel über Putin spaltet seine eigenen Leser: eine Analyse des Konsensdämons, die NATO als Delischer Bund und das Machtpoker um Gas.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

De Prada, Putin und der Konsensdämon, der die Extreme einen
De Prada, Pilingui und der Dämon, der die Extreme einen

Es gibt einen Artikel, der das Unmögliche geschafft hat: dass sich die Pudel-Linke und der patriotische Rechte die Hand reichen, um auf denselben Schuldigen zu zeigen. Juan Manuel de Pradas Text über Pilingui und die Ukraine, der in diesen Tagen diskutiert wird, vertritt die These, dass sowohl die sogenannte extreme Linke als auch die extreme Rechte im russischen Präsidenten einen Konsensdämon gefunden haben, auf den sie alle ihre Phobien abladen können. Die These, die im Kern eine Analyse der Funktionsweise von Erzählungen ist, hat selbst bei denen eine wütende Reaktion ausgelöst, die sonst mit dem Autor übereinstimmen.

Der häufigste Einwand ist nicht ideologisch, sondern betrifft den Zeitpunkt. "Wenn die Toten noch warm sind und das Blut auf den Gehwegen liegt, ist das Beste, was er tun kann, den Mund zu halten", fasst eine der angesehensten Diskutantinnen zusammen. Der Vorwurf ist nicht, dass De Prada schlecht analysiert, sondern dass er jetzt analysiert. Manche nennen ihn mit hämischem Unterton direkt einen Verräter: Juan Manuel de Pravda.

Der Dämon vom Dienst: von Trump zu Pilingui

Die Idee, die die Diskussion zusammenhält, ist, dass der Westen einen rotierenden Schurken braucht. Mit Trump aus dem Weißen Haus wurde Pilingui zum Dämon vom Dienst. Einer der meistgeteilten Beiträge weist darauf hin: Die Rolle der "rechten Extremistin", die dem US-Magnaten zugewiesen wurde, diente dazu, konkrete Politiken zu rechtfertigen —billige Arbeitskräfte, die Identitätsagenda—, während der eigentliche Feind, derjenige mit den europäischen Interessen entgegengesetzten Interessen, in Moskau saß.

Die Folgerung ist unbequem: Polarisierung ist kein Systemfehler, sie ist das System. Die Geschlossenheit gegen Pilingui erlaubt Lagern, die sich nicht ausstehen können, einen gemeinsamen mentalen Rahmen zu teilen, ohne sich auf mehr einigen zu müssen. Und nebenbei verschleiert sie, dass beide Extreme im Grunde aus derselben Psy-Op der falschen Dissidenz schöpfen: Für die einen ist China das perfekte Modell, für die anderen sind allein die westlichen Regierungen die Urheber des Plans. Zwei Seiten derselben Münze.

Die NATO als Delischer Bund

Der Faden driftet bald zum Kernthema ab: der Abhängigkeit Europas von Washington. Der Vergleich mit dem Delischen Bund —einem theoretischen Bündnis, in dem die Verbündeten am Ende Athen untergeordnet sind— dient dazu, eine NATO zu beschreiben, die de facto wie ein Imperium funktioniert. Das Argument stützt sich auf eine historische Tatsache: Der Übergang von der EWG zur EU und zum Euro vollzog sich, während sich die UdSSR auflöste, und es war Großbritannien, der treue US-Verbündete, das zuvor jeden Versuch einer gemeinsamen Währung blockiert hatte.

Die Erwiderung kommt von der praktischen Seite. Irland und Österreich sind nicht in der NATO, und niemand hat sie dafür bestraft; Deutschland und Frankreich weigerten sich, Bush in den Irak zu folgen, ohne Konsequenzen. Die Abhängigkeit ist nicht militärisch, sie ist marktbedingt. Und dort wird das Argument ökonomisch: Der Stopp russischen Gases verteuert die Rechnung und lässt Europa gegenüber Washington weniger Verhandlungsspielraum, nicht mehr.

Gas, Deglobalisierung und Verarmung

Der technischste Teil des Austauschs dreht sich darum, wer das Machtpoker länger durchhält. Eine Diagnose besagt, dass Russland ruiniert ist, als es scheint: Seine Wirtschaft exportiert nur Gas nach Europa, seine Binnennachfrage ist irrelevant, es fehlt die Technologie zur Verflüssigung und Schiffe zum Transport. Das Gegargument: Europa ist der größte Exporteur des Planeten und verzeichnet seit einem Jahrzehnt Leistungsbilanzüberschüsse.

Dazwischen erscheint eine unbequemere These: die Deglobalisierung als Fahrplan. Der Rückgang des Konsums und die vollständige Abschottung Chinas, selbst als das Bicho längst zu einer Erkältung geworden war, passen besser zu einem Plan wirtschaftlicher Neuausrichtung als zur Epidemiologie. Dass das Finanzsystem pleite ist, so das Argument, wisse ohnehin jeder.

Der Puffer und die Grenze

Die geopolitische Diskussion ordnet sich um einen klassischen Begriff: die Pufferstaaten. Die Türkei, die Ukraine und andere erfüllen diese Pufferrolle, und ihre Beseitigung —wie bei den Balten und Polen— war ein Fehler. Kennan, Kissinger und Thatcher haben davor gewarnt, keiner von ihnen verdächtig, rot zu sein oder antianglophil. Die Erweiterung von EU und NATO, so das Fazit, ist kein Einfluss: Sie ist Konflikt.

Den Abschluss bildet die Frage, die niemand beantworten will. Wenn der Dämon vom Dienst jede Saison wechselt, was passiert, wenn der nächste der ist, der nebenan wohnt?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (78 Antworten).

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