DCA im MSCI World: Aus 20.000 € werden 29.000 €
Vier Jahre Kauf auf Höchstständen ergaben eine Rendite von 44,60 %. Das Experiment begann am 3. Januar 2022, dem ersten Handelstag des Jahres, als der MSCI World seinen historischen Höchststand erreichte. 1.000 € pro Quartal, ohne Währungsabsicherung, ohne Anleihen, ohne Rebalancing. Am 2. November 2026 betrugen die Gesamtinvestitionen 20.000 €, und die angesammelten Anteile waren 28.920,54 € wert. Die annualisierte Rendite liegt bei **14,28 %**. Der Anleger wählte den Zeitpunkt nicht; er erwischte das Worst-Case-Szenario. Trotzdem schlägt das Ergebnis jede Spareinlage.
Die Mechanik ist so simpel, dass sie fast peinlich wirkt: 1.000 € jedes Quartal, basierend auf dem ersten Kurs vom Januar, April, Juli und Oktober. Der Fonds ist der Vanguard Global Stock Index Fund EUR Acc (IE00B03HD191), ein reiner Indextracker auf den USD-basierten MSCI World, ungesichert. Kein aktives Management, kein Raten des Markttiefs. Die Einzahlungstabelle zeigt den Mechanismus präzise: Im Juli 2022, inmitten globaler Turbulenzen, kauften 1.000 € 29,0260 Anteile zu 34,452 €. Im Oktober 2026, bei Rekordmärkten, kauften dieselben 1.000 € nur 15,5390 Anteile zu 64,354 €. Fast halb so viele Anteile für das gleiche Geld.
DCA kauft teuer und gewinnt trotzdem
Der Durchschnittspreis der erworbenen Anteile beträgt **€44,3379**. Der aktuelle Wert liegt bei 64,1138 €. Diese Differenz erklärt die Gesamtrendite von 44,60 %. Es gibt ein Paradoxon, das das Tracking selbst hervorhebt: Die profitabelsten Einzahlungen waren weder die ersten noch die letzten, sondern jene, als der Markt wie ein Friedhof aussah. Die Einzahlung vom Juli 2022 hat eine Rendite von 70 % akkumuliert. Die Einzahlung vom April 2026, die günstigste im jüngsten Zeitraum, erzielte 7 % in nur einem Monat.
Die DCA-Strategie – Dollar-Cost-Averaging oder regelmäßiges Investieren mit festen Beträgen – sucht nicht den besten Preis. Sie eliminiert Entscheidungen. Der Anleger wählt nicht den Einstieg; er steigt immer ein. Wenn der Markt fällt, kauft er mehr Anteile mit dem gleichen Geld. Wenn er steigt, kauft er weniger. Das langfristige Ergebnis ist ein Durchschnittspreis, der Spitzen und Täler glättet. Das Experiment demonstriert dies mit einer Klarheit, die keine Werbebroschüre erreicht: **Der schlechteste Startzeitpunkt verhindert Gewinne nicht**.
Manche behaupten, DCA sei Unsinn, da Stop-Losses durch Tweets und Fake News ausgelöst werden. Die Kritik hat Logik: Wenn Märkte durch Algorithmen und Schlagzeilen bewegt werden, kann blindes periodisches Kaufen wie intellektuelle Kapitulation wirken. Aber die Tracking-Zahlen lassen wenig Raum für Widerlegung. Vier Jahre, zwanzig Einzahlungen, eine Inflationskrise, zwei Bärenmärkte und eine historische Erholung. DCA vermied keinen Crash. Es überstand sie.
Indexierung als Philosophie: Bogleheads und Blasenangst
Die Diskussion weitet sich schnell zur Indexierung als Massenphänomen. Ein Teil der Analyse argumentiert, dass wenn über 90 % des Aktienmarktes indexiert wären, die Effizienz verloren ginge und eine Blase per Definition entstünde. Der Einwand ist berechtigt, hat aber einen logischen Fehler: Ein MSCI-World-Tracker repliziert den Marktdurchschnitt. Wenn es eine Blase im Index gibt, gibt es sie im gesamten Aktienmarkt, auch für aktive Manager, die ihn schlagen wollen.
Das Gegenargument ist pragmatischer: Wenn Indexierung Ineffizienzen schafft, wird jemand sie ausnutzen. Institutionelle Anleger, die Unternehmen kaufen, die kürzlich aus Indizes ausgeschlossen wurden – wie BBVA, das den Euro Stoxx nahe 2 € verließ und auf 5,5 € zurückkehrte –, beweisen, dass der Markt sich selbst reguliert. Indexierung eliminiert Arbitrage nicht; sie verteilt sie neu.
Die Debatte um die Boglehead-Philosophie taucht häufig auf. Der Konsens ist klar: Bei Indexfonds investiert man monatlich denselben Betrag, egal ob es regnet oder stürmt. Zu raten, wann der Markt tief oder hoch ist, ist ein Anfängerfehler. Ein Teilnehmer fasst es mit einem Bild zusammen, das mehr wert ist als ein Handbuch: Die besten Anleger sind tote Anleger, weil sie keine Bewegungen machen. Fidelity untersuchte dies, und das Ergebnis war genau dieses.
Versteckte Kosten: Gebühren, Dividenden und Steuerlast
Eine der schärfsten Kritiken im Thread richtet sich gegen Einzelaktien, nicht gegen DCA. Das Argument ist stark: Jede gezahlte Dividende geht durch das spanische Finanzamt (Hacienda), jeder Verkauf zum Rebalancing zahlt Kapitalertragsteuer, und dieses verlorene Geld kann nicht reinvestiert werden, um mehr zu generieren. Langfristig ist der Effekt verheerend. Ein Indexfonds hingegen zahlt nichts an das Finanzamt, bis der Teilnehmer redeemt. Eine jährliche Verwahrgebühr von 0,19 % auf einigen Plattformen ist vernachlässigbar im Vergleich zum steuerlichen Aderlass eines Aktienportfolios.
Gebührenvergleiche zwischen indexierten Produkten erscheinen ebenfalls. Ein Nasdaq-Fonds mit 0,30 % Ausgaben scheint teuer gegenüber einem iShares mit 0,10 %, aber wenn keine Alternative existiert, ist die Differenz im Vergleich zur Rendite vernachlässigbar. Die implizite Schlussfolgerung: Kosten zählen, entscheiden aber nicht das Ergebnis.
Inflation als Argument: Cash ist das riskanteste Asset
Der Thread besteht auf einem Punkt jenseits von Aktien: Bei negativen Realzinsen – wo die Inflation die offiziellen Zinsen übersteigt – verliert ruhendes Geld auf Girokonten unaufhaltsam Kaufkraft. Der Satz ist brutal und duldet keine Nuancen: Ein Sparkonto oder eine Anlage ist das richtige Instrument, wenn man die Gewissheit will, im Ruhestand arm zu sein.
Die Logik ist der Zinseszins, der gegen einen arbeitet. Der gleiche Mechanismus, der ein indexiertes Portfolio wachsen lässt, schrumpft die Kaufkraft von Cash. Jedes Jahr wird Geld aus dem Nichts gedruckt, etwa 8 % der Geldmenge des Vorjahres nach den verwendeten Berechnungen. Jenseits der laufenden Ausgaben in Liquidität zu bleiben, verschenkt Kaufkraft. Der Aktienmarkt hat Rückenwind, auch wenn er in Böen bläst.
Der Thread erkennt auch Grenzen an: Es gibt keine Glaskugel. Die Empfehlung lautet nicht „Investiere alles und vergiss es“, sondern „Diversifiziere über verschiedene Anlageklassen, nicht um mehr zu verdienen, sondern um weniger zu verlieren, wenn es schlecht läuft.“ Das tatsächliche Portfolio des Autors kombiniert einen Bogle-Anteil mit altersabhängigen Aktien, ein permanentes Portfolio und einen Teil Einzelaktien. Das Experiment im Thread ist nur die sichtbare Spitze des Eisbergs.
Entwicklung des Experiments: Von 9.000 € auf 20.000 €
Das Tracking ermöglicht eine präzise Rekonstruktion der Entwicklung. Im Januar 2024, bei 9.000 € investiert, betrug die Rendite 10,32 %. Im März 2024 19,42 %. Im Oktober 2024, bei 12.000 €, 22,69 %. Im Dezember 2024 32,49 % und eine interne Verzinsung (IRR) von 18,15 %. Im Juni 2025, bei 14.000 €, fiel die Rendite auf 22,00 % und die IRR auf 10,87 %. Im Mai 2026, bei 18.000 €, 36,47 %. Im Juli 2026, bei 19.000 €, 43,13 %. Im September 2026 44,30 %. Und im November 2026, mit den vollen 20.000 €, 44,60 %.
Die Trajektorie ist nicht linear. Es gibt Phasen seitwärts, Abfälle und Sprünge. Der MSCI World verbrachte Monate flach, bevor er nach oben ausbrach. Wer im März 2026 einstieg, sah den Index seitdem um über 15 % steigen. Wer seit 2022 dabei ist, hat zwei Bärenmärkte und eine Inflationskrise durchlitten. Das Endergebnis ist gleich: Zeit im Markt wiegt schwerer als Timing des Marktes.
Die offene Frage ist nicht, ob DCA funktioniert. Diese Tracking-Zahlen sagen ja, sogar beim Start am schlechtesten möglichen Tag. Die Frage ist, wie viele Menschen Disziplin bewahren, wenn der Markt um 20 % fällt und Nachrichten von Rezession sprechen. Dort trennt sich der echte Index-Anleger von denen, die Indexprodukte für aktives Management nutzen. Ersterer kauft mehr. Letzterer verkauft. Und Letzterer bedauert es fast immer.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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