Das Muster hinter angekündigten Suizidversuchen in einem anonymen Forum

Zehn angekündigte Suizidversuche in einem anonymen Forum: zwischen Hohn und echter Sorge. Hilferuf oder wiederholtes Trolling? Eine Analyse des Musters.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zehn angekündigte Versuche und ein Muster, das niemand durchbricht

"Ich teile euch mit, dass ich sterben werde", schrieb ein anonymer Nutzer in einem Online-Forum. Stunden später, nachdem sich die Antworten zwischen Spott, buddhistischen Ratschlägen und dem Angebot eines Sargs aus Spanplatte bewegten, schlief er zehn Stunden und wachte "gerädert" auf. Der Vorfall ist keineswegs ein Einzelfall, sondern folgt einer wiederkehrenden Choreografie: Ankündigung, empörter Kommentar, Gegenkommentar, Verweis auf Meditation und am Ende Schweigen oder die Rückkehr am nächsten Tag. Es ist das zehnte Mal, nach eigener Zählung, dass derselbe Nutzer in demselben Forum seinen Suizid ankündigt.

Eine Vorgeschichte mit zehn Warnungen

Der Ablauf wiederholt sich. Der Nutzer, der angibt, seinen "zehnten" Versuch bereits hinter sich zu haben, erwähnt frühere Versuche in Mérida im August. Diesmal wurde die mutmaßliche Krise durch Konflikte mit anderen Teilnehmern ausgelöst, durch Erwähnungen von Streaming-Konten und durch Bitten um Bizum-Zahlungen (in Spanien verbreitete Sofortüberweisung per Handy) für den Sarg. Die Reaktionen schwanken zwischen Hohn —"das kündigst du schon seit Jahren an"— und dem ernsthaften Versuch, ihn aufzuhalten: "Wenn das ernst gemeint ist, auch nur zu 10 Prozent, ruf die 024 oder die 112 an." Die Mischung aus Ironie und Ernsthaftigkeit prägt den Ton des Threads.

Der Effekt vom Hirtenjungen und dem Wolf in der digitalen psychischen Gesundheit

Die vorherrschende Reaktion ist Skepsis. "Das sind jetzt zehn oder elf Male. Wenn du wirklich gehst, nimmt dich niemand mehr ernst", fasst einer der Kommentare zusammen. Der sogenannte Effekt vom Hirtenjungen und dem Wolf macht sich breit: Die wiederholten Suizidankündigungen ohne echte Folgen untergraben die Glaubwürdigkeit und verringern die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem echten Versuch jemand Maßnahmen ergreift. Dennoch bestehen einige Teilnehmer darauf, jede Androhung ernst zu nehmen, auch die zehnte.

Das Paradox der digitalen Begleitung

Gegen das digitale Schafott beruft sich ein Teilnehmer auf die buddhistische Meditation —"Meditation ist die Abwesenheit von Gedanken"—, ein anderer bietet Gebete zum Heiligsten Herzen an. Der Kontrast zwischen der Leichtfertigkeit der Antworten und dem Ernst der Lage zeigt, wie schwer es ist, solche Situationen in ungefilterten Umgebungen zu handhaben. Sogar ein Bot wirft dem Nutzer vor, "nur Theater zu machen", und erinnert ihn daran, dass er alle bisherigen überlebt hat. Das Paradox: Niemand wünscht sich seinen Suizid, aber niemand glaubt daran, dass er ihn wirklich begeht. Und dieser Unglaube kann auf Dauer das eigentliche Problem sein.



Vor diesem Hintergrund lautet die unbequeme Frage, ob die Online-Community, indem sie diese Androhungen als Teil der Landschaft normalisiert, dazu beiträgt, ein Umfeld zu schaffen, in dem eine echte Tat unbemerkt bleiben könnte. Unterdessen schläft der Nutzer weiter und wacht weiter auf und speist so den Kreislauf.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (66 Antworten).

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