63 % der spanischen Haushalte haben weniger als 15.000 € auf dem Konto
63 % der spanischen Haushalte verfügen über weniger als 15.000 Euro auf Girokonten und in Spareinlagen. Die Hälfte hat nicht einmal 8.000 Euro. Diese Zahl ist unbequem, und die instinktive Reaktion jedes Einzelnen, der auf seinen Kontoauszug schaut, ist dieselbe: Das ergibt keinen Sinn. Reisen jeden Sommer, Mittelklassewagen, Restaurantbesuche, teure Smartphones. Diese Diskrepanz zwischen dem, was man auf der Straße sieht, und dem, was Statistiken messen, ist eigentlich das eigentliche Thema. Denn der Prozentsatz ist verifizierbar; die Schlussfolgerungen, die jeder daraus zieht, sind es weit weniger.
Was zählt als Ersparnis und was bleibt unberücksichtigt
Die erste Falle ist semantischer Natur. Die Daten beziehen sich auf Geld auf Girokonten und in Spareinlagen, nicht auf Vermögen. Eine Familie mit abbezahlter Hypothek, einer Eigentumswohnung und null liquiden Mitteln fällt in die Gruppe derer, die unter 15.000 Euro liegen, obwohl ihre reale Bilanz ganz anders aussieht. Manche argumentieren, dass dies in Spanien einen großen Teil des Rätsels erklärt: Hier sparen die Menschen nicht in Indexfonds wie im Norden Europas, sondern in Immobilien („ladrillo“), und Immobilien tauchen in diesen Statistiken nicht auf.
Diese Nuance ist wichtig, rettet aber niemanden vor finanzieller Unsicherheit. Eine Wohnung zu besitzen zahlt keine Zahnarztrechnung, deckt keine Arbeitslosigkeit ab und repariert kein Auto. Liquidität ist das, was einen Schock von einer Krise trennt. Und bei der Liquidität sieht die Lage so aus, wie sie ist.
Der Durchschnitt von 55.300 € pro Haushalt, den kaum jemand erreicht
Hier tritt das zweite Problem auf, ein Klassiker. Grobe Zahlen sprechen von mehr als 1,1 Billionen Euro an Bargeld und Einlagen, verteilt auf etwa 19,8 Millionen Haushalte, was einen Durchschnitt von über 55.000 Euro pro Haushalt ergibt. Diese Zahl kursiert oft in sozialen Medien und lässt Zweifel daran aufkommen, ob die Statistik mit den 63 % korrekt ist.
Sie ist korrekt. Der Durchschnitt ist ein statistisches Artefakt, wenn die Verteilung extrem ungleich ist: Ein Anteil von 0,54 % der Bevölkerung mit Milliardärenvermögen zieht den Durchschnitt nach oben und lässt den Median dort, wo er ist. In Spanien gibt es etwa 18.000 Familien mit einem Vermögen von über 15 Millionen Euro und rund 33 mit über 1 Milliarde Euro. Mit solchen Extremwerten beschreibt der Durchschnitt niemanden. Er beschreibt nur die Kluft zwischen ihnen.
Volle Bars und finanzierte Reisen: Sparen, das in Raten aufgeht
Gut, warum sind dann Einkaufszentren samstags nachmittags voll? Weil sichtbarer Konsum und Sparen zwei verschiedene Dinge sind, und in Spanien wird Ersteres oft finanziert. Barometer für Konsumentenkredize zeigen, dass zwischen 16 % und 17 % der Kredite speziell zur Finanzierung von Urlauben aufgenommen werden. Betrachtet man die gesamte Bevölkerung, greifen etwa 20 % der Spanier auf eine Form der Finanzierung zurück – ob Personalkredit, Kreditkarte oder Ratenzahlung –, um in den Urlaub zu fahren.
Dieses Muster wiederholt sich in konkreten Fällen. Ein junges Ehepaar zur Miete mit einem monatlichen Nettoeinkommen von etwa 3.000 Euro und ohne Kinder: 500 Euro für Tabak, 400 Euro für Restaurants, 400 bis 600 Euro für den Supermarkt und 250 Euro für Haustiere. Es bleibt Geld für alles übrig, außer für einen Notgroschen. Die am häufigsten gezogene Schlussfolgerung ist, dass dieser Lebensstandard keinen Reichtum beweist, sondern zeigt, dass das Geld nicht gespart wird: Es wird auf Raten ausgegeben, was die teuerste Art ist, so zu tun, als hätte man etwas.
Die Angst, dass das Ersparte weggenommen wird
Es gibt einen psychologischen Faktor, der in Umfragen nicht auftaucht und teilweise das Verhalten erklärt. Im Jahr 2013 führte der Haircut (Schuldenschnitt) auf Einlagen in Zypern – im Rahmen der Rettungsmaßnahmen auferlegt – zunächst zu einer Bestrafung von 6,75 % auf kleine Einlagen, die nach öffentlichem Druck zurückgenommen wurde, traf aber große Konten hart: Bei der Bank of Cyprus lag der finale Schuldenschnitt bei 47,5 %. Dieses Ereignis brannte sich tief ein. Die Idee, dass Sparen eine Gefahr ist und kein Sicherheitsnetz, hat ihre historische Logik. Hinzu kommt das Misstrauen, dass jeder sichtbare Notgroschen vom Agencia Tributaria (spanische Steuerbehörde) erfasst wird, eine Sorge, die dazu führt, lieber auszugeben als zu deklarieren.
Kann man sparen? Das Argument, dass gesunde Ernährung nicht teuer ist
Die andere Seite der Uneinigkeit betrifft die Finanzkultur. Eine oft wiederholte Berechnung bezieht sich auf den Einkommensanteil: Wer es schafft, jährlich 20 % beiseitezulegen, spielt in einer anderen Liga, und wer es nicht versucht, kann nicht nur das System beschuldigen. Daraus entsteht das Beispiel, das am meisten Unbehagen bereitet: Die Person, die eine Entschädigung für einen Unfall erhält und beschließt, sie für eine Reise nach Thailand auszugeben, weil „das Leben kurz ist“.
Angesichts der Erzählung, dass der Einkaufskorb alles erklärt, steht die Haushaltsaufstellung dagegen. Wassermelone für 0,66 Euro pro Kilo. Frischer Lachs für 9 oder 10 Euro pro Kilo, im Vergleich zu 25 Euro für verpackten. Eier sind günstig. Kalbfleisch ist teuer, aber Hähnchen und Schweinefleisch nicht. Gut essen ist nicht teuer; hastig essen schon, und hier wird die Diskussion ehrlich.
Die Zahl, die verwirrt
Bleibt die Tatsache, die kaum jemand bestreitet: Die Mehrheit der spanischen Arbeitnehmer lebt nur zwei Gehälter entfernt von der Armut, viele sogar nur eines. Mit dieser Fragilität wird die Tatsache, dass 63 % unter 15.000 Euro liegen, keine Anomalie mehr, sondern die logische Konsequenz. Die vernünftige Prognose ist, dass dieser Prozentsatz nicht sinken wird, solange die Wohnkosten jede Lohnsteigerung auffressen, auch wenn man solche Vorhersagen mit Vorsicht genießen sollte: Wenn das letzte Jahrzehnt etwas gelehrt hat, dann dass Prognosen über fremde Geldbeutel schnell alt werden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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