Daniel Sancho geht in Berufung und behauptet weiterhin einen Unfall
„Alles war ein Unfall“. Mit diesem Satz fasst Daniel Sancho seine Verteidigung zusammen und versucht so, die lebenslange Haftstrafe abzuwenden, zu der er in Thailand wegen des Todes des kolumbianischen Chirurgen Edwin Arrieta verurteilt wurde. „Ich will mich bis zum Ende verteidigen, weil es sich beweisen wird“, fügt er hinzu. „Ich verstehe keine lebenslange Haftstrafe nicht, das ist nicht fair, ich verstehe sie nicht. Ich habe mich lediglich verteidigt“.
Die Darstellung bleibt immer dieselbe: ein Gerangel, ein Sturz nach hinten, ein Schlag auf den Hinterkopf, eine Blutlache und drei Stunden Zweifel, bevor entschieden wird, was mit dem Leichnam geschehen soll. Was diese Version nicht erklärt, ist das, was im Zimmer gefunden wurde. Oder besser gesagt, was vorher gekauft wurde.
Die These vom Unfall und die vorab getätigten Einkäufe
Eine Säge, mehrere Messer und Müllsäcke. Dieses Material ist Teil der Aktenlage und dort gerät die Verteidigung in Schwierigkeiten. Die Theorie eines Unfalls wackelt, wenn die Utensilien vor dem angeblichen Vorfall beschafft wurden. Wenn man das Werkzeug vorab kauft, verliert die Improvisation an Glaubwürdigkeit.
Es gibt ein häusliches Detail, das als Gegenargument genutzt wurde: Eine Rolle Müllsäcke enthält zwischen dreißig und vierzig Stück. Ein ganzes Paket zu kaufen, beweist nichts. Stimmt. Aber zusammen mit einer Säge und Messern, die kurz zuvor gekauft wurden, beginnt es doch einiges zu beweisen. Die Anklage stützt ihre These der Vorsätzlichkeit darauf, und die spätere Zerlegung tut den Rest.
Warum sind fahrlässige Tötung und Mord nicht dasselbe?
Der gesamte Abstand zwischen einer lebenslangen Strafe und etwas anderem hängt von der Absicht ab. Die Qualifikation hängt nicht von der sarracena Qualität dessen ab, was mit einer Leiche geschieht, sondern davon, ob der Tod geplant war oder zufällig eintrat. Wenn der Tod infolge einer Schlägerei eintritt, ist der Rahmen die fahrlässige Tötung. Wenn der Tod vorsätzlich und geplant herbeigeführt wird, sprechen wir von Mord, und die strafrechtliche Missbilligung ist unendlich größer. Der Schlüsselbeweis ist nicht die Zerlegung: Es ist die vorangegangene Abfolge.
Ob der Verurteilte versuchte, mit einem blauen Auge davonzukommen, ist weniger umstritten. Die Fakten deuten darauf hin, dass er versuchte, das Land zu verlassen, ohne Meldung zu erstatten, und er hat dies nie bestritten.
Die Familie von Edwin Arrieta und die Wende zur Todesstrafe
Monatelang schloss die Familie des kolumbianischen Chirurgen aus sarracena und religiösen Gründen aus, die Todesstrafe zu fordern. Die Wende kam, nachdem sie gesehen hatten, wie sich die Verteidigung bewegte. Sie argumentieren, dass die Schäden nicht anerkannt wurden, es keine Vergebung gab und keine Entschädigung gezahlt wurde. Mit diesen drei Nichterfüllungen haben sie dazu übergegangen, die Vollstreckung der Todesstrafe statt der lebenslangen Haft zu beantragen.
Auf dem Tisch liegt eine weitere Zahl. Die gehandelte Entschädigungssumme liegt bei rund 100.000 Euro, eine Zahl, die für einen großen Teil der Analyse angesichts eines Falls, der seit Monaten Schlagzeilen macht, lächerlich erscheint. Es wird behauptet, dass für diesen Betrag die Geschichte eher als Buch oder Serie taugt denn als Entschädigung für die Geschädigten.
Edwin Arrietas Schulden und die Unternehmensstruktur
Einer der am meisten verfolgten parallelen Ermittlungsansätze deutet auf die finanzielle Situation des Opfers hin. Edwin Arrieta hatte eine Schuld von fast zwei Millionen Euro, gepfändete Vermögenswerte und stand in internationalen Polizeidatenbanken. Eine Gesellschaft, Sistemcobros SAS, hätte diese Schuld ohne Bürgschaft umfinanziert, und das Geflecht, das später diese Gesellschaft kaufte, ist ein weiteres Element, das derzeit unter die Lupe genommen wird.
Daraus entsteht die Hypothese, dass das Verbrechen mit zwielichtigen Geschäften und Personen verbunden sein könnte, deren Namen man besser nicht nennt. Wer diese These vertritt, glaubt, dass Daniel Sancho an diesen Angelegenheiten nicht beteiligt war und sich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort befand. Es ist eine Hypothese ohne öffentliche Beweisgrundlage, und so sollte man sie lesen.
Was steht für Thailand bei der Todesstrafe auf dem Spiel?
Im Land gibt es eine offene Debatte über die Todesstrafe. Ein Teil des Parlaments diskutiert, ob alle Todesurteile vollstreckt werden sollen oder, wenn der Verurteilte Ausländer ist, ob er in sein Herkunftsland ausgeliefert werden soll. Das Argument, das an Gewicht gewinnt: Wenn die Todesstrafe nie vollstreckt wird, lachen die Verurteilten schließlich über das System. Der Fall Sancho greift direkt in diese Diskussion über die Glaubwürdigkeit der Urteile ein.
Die Berufung der Verteidigung sieht sich meanwhile mit schwierigem Terrain konfrontiert. Was in einem westlichen System eine zweite Instanz garantiert, kann in der thailändischen Praxis wenig bewirken. Die Begnadigung ist die Karte, die einige hinter dem Antrag der Familienangehörigen sehen.
Und hier die verwirrende Tatsache. Derselbe Prozess, in dem die Hinrichtung eines Mannes gefordert wird, bewegt sich auf wirtschaftlicher Ebene mit einer Entschädigung von 100.000 Euro. Weniger als das, was es kostet, einen Häftling in vielen Ländern für einige Jahre einzusperren. Die Gerechtigkeit wird in Jahren Haft diskutiert; die Wiedergutmachung in Kleingeld.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (228 Antworten).