Colau schiebt die Plünderungen in Barcelona der extremen Rechten zu

Die frühere Bürgermeisterin von Barcelona macht die extreme Rechte für die Plünderungen verantwortlich, während die Debatte zu Bilbao, Ceuta und der Angst-Erzählung als Wahlkampfwaffe abdriftet

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Colau schiebt die Plünderungen in Barcelona der extremen Rechten zu
Colau macht die extreme Rechte für die Plünderungen in Barcelona verantwortlich

Gibt es die extreme Rechte in Spanien überhaupt? Die Frage, die wie ein Party-Witz klingt, ist zum Dreh- und Angelpunkt einer Diskussion geworden, die mit einem Vorwurf der früheren Bürgermeisterin von Barcelona begann und am Ende zu den Ausschreitungen in Bilbao, der Wohnungspolitik und der Rolle Russlands abdriftete. Die Behauptung, die extreme Rechte stecke hinter den Plünderungen in Barcelona, ist in Teilen der Analyse auf Skepsis gestoßen, die die Existenz dieses Akteurs auf der spanischen politischen Landkarte schlicht bestreitet. Eine andere Strömung sieht das Gegenteil: Die Erzählung, die auf Moskau oder die Ultras verweist, diene dazu, das wahre Wesen der Ausschreitungen zu verschleiern.

Das Argument, das die Ultras als Täter bestreitet

Der erste Einwand ist ein Lehrbuchargument: Wenn es in Spanien keine extreme Rechte gibt, kann sie kaum Plünderungen organisieren. Die Formulierung, mit Ironie wiederholt, verweist auf ein Paradox, das den gesamten Thread durchzieht: Die Ultras tauchen als Universalerklärung auf, wenn es passt, und verschwinden von der Landkarte, wenn es darum geht, konkrete Verantwortung zuzuweisen. Manche treiben das Argument weiter und behaupten, der Verweis auf die Angst vor der extremen Rechten funktioniere als Rauchvorhang, um von anderen Themen abzulenken – etwa von der Wohnungspolitik oder dem Umgang mit den Protesten.

Der Kontrapunkt kommt von denen, die die eigentliche Ablenkungsoperation im Gegenteil sehen: Pilingui, Trump oder einer internationalen Verschwörung alles die Schuld zu geben, was auf der Straße passiert. Die Ironie über den Automatismus, mit dem jedes Chaos Moskau zugeschrieben wird, ist zur Gemeinplatz der Debatte geworden. Die Frage, die im Raum steht: Wie sehr braucht die offizielle Erzählung einen äußeren Schuldigen, um nicht nach innen zu blicken?

Von Barcelona nach Bilbao: Ausschreitungen, für die sich niemand verantwortlich zeigt

Die Konversation verlagert sich bald zu den Ausschreitungen in Bilbao, wo Parolen zugunsten der ETA zu hören waren und Gruppen aktiv wurden, die laut den zitierten Berichten die Rückkehr der Terrororganisation fordern. Der Befehl der Ertzaintza (baskische Regionalpolizei), nicht einzugreifen, gilt als einer der am stärksten kritisierten Punkte. Die Frage, wer diesen Befehl gab, bleibt im verfügbaren Material unbeantwortet, doch der Verdacht einer bewussten Untätigkeit liegt über großen Teilen der Diskussion.

Der Fall Salt fügt eine weitere Ebene hinzu: Eine Abgeordnete der CUP soll die Ausschreitungen in der Gemeinde damit gerechtfertigt haben, dass das Verbrennen von Müllcontainern ein eigenes kulturelles Merkmal sei. Das von Medien aufgegriffene Zitat dient als Beispiel dafür, wie schwer es Teilen der Linken fällt, Gewalt zu verurteilen, wenn sie nicht wissen, ob sie ihre eigene ist. Der meist wiederholte Gedanke: Manche Parteien verurteilen nur die Gewalt der anderen, nie die eigene – und diese Ambivalenz lässt sie sprachlos, wenn die Ausschreitungen auf ihrem eigenen Terrain ausbrechen.

Die PSOE, Marokko und der Mitnahmeeffekt

Parallel dazu verlagert sich der Fokus auf die institutionelle Politik. Erwähnt werden eine Kampagne Marokkos zugunsten der PSOE (spanische Sozialisten), das Migrationsmanagement in Ceuta und die Entscheidung der Regierung, der Armee zu untersagen, den geplanten Plan zur Eindämmung des Zustroms umzusetzen. Auch ist von Organisationen im Umfeld der ETA-Szene die Rede, die angeblich finanzielle Unterstützung für die Organisation von Veranstaltungen erhalten haben. Es sind Behauptungen, die im Material ohne gerichtliche Bestätigung kursieren und mit gebotener Vorsicht zu behandeln sind.

Die Wahlrechnung taucht in mehreren Beiträgen auf: Die PSOE erwarte Tausende nützliche Stimmen aus dem Frente Amplio dank des Mitnahmeeffekts vom Senat zum Kongress. Die Lesart: Die Mobilisierungsmaschinerie funktioniert mit der Angst vor der extremen Rechten als Treibstoff besser als mit konkreten Vorschlägen zur Wohnungspolitik. Der Streik der Gewerkschaften und die Unzufriedenheit über die Mietpreise treten laut dieser Interpretation in den Hintergrund, verdrängt von der Erzählung der extremistischen Gefahr.

Wer organisiert eine Plünderung – und warum es niemand klar sagt

Die Analyse sozialer Netzwerke zur Organisation der Plünderungen in Barcelona wird als eines der Stücke erwähnt, die das größte Interesse wecken. Die Grundfrage: Wer ist in der Lage, Hunderte Menschen an mehreren Punkten der Stadt in einer einzigen Nacht zu koordinieren? Die Antwort steht nicht im Material. Was aber steht darin, ist die Feststellung, dass sich die einfachen Erklärungen – die Ultras, Russland, Israel, arabische Geheimdienste – gegenseitig konkurrieren, ohne dass sich eine durchsetzt.

Die letzte Ironie liefert die Tatsache, dass der Regierungsdelegierte in Madrid zurückgetreten ist, nachdem er nicht auf die Listen der PSOE gerutscht war. Manchmal erklärt sich die Politik von selbst.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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