CIS: 19 % der spanischen Jugend sieht Franco-Ära positiv

Laut CIS-Umfrage bewerten 19 % der 18- bis 24-Jährigen die Jahre des Franquismus als gut. Expertin Josefine Table nennt das Schulversagen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

19 % der jungen Spanier halten den Franquismus für eine gute Zeit

Jeder fünfte Spanier zwischen 18 und 24 Jahren betrachtet die Jahre der Diktatur als «gut» oder «sehr gut» für das Land und seine Bürger. Der im Oktober-Barometer des Centro de Investigaciones Sociológicas (CIS) erhobene Wert nährt seit Monaten eine Debatte, die über reine Nostalgie hinausgeht: Sie berührt Lehrpläne, soziale Medien und die Erinnerung an den Übergang zur Demokratie (Transición). Die Geschichtsvermittlerin Josefine Table fasst es in einer unbequemen Aussage zusammen: «Diese Bildung erhalten sie jetzt über soziale Netzwerke; ihr erster Kontakt mit Franco kann ein lustiges Video sein.»

Was der CIS über junge Menschen und Franco sagt

Die Studie des CIS beziffert den Anteil der 18- bis 24-Jährigen, die die Diktaturjahre als «gut» oder «sehr gut» bewerten, auf 19 %. Es ist keine Mehrheit, aber eine Zahl, die hoch genug ist, um vom statistischen Bericht in die öffentliche Diskussion zu springen.

Tables Erklärung verweist auf einen Vermittlungsfehler. Sie spricht von einer «institutionellen Nachlässigkeit von Behörden und Regierungen, die die historische Aufarbeitung nicht in den Lehrplänen priorisiert haben». Das Ergebnis sei, dass viele junge Menschen kein Grundwissen über den Franquismus haben, geschweige denn wissen, wer Franco war.

Der Pakt des Vergessens während der Transición

«Was wir sehen, ist die Folge eines Landes, das seinen Übergang zur Demokratie durch das Vergessen gestalten wollte», argumentiert die Vermittlerin. Diese These, die in Spanien in Büchern und Dokumentationen oft wiederholt wurde, prallt auf eine harte Realität: Das Vakuum wird gefüllt. Der Satiriker El Gran Wyoming formulierte dies gegenüber InfoLibre so: «Eine Generation, die in absoluter Desinformation über ihre eigene Geschichte und jüngste Vergangenheit lebte – und deshalb ist, was sie ist.»

Er fügte eine Nuance hinzu, die man nicht ignorieren sollte: «Wenn es keine alternativen Optionen gibt und niemand ihnen erklärt hat, was diese Massaker wirklich waren, dann ist es logisch, dass einige so denken.» Die Diagnose lautet also nicht, dass junge Menschen Franquisten sind, sondern dass man ihnen keine Werkzeuge gegeben hat, um es nicht zu werden.

Der erste Kontakt mit Franco: Ein unterhaltsames Video

Table beschreibt einen Mechanismus, der jedem bekannt vorkommt, der schon einmal eine WhatsApp-Gruppe von Zwanzigjährigen gesehen hat. Der erste Kontakt mit der Figur des Diktators erfolgt nicht über ein Lehrbuch, sondern über kurze, mit Musik unterlegte Clips, die amüsant wirken. «Es geschieht nicht ideologisch, sondern identitätsstiftend: Solche Videos zu teilen bedeutet, Teil der Freundesgruppe zu sein, Teil von Spiel- und Feierdynamiken.»

Hier liegt die Paradoxie. Der Konsum ist nicht politisch, sondern sozial. Doch die aggregierte Wirkung ist es sehr wohl: Ein Teil der Generation, die die Verfassung nicht gewählt hat, beginnt, den Franquismus mit einer Neugier zu betrachten, die nicht zwischen Humor und Verherrlichung unterscheidet.

Die andere Seite der Medaille: Wohnraum, Löhne und Nostalgie

Das schulische Defizit allein erklärt die 19 % nicht. In der öffentlichen Debatte taucht ein weiterer, weniger bequemer Faktor auf: der materielle Vergleich. Manche behaupten, junge Menschen sähen bei ihren Großeltern Wohnungen, die mit einem einzigen Gehalt gekauft wurden, feste Jobs direkt nach der Ankunft aus dem Dorf und eine Stabilität, die für sie unerreichbar scheint. In dieser Erzählung wäre die Nostalgie nicht ideologisch, sondern ökonomisch begründet.

Gegen diese Lesart steht ein ebenso gewichtiger Gegenargument: Während des Franquismus gab es keine bürgerlichen Rechte, keine Pressefreiheit und keine freie Gewerkschaftsbewegung, und die Repression war systematisch. Nur den Wohnungspreis zu vergleichen heißt, einen Ausschnitt des Bildes zeigen und es das ganze Gemälde nennen.

Wer ist Josefine Table und warum ist sie relevant?

Die Vermittlerin, die das Thema ins Rampenlicht gerückt hat, ist keine klassische Akademikerin. Sie wird mit Podemos Andalucía in Verbindung gebracht, und ihre Inhalte konzentrieren sich auf historische Aufarbeitung, Klassenkampf und Systemkritik. Dieses Profil erklärt, warum die Debatte so schnell vergiftet wurde: Jede Seite diskutiert erst die Quelle, bevor sie über die Daten spricht.

Und die Daten bleiben bestehen. 19 % sind keine Mehrheit, aber auch kein statistisches Rauschen. Es ist das Foto eines Landes, das beschloss, nicht über seine jüngste Vergangenheit zu sprechen, und nun feststellt, dass jemand anderes dies tut – mit schlechterer Grammatik, aber besseren Algorithmen.



Reicht es aus, den Franquismus wieder in den Lehrplan aufzunehmen, oder besteht das Problem darin, dass die Schule gegen einen Bildschirm konkurriert, der nie schläft?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (147 Antworten).

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