Chile rückt nach rechts: Kast gewinnt Stichwahl mit 60 zu 40

Kast gewinnt die chilenische Stichwahl mit 60 % gegen Jara von der Kommunistischen Partei (40 %). Die Rechte stellt 90 Abgeordnete, die Linke erkennt die Niederlage an.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Chile wählt Kast: Vom 26 % für Jara zum 60 %-Sieg der Konservativen

Werden die Kommunisten weitermachen? Nein. Die chilenische Stichwahl am 14. Dezember endete mit einem Ergebnis von 60 % zu 40 % für José Antonio Kast, der Präsident wird, nachdem die Kandidatin der Partido Comunista de Chile, Jeannette Jara, in der ersten Runde nur knapp über 26 % der Stimmen erhalten hatte. Das linke Lager erkannte die Niederlage an: Jara gratulierte Kast und Präsident Gabriel Boric telefonierte mit dem Sieger, um dessen «klaren Sieg» anzuerkennen. Der Wandel betrifft nicht nur das Präsidentenamt: Laut den während der Auszählung veröffentlichten Daten kommt die Rechte auf 90 Sitze im Parlament gegenüber 64 für die Linke.

Die Paradoxie dieser Wahl liegt im Wählerverzeichnis. Durch die Wahlpflicht stieg die Zahl der Stimmberechtigten auf 16 Millionen, fünf Millionen mehr als bei den vorherigen Wahlen, als die Stimmabgabe freiwillig war. Die Theorie besagte, dass diese neuen Wähler das Pendel nach links ausschlagen lassen würden. Die Praxis zeigt das Gegenteil: Die einzige Kandidatin des gesamten pogre Lagers erreichte nicht einmal die 38 %, die das Ja-Lager bei der Abstimmung 2022 erzielt hatte.

Was wurde aus Kaiser, der Überraschung, die keine war?

Der Libertäre Johannes Kaiser ging mit einem Kampagnen-Rock («El Trueno Libertario») und dem Ruf einer Überraschung in diese Wahlen. Die ersten Hochrechnungen dämpften die Erwartungen: Bei konsolidierten Ergebnissen von 10.000, 15.000 und 23.000 Stimmen lag er hinter Kast und lange Zeit sogar hinter Franco Parisi, der sich um die 19 % bewegte. Es gab keinen Überholmanöver. Am Ende bot Kaiser Kast seine Unterstützung an.

Die Rechte trat gespalten mit drei Kandidaturen an: Kast, Kaiser und Evelyn Matthei. Letztere wurde von RN, UDI und Evópoli unterstützt, zusätzlich von Demócratas und Amarillos por Chile. Die Diagnose während des gesamten Tages war einhellig: Mit einer geeinten Rechten wäre das Ergebnis schon vor der Stichwahl entschieden gewesen. Die Spaltung verhinderte den Sieg nicht, zwang Kast aber dazu, konkrete Unterstützungsabkommen für die Regierungsbildung auszuhandeln.

Senat und Abgeordnetenkammer: Die andere Wahl

Die Chilenen erneuerten nicht nur das Präsidentenamt. Es wurden alle Sitze der Cámara de Fruta und 23 der 50 Sitze im Senat gewählt. Die Summe der rechten Parteien erreicht 90 Abgeordnete, was eine Mehrheit darstellt, obwohl Kast mit anderen Formationen paktieren muss. Die Linke ist mit 64 Sitzen in der Minderheit, und es bleibt abzuwarten, ob sie ihre Einheit nun als Opposition bewahren kann.

Während der Auszählung trat ein Verfahrensproblem auf: In einigen Wahllokalen wurden die Umschläge ohne die vorherige Unterschrift der Wahlbeobachter geöffnet, ein Schritt, den das Gesetz vor der Zählung vorschreibt. Die Parteivertreter wurden auf die Unregelmäßigkeit hingewiesen. Bei einer Nachzählung von mehr als 6.000 Stimmen verliert dieser Effekt an Bedeutung, da jeder Stimmzettel zudem einen Kontrollaufkleber trägt.

Wahlpflicht und die grundlegende Debatte

Der Wechsel von der freiwilligen zur verpflichtenden Wahl war kein administratives Detail. Er brachte Millionen Menschen, die normalerweise nicht wählen gehen, ins Wählerverzeichnis und eröffnete erneut die Diskussion darüber, ob Wählen ein Recht oder eine Pflicht ist. Vergleiche mit anderen Ländern legen nahe, dass Sanktionen für Nichtwähler oft wirkungslos bleiben: Amnestien, symbolische Bußgelder, die verjähren, und am Ende geht nur wer will. Der eigentliche Unterschied ist, dass jetzt alle im Wählerregister stehen.

Im Ausland waren die Ergebnisse noch deutlicher. In den Wahllokalen in Israel erhielt Kast laut lokalen Medienberichten vorläufigen Daten zufolge 95,5 % gegenüber 4,5 % für die Kandidatin der Regierungskoalition.

Was steht für die Region auf dem Spiel?

Das chilenische Ergebnis wird im kontinentalen Kontext gelesen. Lateinamerika rückt in dieser Saison nach rechts, mit Ausnahme von Honduras, wo die Auszählung aufgrund eines minimalen Unterschieds zwischen den beiden führenden Kandidaten von etwa einem halben Prozentpunkt blockiert ist. Die chilenische Linke, die seit 2021 unter Boric regierte, sieht sich laut einem Teilnehmer mit dem schlechtesten Wahlergebnis seit 53 Jahren konfrontiert.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die neue legislative Landkarte gestaltet und welchen Handlungsspielraum Kast tatsächlich hat, um sein Programm mit einer Fraktion durchzusetzen, die zwar insgesamt eine Mehrheit stellt, aber nicht homogen ist. Der 14. Dezember entschied die Präsidentschaft. Die Regierbarkeit beginnt jetzt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (146 Antworten).

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