Ceuta, Trapero und die Unabhängigkeitsbewegung: Spanien bebt

Traperos Rücktritt und das Getöse um Ceuta und Melilla beleben die These vom Zerfall Spaniens, während der IBEX weiter steigt

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ceuta, Trapero und die Unabhängigkeitsbewegung: Spanien bebt
Ceuta, Trapero und Katalonien: Das Hornissennest regiert sich gleichzeitig

Ein Rücktritt und ein Territorium in der Schwebe. Der Abgang von Josep Lluís Trapero, einer zentralen Figur der katalanischen Polizei, und das Getöse um Ceuta und Melilla haben sich zeitlich überschnitten und die unbequemste These der spanischen Politikanalyse wiederbelebt: Der Zerfall des Staates kommt weder durch einen Putsch noch durch eine Erklärung, sondern durch die Anhäufung vollendeter Tatsachen. In der härtesten Diagnose verliert die Verteidigung der Integrität gegenüber Katalonien ihr Argument, wenn ein Teil des Territoriums ohne einen einzigen Schuss verwaltet wird. Und während darüber gestritten wird, steigt der IBEX.

Ceuta und Melilla: die Theorie der Übertragung ohne Schüsse

Der erste Brennpunkt sind Ceuta und Melilla. Die am häufigsten wiederholte These besagt, dass die Souveränität der beiden autonomen Städte sich ohne offenen Konflikt auflöst und dass dieser Präzedenzfall die Logik der territorialen Integrität bricht: Mit welcher Autorität ließe sich danach behaupten, Katalonien dürfe nicht gehen? Die in dieser Analyse zitierten Informationen deuten in diese Richtung, ohne dass eine formale Übertragung oder eine veröffentlichte Vereinbarung bekannt wäre. Genau dort liegt der erste ernsthafte Dissens. Für die einen ist die Sequenz Ceuta-Katalonien eine erzwungene Kausalität. Für die anderen ist es genau die Reihenfolge der Faktoren.

Marokko, die Unabhängigkeitsbewegung und eine Zahl, die nicht aufgeht

Zweite Achse: die These, Marokko finanziere die katalanische Unabhängigkeitsbewegung und dieser Rückhalt erkläre deren Widerstandsfähigkeit. Der Vorwurf wird ohne jeden Beleg erhoben, und wer ihn vertritt, präsentiert ihn als Schlussfolgerung, nicht als Gerichtsakte. Auf dem Tisch steht eine glatte Zahl: zweieinhalb Millionen Marokkaner in Katalonien gemeldet, 35 Prozent der Bevölkerung. Kein Melderegister und keine veröffentlichte amtliche Statistik stützt ein derartiges Verhältnis, doch die Zahl zirkuliert als gewichtiges Argument und zieht eine ganze demografische Theorie über den katalanischen Zensus nach sich.

Pujol sagte es schon 2008

Die Kuriosität des Falls: Ein Teil der Erzählung ist nicht neu. In dem Interviewbuch Toc d'alerta (2008) von Salvador Cot erklärte Jordi Pujol, es sei schwieriger, einen Lateinamerikaner zu integrieren als einen Andalusier, und noch schwieriger einen Marokkaner. Das belegte, wörtlich wiedergegebene Zitat wird nun als Belastungsmaterial gegen den klassischen Nationalismus ausgegraben: Was gestern im Hinterzimmer gesagt wurde, wird heute an der Wahlurne gegen ihn verwendet.

Orriols, die abwandernden Stimmen und ein IBEX, der nichts einpreist

Der dritte Brennpunkt ist die Wahl. Die Abwanderung nationalistischer Stimmen zu Silvia Orriols sammelt die Unzufriedenheit von Katalanen, die sich von ihren früheren Bezugspunkten, rechts wie links, verraten fühlen – so die gängige Diagnose. Und mittendrin der wirtschaftliche Kontrast: volle Plätze und ein steigender IBEX. Der Markt preist keinerlei Bruch ein.

Genau hier stockt die Analyse. Die einen halten die Balkanisierung für beschlossene Sache; die anderen entgegnen, ohne offenen Konflikt sei keine Sezession möglich; und das Geld, das meist recht hat, bevor die Talkshow-Experten es sind, wettet weiter darauf, dass nichts passiert. Traperos Rücktritt kann derweil niemand so recht erklären.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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